SV Schalding-Heining - TSV 1860 Rosenheim 3:0

Brilliert und Verloren: 1860 Rosenheim unterliegt Schalding

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Die Rosenheimer Rothemden gehen trotz einer furiosen Anfangsphase in Niederbayern als Verlierer vom Platz. Hier Maximilian Höhensteiger im Duell mit Schaldings Nico Dantscher.
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Passau - Im letzten Heimspiel vor der Winterpause feierte der SV Schalding-Heining einen 3:0 Sieg gegen den TSV 1860 Rosenheim. Dabei starteten die Gäste überragend in die Partie, spielten die Hausherren teilweise schwindlig - und hätten in der Anfangsphase gleich mehrfach in Führung gehen müssen. Dass sie es nicht taten und sich anschließend fatale Schnitzer gegen den Ball erlaubten, bestraften die entschlossenen Gastgeber mit eiskalter Effizienz. Vor dem Saison-Highlight gegen die Münchner Löwen holen sich die Rosenheimer Sechziger also ein weiteres Mal nur viel Lob ab - aber keine Punkte.

Die Sechziger begannen das Match in der Peripherie der Drei-Flüsse-Stadt äußerst forsch, selbstbewusst und beherzt. Sie kontrollierten von Beginn an Ball und Gegner, ließen das Leder laufen und versuchten trotz des mäßigen Zustands des Spielfeldes auf ihre gewohnten Stärken zu setzen und Fußball zu spielen. Die Fast-Passauer schienen von der Rosenheimer Druckphase gleich nach Anpfiff der Begegnung ordentlich beeindruckt und waren deutlich passiver unterwegs.

Rosenheimer legen los wie die Feuerwehr - Linner und Köhler vergeben

Trotzdem hatten sie in den ersten Minuten Schwierigkeiten sich zu behaupten. Die Gastgeber sahen kaum einmal den Ball und hatten brutale Probleme, gegen Rosenheimer, die mit den richtigen Sezierwerkzeugen unterwegs waren, ihre Defensivreihen dicht zu halten. Dementsprechend entwickelte sich in der Anfangsphase eine eklatante Dominanz der Gäste, die ihren Gegner immer wieder mit gelungenen Spielzügen aushebelten. Es war richtig stark, was die Sechziger hier aufs „Parkett“ legten – das Trainerduo Tobias Strobl und Robert Mayer hatte sein Team wohl bestens auf die Hausherren eingestellt.

Ihre klare Überlegenheit führte auch sofort zu Möglichkeiten der Rothemden. Nach nur drei gespielten Minuten trieb Pius Krätschmer über links den Ball nach vorne, von außen kam die präzise flache Hereingabe gegen die Laufrichtung der Schaldinger Abwehr – und in der Mitte ergab sich die unfassbare Doppelchance: Erst konnte sich Korbinian Linner völlig frei aus lediglich acht Metern die Ecke eigentlich aussuchen, scheiterte aber beim Versuch überlegt einzuschieben, indem er ohne den Ball optimal zu treffen SVS-Keeper Markus Schöller anschoss. Im Nachschuss traf dann Robert Köhler aus dem halbrechten Strafraum nur ein rettendes niederbayerisches Abwehrbein. Was für eine Gelegenheit!

Schalding zu Beginn überfordert - auch Höhensteiger trifft nicht

Nur kurze Zeit später rollte der nächste Angriff der flinken und spielfreudigen Rosenheimer, dem die Abwehr der von Spielertrainer Stefan Köck trainierten Schaldinger nichts entgegenzusetzen hatte: Der herrlich freigespielte Danijel Majdancevic legte halblinks zurück auf Maximilian Mayer, der brachte umgehend die schöne Flanke herein – und zehn Meter mittig vor dem Tor kam Linner frei zum Kopfball. Der Stürmer der Sechziger platzierte seine Kopfstoß auf das rechte Eck – doch der reaktionsschnelle Schöller war zur Stelle und konnte parieren (6.).

Es war teilweise atemberaubend wie wenig Land die Einheimischen zu Beginn sahen – und wie die Sechziger hier aufwirbelten: Wieder lief eine tolle Kombination der Gäste über den extrem agilen Mayerl, wieder ging es über links – und wieder wurde es blitzschnell brandgefährlich. Der Rosenheimer Außenbahn-Dauerbrenner zog von weit draußen am Flügel dynamisch nach innen – und legte kurz vor der Grundlinie mustergültig diagonal zurück an die zentrale Sechzehnergrenze. Dort hatte Maximilian Höhensteiger in bester Abschlussposition freie Schussbahn und wollte platziert mit der Innenseite einschießen – doch auch er scheiterte am gut aufgelegten Torhüter der Schaldinger (11.).

1860 lässt die Führung liegen - und wird bitter bestraft

Schöllers Leistung in allen Ehren – aber spätestens jetzt hätte es aufgrund der dermaßen hochkarätigen Chancen 1:0 für den TSV 1860 Rosenheim stehen müssen. Und genau genommen hätten die Gastgeber selbst dann froh sein müssen, nicht bereits mit zwei oder drei Toren hinten zu liegen. Was für eine Zwischenbilanz – und das nach weniger als zwölf Minuten! Einziges – aber fettes – Manko: Die Sechziger ließen all die trotz des schwierigen Spielfeldes hervorragend herausgespielten Möglichkeiten liegen. Eine nach der anderen.

Service:

Die erste Viertelstunde der Partie war eine Demonstration der Stärke und des Potentials des Strobl-Schützlinge. Was dann folgte war allerdings der fast schon zu klischeehaft eintreffende Klassiker aus dem Buch der Fußballkunde: Wenn Du vorne die besten Chancen nicht machst, kannst Du noch so überlegen sein – Du wirst bitterböse bestraft. Genau so kam es – und genau so hart wurden die mutig aufspielenden Rosenheimer für ihre Sorglosigkeit und Naivität in der Arbeit gegen den Ball bestraft. Es war eine miese Lektion, die sie heute zu lernen hatten.

SVS nutzt Naivität im Abwehrverhalten gnadenlos aus

Nach siebzehn Minuten – es war der eigentlich erste konstruktive Vorstoß, der den Hausherren überhaupt gelang – offenbarten die Sechziger den 865 Zuschauern schonungslos ihre Achillesferse. Im System mit den weit aufrückenden Außenverteidigern, fehlte die Absicherung weil keiner der Sechser der Rosenheimer sich fallen ließ – und schon sahen sich nach Ballverlust und dem Umschaltmoment des SVS nur noch zwei Abwehrspieler gleich drei, vier Angreifern gegenüber.

Dass man sich die gegen die schnellen Offensivkräfte der Schaldinger nicht leisten kann, zeigten diese eindrucksvoll: Markus Gallmeier wurde mit einem feinen Pass aus der Spielfeldmitte nach halbrechts geschickt – und ließ sich die Großchance nicht entgehen. Der Kapitän der Niederbayern schloss wenige Meter innerhalb des Strafraums satt ab – und traf eiskalt flach ins linke untere Eck (17.). Der Genickschlag aus Sicht der Rosenheimer saß. Eine Lehrstunde in Sachen Konterspiel und Effizienz. Nun stand es 1:0 – allerdings für den SV Schalding-Heining, der zuvor keinen Stich gemacht hatte.

Gegentreffer und Systemumstellung bremsen Rosenheim

Der Gegentreffer bedeutet einen Bruch im Spiel der um Spielkultur bemühten Gäste. Nicht in der Hinsicht, dass die Rosenheimer hier nicht weiter das Team mit der feineren Klinge, mit mehr Ballbesitz und der gefälligeren Spielanlage gewesen wären – wohl aber in der, dass sie sich für den gesamten Rest der Begegnung nie wieder derart zielstrebig durchsetzen und dem Spiel ihren Stempel aufdrücken konnten.

SV Schalding - 1860 Rosenheim

Nun kamen auch die Gäste, die von 5-3-2 auf 4-1-4-1 umgestellt hatten, mit ihrer Art das Spiel aus der Defensive heraus über schnelle Gegenangriffe zu gestalten, besser zur Geltung. In Konsequenz der Systemumstellung der Schaldinger fanden die Sechziger nicht mehr die entscheidenden Lücken – und auch nicht die Mittel, um sich auf anderen Wegen welche herauszuspielen. Gepaart mit dem Fakt, dass sie ihre eigenen defensiven Mängel nicht etwa abstellten, sondern wiederholten, brachte sie dies auf die Verliererstraße.

Schalding trifft den Pfosten - und in Kopie zum 2:0

Schaldings Schnabel bekam im Anschluss an einen Doppelpass, der ausreichte um die Abwehr der Gäste anfällig aussehen zu lassen, im halblinken Strafraum die freie Abschlussmöglichkeit – setzte das Leder aber zum Glück für die Rosenheimer rechts unten an den langen Pfosten. Den Nachschuss hielt der junge Mario Stockenreiter im Kasten der Sechziger, der zuvor erneut machtlos gewesen wäre, glänzend (21.).

Nur wenige Zeigerumdrehungen darauf, war es dann aber soweit. Wieder liefen die Rosenheimer in einen glänzend ausgespielten Konter, wieder entstand aus Gründen fehlender Absicherung eine Unterzahlsituation und wieder ging es zu schnell für den entblößten Defensivverbund der Roten. Die Platzherren konnten sich ihre Anspielstation in der Spitze praktisch frei auswählen – und entschieden sich für eine Kopie ihres Führungstreffers: Diesmal war es Schnabel, der halbrechts in den Sechzehner geschickt wurde – und auch der traf ins lange Eck (25.).

Auch Krätschmer und Majdancevic bringen Leder nicht unter

2:0 für die Gastgeber – und die Rosenheimer waren erst einmal restlos bedient. Doch auch wenn sie jetzt einige Zeit brauchten, um sich davon zu erholen und nicht mehr zu ihrem anfänglichen Schwung zurückfanden, sie hätten noch vor der Pause herankommen und den Anschlusstreffer erzielen können. Und das gleich zweimal innerhalb einer Minute:

Erst war plötzlich Krätschmer am linken Fünfereck freigespielt und hatte die Möglichkeit einzuschieben - Schaldings Schöller bewahrte sein Team mit einer Glanzparade vor Schlimmerem. Kurz danach kam von links erneut die Flanke herein – doch Majdancevic schlug auf Höhe des Elfmeterpunktes beim Versuch das Leder volley zu nehmen über den Ball (38.). Es war wirklich zum Haareraufen aus Sicht der Gäste.

Ohne so richtig zu wissen wie und warum, lagen die Rosenheimer zur Halbzeit zurück. Im deutlich weniger unterhaltsamen wenn auch von beiden Seiten energisch umkämpften zweiten Durchgang sollte es ihnen auf dem logischerweise mit zunehmender Spieldauer nicht besser werdenden Geläuf und gegen sich konsequent einigelnde Gastgeber, die sich auch nicht zu fein waren, ab und an einen Ball mittels eines Schlags über den Zaun ins Tal zu klären, nicht mehr gelingen den Spieß umzudrehen.

Einsiedler und Denz kommen - eine Wende gelingt nicht

Der nach 56 Minuten für Linner ins Spiel gekommene Markus Einsiedler sprang nach einem Chip aus dem Zentrum in der Mitte des Sechzehners mit einer artistischen Flugeinlage und letztem Willen in den Ball – konnte ihn aber nicht mehr gefährlich genug Richtung Tor bringen (65.). In mehreren weiteren Szene verpasste es der bullige Sturmtank der Sechziger rechtzeitig zum Abschluss zu kommen – und konnte seiner Mannschaft trotz sichtbaren Einsatzes nicht zurück ins Match verhelfen. Unter dem Strich agierte auch Einsiedler vorne nicht glücklicher als Linner.

In der 70. Minute brachte 1860-Coach Strobl auch Michael Denz ins Spiel, der beruflich bedingt einige Trainingseinheiten verpasst hatte – und nahm Höhensteiger für ihn runter. Doch auch das änderte wenig – weder am Gesamtbild, noch am Ergebnis. Es sollte sich nichts mehr zum Guten wenden im kalten Schaldinger grau.

Rosenheim weiter bemüht - aber nicht mehr zwingend

Die Rosenheimer waren zwar über die komplette Spielzeit bemüht, versuchten lange weiter über ihre spielerische Linie zu kommen und probierten es immer wieder – aber sie schafften es einfach nicht mehr zwingend zu werden. Dies gelang ihnen auch nicht, als sie in den letzten zwanzig Minuten mehr mit längeren Bällen operierten. Den Fähigkeiten der defensivstarken Niederbayern, die in Halbzeit Zwei mit der Führung im Rücken auch auf eigenem Platz massiert hinten drin standen und Beton anrührten, kam diese Spielweise, welche sie mehr gewohnt sind, sogar entgegen.

Ohne ein ähnlich schnörkelloses Konterspiel zu zeigen, wie vor dem Seitenwechsel, verteidigte der SVS das humorlos und ohne Schönheitspreis zu Ende. Schalding agierte dabei mit weit limitierteren Mitteln als die in der ersten Halbzeit in Schönheit gestorbenen Gäste – und somit eben einfach cleverer und vor allem effizienter. Eine Qualität, welche den Hausherren schließlich die drei Punkte bringen sollte – die eben auch nicht unverdient waren. Denn im Fußball geht es letztlich ums Toreschießen und Toreverhindern – in beidem waren die Einheimischen an diesem Tag besser.

Schalding verteidigt humorlos zu Ende - und macht das 3:0

Den Sechzigern gelang es im Laufe der zweiten Halbzeit einfach auch nicht mehr recht, gegen die engmaschige Abwehr der Gastgeber auf dem tiefen und schwer bespielbaren Geläuf ihre eigentlichen Pferdestärken auf das Feld zu bekommen. Da kam nicht mehr viel bei herum. Ganz vorbei war es, als Mayerl einen in den Strafraum der Schaldinger verlängerten Ball aus spitzem Winkel aus sechs Metern nur ans Außennetz knallte – und sich somit auch die Chance auf einen eventuellen Lucky Punch in der Nachspielzeit in Luft auflöste (89.).

In dieser trafen dann stattdessen die Hausherren, die zuvor die ein oder andere Kontergelegenheit fahrlässig verspielt hatten, ein weiteres Mal: Nach einer Flanke von rechts nahm der eingewechselte Schaldinger Christian Seidl das Leder freistehend aus sieben Metern volley – und beförderte es unhaltbar zum 3:0 ins linke Eck (94.).

Misslungene Generalprobe, erfolgreiche Premiere?

Es war der Schlusspunkt hinter ein aus Rosenheimer Sicht bodenlos enttäuschend verlaufenes Match. Dementsprechend niedergeschlagen sahen auch die Mienen der Verantwortlichen, Trainer und Spieler der Sechziger nach dem Schlusspfiff aus, die sich nicht so recht erklären konnten, was ihnen da widerfahren war. Letzten Endes hatten es sich die Innstädter aber selbst zuzuschreiben. Für sie heißt es jetzt die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, den Mund abzuputzen – und es nächsten Sonntag besser zu machen. Eine bessere Gelegenheit zu zeigen, dass sie schön und effizient können, gibt es jedenfalls nicht: Dann kommen die Münchner Löwen zum Mega-Highlight des Jahres ins Jahnstadion (14:00 Uhr)!

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