Leipzig will in russische Eishockey-Liga

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Das All-Star Game der KHL fand 2009 vor dem Roten Platz in Moskau statt

Leipzig - In Leipzig plant ein Investor den Einstieg in die russische Eishockey-Liga KHL. Doch der Deutsche Eishockey-Bund DEB steht dem Projekt sehr skeptisch gegenüber.

Stefan Lindner hat Großes vor: Der ehemalige Volleyballer will seine Heimatstadt Leipzig auf die internationale Eishockey-Landkarte holen. Die Stars der russischen Profiliga KHL sollen im nächsten Jahr in der sächsischen Metropole aufs Eis gehen - gegen Torpedo Leipzig. Den Namen des neuen Klubs hat der inzwischen nach St. Petersburg ausgewanderte Geschäftsmann schon eintragen lassen. Grünes Licht aus Russland hat er auch, nur der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) blockt ab.

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„Das sind ungelegte Eier“, sagte DEB-Präsident Uwe Harnos dem SID, „solange uns keine Anfrage aus Russland vorliegt, machen wir uns darüber keinen Kopf.“ Grundsätzlich sieht der Verbandschef das Projekt sehr skeptisch: „Wir haben ein funktionierendes Spielbetriebssystem in Deutschland. Solange es nicht triftige Gründe gibt, ist das mit mir nicht zu machen.“

Gute Gründe glaubt Lindner zu haben. „Wir wollen ein Nachwuchszentrum bauen, das ist eine einmalige Chance für das deutsche Eishockey“, sagte Lindner dem SID: „In der Profimannschaft sollen nicht nur Russen oder Tschechen spielen, sondern vor allem Deutsche. Das ist der Sinn der Sache. Wir wollen ja nicht nur Retorte machen.“

Die Alte Messehalle 15 soll die Heimstätte von Torpedo werden, sie soll mit Millionenaufwand saniert werden - für 10.000 Zuschauer, eine zweite Halle soll das Leistungszentrum beheimaten. Die Finanzierung des Projekts steht, so Lindner: „Die Wirtschaft rennt mir die Türe ein. Die KHL bietet die Möglichkeit, in Deutschland und Russland zu werben. Außerdem werden die Spiele auch in Tschechien oder den USA übertragen.“

Aus Russland hat der Initiator schon das Okay. „Ich unterstütze das Projekt zu 100 Prozent“, sagte KHL-Präsident Alexander Medwedew dem MDR. Auch die Stadt Leipzig sieht das Vorhaben mit Wohlwollen. „Wenn es sich tatsächlich realisieren lässt, wäre das ein großer Gewinn für Leipzig“, sagte Sportbürgermeister Heiko Rosenthal. Die Halle 15 müssten die Investoren der Stadttochter LEVG abkaufen und dann einen Antrag für den Umbau stellen. Schon am 16. Mai will Lindner die Bagger rollen sehen.

Doch noch fehlt die Zustimmung des DEB. Harnos verwies darauf, dass ihm noch kein Konzept vorliege. „Das ist Blödsinn“, entgegnete Lindner, „Kinderkacke“. Schon Ende März habe er dem Verband ein Nachwuchskonzept sowie eine Verpflichtungserklärung über die geplanten Investitionen vorgelegt. „Ich schieße doch nicht mit leeren Händen.“

Ablehnend steht dem Projekt auch Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), gegenüber. „Ich halte nichts davon. Leipzig kann ja mittelfristig gerne in der DEL spielen“, sagte er: „Ich glaube nicht, dass es für das Publikum interessanter ist, gegen Riga zu spielen.“ In der KHL spielen neben 20 russischen Teams Dinamo Riga aus Lettland, Dinamo Minsk aus Weißrussland und Barys Astana aus Kasachstan. Schon länger plant die Liga eine weitere Expansion in Europa.

Fehlende Zuschauerresonanz befürchtet Lindner nicht. „Die Fans warten schon darauf. Außerdem leben genug Russen im Raum Leipzig.“ Völlig offen ist, was mit dem Oberligisten Ice Fighters Leipzig passiert. Der spielte zuletzt in der Messehalle 6, die ein Möbelunternehmen gekauft hat und abreißen will.

sid

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