Die Starbulls fahren den Etat herunter

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Solide gewirtschaftet: Zweiter Starbulls-Vorstand Karl Aicher.

Rosenheim - Die Starbulls Rosenheim werden in der Eishockey-Oberliga für die Saison 2009/2010 den Gürtel enger schnallen.

In einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch im Eisstadion-VIP-Raum teilte die Vorstandschaft der Rosenheimer mit, dass der Etat für die kommende Spielzeit deutlich geringer als zuletzt ausfallen wird, da es auf der Einnahmenseite Ausfälle geben wird.

Die Verantwortlichen rechnen mit einem Rückgang von rund 30 Prozent im Sponsoring und von 40 Prozent bei den Zuschauereinnahmen. Unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Finanzkrise werden die Starbulls Rosenheim auch ihren Spielerkader für die neue Saison zusammenstellen. "Die Finanzkrise ist bei vielen deutschen Eishockeyspielern, aber auch bei einem Großteil der Vereine anscheinend noch nicht angekommen. Ich befürchte, dass wir im deutschen Eishockey an Weihnachten die große Katastrophe erleben", blickt Sponsor und Vorstandsmitglied Richard Diebald sehr skeptisch in die Zukunft. "Damit Rosenheim nicht an der Katastrophe beteiligt ist und wir auch in Zukunft in unserer Stadt Eishockey auf gehobenem Niveau - egal in welcher Liga - bieten können, dafür stehen wir mit einer soliden und ehrlichen Arbeit im finanziellen Bereich", erklärte Diebald. Tatsächlich dürften die Starbulls Rosenheim einer den wenigen Eishockeyvereine in Deutschland sein, der sämtliche Abgaben an den Verband und alle vereinbarten Spieler-Gehälter pünktlich bezahlt und deshalb von der Eishockey Betriebsgesellschaft (ESBG) als Vorzeigeclub hingestellt wird.

Warum dann immer wieder andere Vereine vor den Starbulls Rosenheim den Sprung in 2. Bundesliga schaffen, versuchte Steuerberater Karl Aicher, zuständig für die Starbulls-Finanzen an einem Beispiel darzulegen: "Ein Spieler, dem von einem einen Verein XY 20000 Euro im Jahr netto zugesagt werden, kostet uns 40000 Euro, weil bei uns kein Cent am Finanzamt vorbei ausgezahlt wird. Und das wird es bei uns auch in Zukunft nicht geben, zumindest solange wir im Amt sind." Nicht nur einmal haben die Starbulls mit Spielern verhandelt, die vor der Vertragsunterschrift eine Barzahlung gefordert hatten. "Das kommt bei uns nicht in Frage, doch bei einigen unsere Mitbewerber wird das offensichtlich so gehandhabt", wurde der Erste Vorstand Wilhelm Graue deutlich. "Sollte es aber in Rosenheim Leute geben, die glauben, dass sie es besser machen können als wir, haben sie die Gelegenheit sich im Juli bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl zu stellen", machte Diebald deutlich, dass er und seine zwei Mitstreiter nicht an ihren Vorstandsposten hängen. "Wir haben alle unsere Berufe und wir opfern unsere Freizeit für unsere Hobbys", so Diebald weiter. Sollten sich keine "Gegenkandidaten finden, versprach Diebald die "Geschäfte" bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im nächsten Jahr fortzusetzen. "Doch dann ist für Karl Aicher, Wilhelm Graue und für mich Schluss."

Vorher will die Vorstandschaft allerdings ihre ganze Kraft für die Starbulls einsetzen und zusammen mit Trainer Franz Steer eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen. "Wir wollen mit geringerem Etat den maximalen Erfolg", lautet das Motto der Starbulls-Vorstandschaft und da ist besonders Trainer Franz Steer gefragt. "Der Spieleretat geht um 40 Prozent runter und der Kader wird kleiner. Es ist jetzt die Aufgabe des Trainers, die Gelder optimal einzusetzen", gab Diebald während der Pressekonferenz bekannt und blickte noch einmal kurz auf die abgelaufene Saison zurück: "Wir wollten mit der Ära Steer eine Mannschaft aufbauen, doch leider gibt es derzeit mit der Finanzkrise ein epochales Ereignis. Deshalb müssen wir unsere Entscheidungen, die vor der letzten Saison getroffen wurden und damals auch richtig waren, überdenken." Die Mannschaft 2008/2009 war das bisher teuerste Starbulls-Team seit dem Neuanfang im Jahr 2000, trotz des hohen Zuschauerzuspruchs wurde ein Verlust von rund 40000 Euro erzielt.

Das heißt, dass die Starbulls nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können, dass bei der Aufstellung des Etats nicht das geringste Risiko eingegangen wird und die Starbulls eine Mannschaft auf dem Eis stehen haben, die bezahlbar ist. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Truppe schlechter als in der letzten Saison sein muss. "Vielleicht werden wir in der Spitze besser, können aber dafür nicht mehr die Breite im Kader aufbieten", erklärte Diebald, der sich sicher ist, "dass die Starbulls weiterhin eine schlagkräftige Mannschaft haben werden und das Ziel nach wie vor 2. Liga heißt".

Mit Verteidiger Michael Höck, der vom SC Riessersee an die Mangfall wechselt, steht der erste Neuzugang bereits fest. Bestätigt wurden auch die Abgänge von Simon Wenzel und Matthias Bergmann sowie einige Vertragsverlängerungen. Nur noch die Unterschrift fehlt bei den Verträgen von Robin Hanselko, Robert Schopf und Torhüter Lukas Steinhauer. Einen Vertrag zugestellt bekommen haben die DNL-Spieler Fabian Zick, Marius Möchel und Dennis Schütt. Ebenfalls ein schriftliches Angebot erhalten hat Verteidiger Ryan Fairbarn, der sich aber Bedenkzeit erbeten hat. Den Grund dafür nannte Aicher: "Fairbarn würde gerne in der 2. Liga spielen."

Mit den beiden anderen Top-Ausländern der letzten Saison Dylan Stanley und Ron Newhook wurden Gespräche geführt, schriftliche Angebote gibt es aber derzeit nicht. "Gute Ausländer zu bekommen ist nicht das Problem. Wir erhalten täglich fünf bis zehn neue Angebote von ausländischen Spielern", berichtete Diebald. Sollten Fairbarn, Stanley und Newhook zusagen, wären die drei Ausländerpositionen für die nächste Saison besetzt, was im Gegenzug heißt, dass die Zeit von Jason Becker und Jason Lundmark in Rosenheim abgelaufen ist. Wie in der Pressekonferenz bekannt wurde, hat neben Claus Dalpiaz und Martin Reichel auch noch Kapitän Patrick Senger einen Vertrag für die neue Saison. "Da gab es aber Irritationen und es wird Gespräche geben", verriet Wilhelm Graue, was nichts anderes heißt, dass die Verantwortlichen mit den Leistungen von Senger aber auch von einigen anderen Spielern nicht zufrieden waren.

Klar ist, dass die Starbulls verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen werden, sofern der nicht von Spielerberatern oder -vermittlern falsch oder schlecht beraten wurde. "Einer unsere DNL-Spieler kam tatsächlich mit der Forderung auf uns zu, er wolle eine Garantie haben, dass er nächste Saison mindestens im dritten Sturm eingesetzt wird. Da fällt einem doch nichts mehr ein", zeigte sich Graue ratlos, aber auch erbost. Trotzdem wiesen die Starbulls-Verantwortlichen ihn ihrer Presserklärung mit Stolz auf das Aushängeschild DNL hin, übten gleichzeitig aber auch Kritik an der Jahrgangseinteilung der DNL. "Nachwuchsspieler, die mit 17 Jahren die DNL in Richtung Seniorenmannschaft verlassen sind zu jung und haben Probleme sich in der Oberliga durchzusetzen", erklärte Aicher, der zum Abschluss der Pressekonferenz noch deutlicher wurde: "Das gesamte Nachwuchskonzept des DEB ist gescheitert."

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