Stolze Fans - Starbulls "gefühlter" Dritter

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Nicht nur in Ravensburg, auch am Rosenheimer Stadion zeigten die Starbulls-Fans am Sonntag ihre Dankbarkeit für die erfolgreiche Saison nach dem Aufstieg.

Rosenheim  - Auch wenn die Starbulls nach der Halbfinal-Serie gegen Ravensburg nun leicht enttäuscht ihren Urlaub antreten, tun sie das "gefühlter" Dritter. Und die Fans sind einfach stolz.

Das Finale um den theoretischen Aufstieg in die DEL steht und es nehmen die beiden logischen Anwärter teil: Vorrundenmeister Ravensburg und die Wild Wings Schwenningen, die drei Viertel der Vorrunde fast mühelos die Liga beherrschten, dann aber im Verlauf eines mehrwöchigen Durchhängers noch bis auf Rang vier durchgereicht wurden. Dass es nicht zum Finale Erster gegen Zweiter kam, daran sind die Starbulls schuld, die im Zuge ihres „Frühjahrsmärchens“ den Tabellenzweiten Heilbronn furchtbar alt aussehen ließen und für eine der größten Sensationen in der deutschen Eishockey-Playoff-Geschichte sorgten. Und damit die Saison als „gefühlter“ Dritter beendeten.

Er zog den Hut (Helm) vor der Leistung seiner Mitspieler: Norm Maracle, der selbst eine überragende Saison spielte, beim letzten Spiel in Ravensburg.

Der Liganeuling wird wohl mit lachenden Augen in den wohlverdienten Sommerurlaub gehen, denn weinende Augen wären nach diesem Saisonverlauf sicher nicht angebracht. Allenfalls eine Träne der Wehmut, weil der ganz große Wurf „Finale“, aber vor allem ein weiteres 4000-Plus-Heimspiel den Jungs von Franz Steer – auch durch Verletzungspech – versagt geblieben ist.

Zu übel hatte das Schicksal den Starbulls mitgespielt: Neben Toptorjäger Tommi Hannus und Routinier Floppo Zeller fehlten bekanntlich mit Thomas Schenkel und später Alan Reader insgesamt vier etatmäßige Stürmer, so dass im Angriff irgendwann nur noch eine – überspitzt formuliert – verstärkte Juniorenmannschaft sich den beiden Vorrundengrößen stellte. Und während man gegen Heilbronn, die zum entscheidenden Zeitpunkt den Durchhänger hatten, den die Starbulls im Februar auslebten, noch auf purem Adrenalin dahinsurfte, war gegen die von Talent und Routine her eben übermächtigen Tower Stars, die ihre Schwächeperiode bereits im ersten Saisonviertel und vier von fünf Spielen inklusive Pokalfinale gegen Rosenheim verloren hatten, halt irgendwann der Akku leer. Knackpunkt war dabei sicher die erste Heimniederlage, als plötzlich dieses Gefühl des Unschlagbarseins weg war und die Ravensburger den Schock der Heimniederlage neutralisiert hatten. Von da an konnten die Starbulls nur noch ein einziges Mal in Führung gehen; auf eigenem Eis gelang ihnen dies gar nicht.

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Viermal schafften es die Starbulls im Viertelfinale, mehr als 50 Minuten lang ohne Gegentor zu bleiben, und nur ein einziges Mal schossen sie länger als 30 Minuten kein Tor. Gegen Ravensburg war es fast umgekehrt: 34, 63 und 58 Minuten ohne Rosenheimer Treffer vergingen am Stück, während man die Tower Stars nur einmal 47 und einmal 42 Minuten lang vom Tor fernhalten konnte. Und profitierten Gottwald & Co. gegen Heilbronn noch von massenweise Undiszipliniertheiten des Gegners (was sich in neun zu drei Powerplaytoren ausdrückte), kam man gegen Ravensburg nur zu drei Überzahltreffern gegenüber vier des Gegners. Nimmt man den Auftaktsieg aus, schafften die Starbulls gegen den Finalisten nicht einmal zwei Tore pro Spiel, Maracle dagegen musste trotz einer Unzahl phantastischer Paraden im Schnitt viermal den Puck passieren lassen (dazu kamen noch zwei Empty-Net-Goals).

Große Chance zum 3:3-Ausgleich durch Andreas Paderhuber im zweiten Heimspiel.

Man wird nie erfahren, ob es mit Hannus und Zeller auch im Halbfinale zum Weiterkommen gereicht hätte, aber dazu nur zwei Zahlen: Hannus war, obwohl nur eineinhalb Spiele im Einsatz, sechstbester Rosenheimer Playoff-Scorer, und Floppo Zeller traf bereits in seinem zweiten Spiel nach der Verletzungspause gegen Ravensburg wieder. Was vielleicht entscheidend war: Den Tower Stars gelang es, Stephen Werner als Torschützen zu neutralisieren (auch wenn er sechs vorbereitete) und keinem Rosenheimer mehr als zwei Treffer in der Serie zu gestatten. Da nützte es auch nichts, dass Tim Kunes fünf Treffer auflegte, Marcus Marsall mit weiteren drei Scorerpunkten seinen Aufwärtstrend aus dem Viertelfinale fortsetzte und mit Max Renner, Robin Hanselko und Beppo Frank drei Spieler trafen, die sich in der Vorrunde nicht unbedingt als Torschützen hervorgetan hatten.

Topscorer in den sieben Siegen und vier Niederlagen im Playoff wurde natürlich Stephen Werner (22 Punkte, zwei pro Spiel) vor Mitch Stephens (14) und Stephan Gottwald (11). Kapitän Gottwald, der eine grandiose Saison spielte, traf sechsmal im Playoff, Werner fünfmal, Marcus Marsall und Tommi Hannus je viermal. Hinter Werners 17 und Stephens' elf Assists belegte Dominic Auger, der sich als die erwartete Top-Verstärkung an der blauen Linie erwies, mit acht Vorlagen Rang drei. Und Auger wurde mit 32 Strafminuten auch Rosenheimer „Tough Guy“ der Playoffrunde vor Vorrundensieger Beppo Frank (30 Minuten) und Marius Möchel (zwölf).

Nun steht den Starbulls und ihren Fans also ein Sommer bevor, der einige Wochen kürzer ausfällt als erwartet, und nun beginnt das Bangen, ob Möchels (Hamburg) und Werners (Wolfsburg) Weggang weitere aus diesem Team, das in der ersten höherklassigen Saison seit 1999/2000 so positiv überrascht hat, folgen werden, aber auch das reizvolle Spekulieren über die richtigen Neuzugänge, um in einem halben Jahr nahtlos an die noch frischen Erfolge anzuknüpfen.

Manfred Eder (Oberbayerisches Volksblatt)

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