Der Kampf um den Meistertitel beginnt!

OVB
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So war es beim letzten Starbulls-Sieg in Landshut am 5. November 2010, als die Rosenheimer nach einem Treffer von Andreas Paderhuber in der Verlängerung zusammen mit ihren vielen Fans einen 2:1-Sieg feierten.

Landshut/Rosenheim: Wenn Spiele gegen Landshut auf dem Terminplan stehen, steigt der Puls der Eishockeyfans wie der Pegel der Mangfall nach drei Wochen Dauerregen!

Wenn dieses Derby zwischen den Traditionsvereinen aus Ober- und Niederbayern gleichzeitig auch noch das Play-off-Finale der 2. Eishockey-Bundesliga ist, dann sollten herzkranke Personen besser zu Hause bleiben.

rosenheim24-Videointerview mit Franz Steer:

"Wir haben nichts zu verlieren"

Ab heute ist es wieder so weit: Mindestens viermal stehen sich Landshut und Rosenheim im Kampf um die Meisterschaft (Best of Seven) gegenüber: Heute, 19.30 Uhr, in Landshut, am Sonntag, 18 Uhr, in Rosenheim, am Dienstag, 19.30 Uhr, in Landshut und auf alle Fälle noch einmal am kommenden Freitag, 20. April, 19.30 Uhr, in Rosenheim. Die Starbulls müssen in diesen Spielen sicher auf Simon Wenzel (Kreuzbandriss) und Max Meirandres (Handverletzung) verzichten, die Einsätze von Verteidiger Niko Senger und Patrick Asselin (beide Schulterverletzungen) scheinen nicht möglich. "Egal wer bei uns spielt oder nicht spielt, wir werden in jedem Spiel versuchen, das Beste herauszuholen", sagt Trainer Franz Steer. Noch weiter geht Kapitän Stephan Gottwald: "Wir werden solange in der Serie bleiben, bis zumindest einer von beiden wieder spielen kann".

Stephen Werner zu Besuch

Zusätzliche moralische Unterstützung bekommen die Starbulls von einem ihrer wichtigsten Spieler der letzten Saison: Stephen Werner, der diese Saison in der DEL für Wolfsburg spielte, ist zur Zeit wieder in Rosenheim und wird am Sonntag die Starbulls unterstützen - zwar nicht auf dem Eis, dafür aber von der Tribüne aus.

Von was die Rosenheimer Eishockey-Fans nicht zu träumen wagten, wussten zwei Eishockey-Experten und Ex-Rosenheimer Spieler schon während und nach der Doppelrunde. Bundesnachwuchstrainer Ernst Höfner traute den Starbulls schon zum Jahreswechsel eine großartige Play-off-Runde und den Einzug ins Finale zu und Axel Kammerer, ehemaliger Trainer der Schwenninger Wild Wings, sagte vor dem Beginn der Viertelfinalserie gegen Kaufbeuren: "Bitte noch nicht schreiben, aber Rosenheim kann Meister werden." Höfner und Kammerer waren sich in der Beurteilung der Rosenheimer Mannschaft einig: "Super-Torhüter, stabile Abwehr, starke Ausländer, läuferisch hervorragende deutsche Spieler und ein Trainer, der aus diesem Team eine Einheit geformt hat - mit dieser Mischung kann man ganz weit kommen."

Die Rosenheimer schafften sogar den Sprung ins Finale, und dass da der Gegner Landshut heißt, ist das Sahnehäubchen auf eine jetzt schon fast perfekte Saison. Doch mit dem bisher Erreichten will sich in Rosenheim niemand zufrieden geben: Nicht die Fans, und schon gar nicht Spieler und Trainer. "Wer ins Endspiel kommt, will auch Meister werden", fordert Steer. Die Favoritenrolle schiebt er aber eindeutig dem Doppelrunden-Ersten zu: "Es gibt keinen Zweifel, dass Landshut klar favorisiert ist. Wir haben in dieser Saison fünfmal gegen Landshut verloren, Landshut hat in der Play-off-Runde acht Spiele in Serie mehr oder weniger klar gewonnen, hat dabei auch sehr einfach Gegner gehabt und konnte Kraft sparen. Hannover war wirklich schlecht. Die waren froh, überhaupt den Sprung in die Play-off-Runde geschafft zu haben und Ravensburg ist nach sieben Spielen gegen Heilbronn am Zahnfleisch daher gekommen."

Beim Blick auf die vier Landshuter Sturmreihen gerät Steer fast ins Schwärmen: "Das ist absolute Zweitliga-Spitze. Eigentlich haben wir keine Chance, aber die wollen wir nutzen". Rosenheim also chancenlos? Keineswegs, denn auch wenn die Rosenheimer in den Punktspielen der beiden letzten Jahre keinen Sieg nach 60 Minuten gelandet haben, die Starbulls haben in diesen acht Partien kein einziges Mal mit mehr als zwei Toren Unterschied verloren. Es waren immer ganz enge Spiele, es haben Kleinigkeiten entschieden und das Momentum, wie es Franz Steer immer gerne nennt, lag oft auf Seiten der Landshuter. "Das muss im Play-off-Finale aber nicht zwingend so weiter gehen. Wir beginnen bei null, der einzige Vorteil, den Landshut vor dem ersten Bully hat, ist der Heimvorteil, aber den hatte Schwenningen auch", gibt sich Steer kämpferisch.

Steer verbrachte seine größte Eishockey-Zeit beim EV Landshut und als Ex-Landshuter brauchte er lange, um von den Starbulls-Fans voll akzeptiert zu werden. Es gibt zwar immer noch einige Unverbesserliche, die Steers Qualitäten nach dem Zweitliga-Aufstieg, dem Pokalsieg letzte Saison, dem Erreichen des Halbfinales als Aufsteiger und dem Finaleinzug in dieser Saison anzweifeln, doch mittlerweile wird er von den Anhängern in der Mangfall-Kurve fast schon liebevoll "Franzi" gerufen. So wie nach dem vierten Sieg gegen Schwenningen, als er von den Fans solange gefordert wurde ("Ohne Trainer seid ihr nicht komplett"), bis er aufs Eis kam und zusammen mit der Mannschaft feierte. "Eigentlich mag ich das gar nicht. Das entspricht nicht meinem Naturell, aber in Ausnahmefällen kann man das schon einmal machen", erklärte Steer, der die Play-off-Zeit auskostet, auch wenn der Puls in manchen Situationen rast. "Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollen diese Spiele in vollen Zügen genießen. Dafür arbeiten sie ein ganzes Jahr hart. Die gesunde Mischung zwischen Spannung und Druck zu finden - das ist die Kunst. In der Play-off-Serie spielt die Psychologie eine sehr große Rolle - und der Wille. Ich kann Kraft ohne Ende haben, wenn der Wille fehlt, geht gar nichts. Und Willen hat meine Mannschaft wie kein anderes Team in der Liga."

Es könnten wie immer interessante, vielleicht sogar dramatische Spiele werden, wie eingangs erwähnt, der Puls wird steigen...

Hans-Jürgen Ziegler/Oberbayerisches Volksblatt

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