Männderdomäne Eishockey? Von wegen!

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Mit vollem Einsatz dabei: Starbulls-Verteidigerin Jessica Ujcik im Duell mit dem Gegenspieler aus Schwenningen. 

Rosenheim - „Als einziges Mädchen mit den ganzen Jungs ist es schon nicht einfach“, so Jessica Ujcik. Sie spielt bereits seit vier Jahren Eishockey bei den Starbulls. 

Zur schnellsten Mannschaftssportart der Welt kam Ujcik bereits im zarten Alter von fünf Jahren durch ihren Vater und Bruder, die beide Eishockey spielten. "Damals wollte ich meinem Bruder alles nachmachen und habe es einfach ausprobiert", so die Schülerin der Realschule in Brannenburg. Ujcik trainierte mit, die Sportart machte ihr auf Anhieb Spaß und auch ihre Leistung war sehenswert.

Seit mittlerweile zehn Jahren spielt sie Eishockey, unter anderem in der Schülermannschaft der Starbulls, der Damenmannschaft des ESC Planegg (Landkreis München) und in der U18-Nationalmannschaft. Dass Ujcik im Schülerteam der Starbulls mit lauter Buben spielt, liegt daran, dass es beim Eishockey keine Kinder- und Jugendmannschaften für Mädchen, sondern nur Damenteams gibt.

Mit den langen Haaren auch von hinten leicht zu erkennen.

In Rosenheim spielen, abgesehen von ihr, nur Buben in der Schülermannschaft, da es "in Rosenheim ansonsten keine Mädchen gibt, die Eishockey spielen", bedauert ihr Trainer Frank Hohenadl. Auf die Frage ob es einen auffallenden Leistungsunterschied zwischen Jessica Ujcik und den Buben ihres Teams gibt, antwortet Hohenadl: "Der Unterschied ist enorm, vor allem in diesem Alter (Jahrgang 1996), da sind Mädchen mit ihren weiblichen Voraussetzungen gegenüber den Buben im Nachteil." Um die sportliche Zukunft der Verteidigerin macht er sich aber keine Sorgen, da sie bei den Damen in Planegg und in der U18-Nationalmannschaft sehr gute Leistungen bringt.

Das Verhältnis zwischen Jessica Ujcik und dem restlichen Team beschreibt Hohenadl als "sehr schwierig". Den Buben fällt es nicht leicht, ein Mädchen als Mitspielerin zu akzeptieren. Selbst bei den Gegnern gibt es einige "Kandidaten" die denken, dass sie Ujcik gegen die Bande checken können, doch die "Einzelkämpferin auf dem Eis" lässt sich solche Aktionen nicht gefallen und kontert.

Die mangelnde Akzeptanz ihrer Teamkollegen macht auch der Schülerinnen, die eine Sportklasse besucht, zu schaffen. "Es ist schon schwer, weil ich oft geärgert werde", doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Besondere Rücksicht, weil sie ein Mädchen ist, nimmt auch der Trainer nicht. "Das finde ich richtig, sonst wäre es den anderen gegenüber nicht fair", findet die 15-Jährige. In einer eigenen Umkleidekabine zieht sich Ujcik nicht um, "ich dusche aber immer zuerst oder eben woanders".

Jessica Ujciks Traum ist es, an einem amerikanischen College im Eishockey-Team zu spielen.

In Zukunft würde sie ihr Geld gerne mit dem Eishockeyspielen verdienen, "das ist in Deutschland aber sehr schwer", daher würde sie später gerne im Ausland, zum Beispiel in Kanada, spielen. Ihr ganz großer Traum wäre es, in den USA an einem College oder einer Highschool zum Eishockeyteam zu gehören. Weitere sportliche Ziele von Ujcik, die auch Tennis spielt, sind: Die Teilnahme an Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen.

Da Sport allgemein und vor allem Eishockey ihre große Leidenschaft ist, stellt es für sie kein Problem dar, weniger Freizeit als ihre Altersgenossen zu haben. Die 1,75 Meter große Ujcik, die am liebsten Pfannkuchen isst, trainiert mit ihrer Mannschaft viermal in der Woche und ist nach dem anstrengenden Training oft zu müde um danach noch etwas mit Freunden zu unternehmen. Die verstehen das und sind stolz auf ihre erfolgreiche Freundin.

In Kürze enden die Saison und damit auch das Training im Stadion und das Team wird verstärkt im Kraftraum und im Freien trainieren. Es wird viel gelaufen und auch Fußball oder Basketball gespielt. Auf die Frage, ob sie Angst vor Verletzungen hat, sagt Jessica Ujcik: "Nein, es gibt höchstens blaue Flecken oder manchmal eine Zerrung, aber wir sind gut ausgerüstet. Wenn man mit Angst ins Spiel geht bringt man keine gute Leistung und ist somit Fehl am Platz." Angst hat sie nicht, aber ihren Platz in der Kabine wird Jessica Ujcik in der nächsten Saison trotzdem räumen, weil sie aus Altergründen nicht mehr in der Schülermannschaft spielen darf.

Martina-Paulina Kosinski (Oberbayerisches Volksblatt)

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