Erfolgreichen Minimalismus teuer bezahlt

Rosenheim - Mit purem Minimalismus waren an diesem Wochenende die Starbulls erfolgreich. Allerdings musste man die zwei Siege mit einer schweren Verletzung bezahlen:

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Sie sind immer für gewisse statistische "Unebenheiten" gut, die Starbulls! Da schießen sie - wie am Dienstag gegen Weißwasser - auf eigenem Eis vier Tore gegen eine der offensiv schwächsten Mannschaften der Liga und müssen sich mit einem lausigen Punkt zufrieden geben, und am Wochenende darauf reicht die gleiche Anzahl von Toren, allerdings auf zwei Spiele verteilt, zur Maximalausbeute von sechs Punkten. Normal ist das nicht! Nur fünf Tore insgesamt in zwei aufeinander folgenden Spielen - das ist "Minimalismus" pur. Noch nie in fast zwei Zweitliga-Spielzeiten fielen weniger als sieben Tore in zwei Spielen. Nur ein einziges Törchen gestattete man dem Gegner in zwei Spielen auch noch nie; da lag der Rekord beim Pre-Play-off des Vorjahres, als Bietigheim in beiden Spielen nur je eines erzielte.

Die Starbulls selbst haben schon ein schlimmeres Zwei-Partien-Segment hinter sich: Am 18. und 20. Februar 2011 gingen sie an einem Wochenende mit 0:2 gegen Weißwasser und 0:5 in Bremerhaven komplett leer aus. Tore waren auch diesmal absolute Mangelware. Vor dem ersten Tor in Garmisch war 66:50 Minuten überhaupt kein Tor mehr gefallen, weder für noch gegen Rosenheim - neuer Rekord. Und Asselins Treffer beendete auch die längste Durststrecke der Saison von 82:36 Minuten ohne Starbulls-Tor, während die 69:20 Minuten ohne Gegentreffer in der laufenden Spielzeit schon dreimal übertroffen wurden.

Starbulls - Wild Wings

Immer präsent, immer gefährlich: Corey Quirk, der die Scheibe von Schwenningens Sinisa Martinovic abfälschte.

In den drei Begegnungen dieser Woche festigten sich ein paar neue Trends im Rosenheimer Spiel. Der erste: unbedingt relativ frühe Zwei-Tore-Führungen vermeiden! Was zuvor sowohl gegen Heilbronn als auch gegen Weißwasser noch zu Niederlagen geführt hatte, blieb am diesem Wochenende aus. Gegen Schwenningen führte man gar nicht mit zwei Treffern Abstand, den Garmischern blieben nach dem Rosenheimer 2:0 nur mehr 25 Sekunden, zu wenig zur Korrektur. Der zweite Trend, den man vielleicht Neu-Deutsch als "Last-Minute-Turnaround" bezeichnen könnte, ist schon etwas spektakulärer. Vor zwei Wochen führte Kaufbeuren bis gut fünf Minuten vor Schluss mit 1:0, ehe Stephan Gottwald und Patrick Asselin (letzterer in Overtime) das Spiel noch drehten. Dieses Mal konnten Quirk & Co. das Ganze noch ein wenig steigern. In Garmisch torlos bis zweieinhalb Minuten vor Spielende, dann Asselin und Michael Baindl zum 2:0, und gegen Schwenningen 0:1 bis knapp dreieinhalb Minuten vor Ende, dann noch der Umschwung durch Andrej Strakhov und Corey Quirk in der regulären Spielzeit - das addiert sich auf sieben "Last-Minute-Punkte", womit die fünf Punkte, die man in den Spielen davor im letzten Drittel vergeigt hatte, wieder eingefahren wären.

Der Sieg gegen Schwenningen war letztlich ein Sieg des Willens, nicht des Schiedsrichters, wie es die Gäste (vermutlich aus ihrer Sicht verständlich) sehen werden. Denn im letzten Drittel wurde endlich einmal wenigstens ein Teil der rüden Stockschläge und Ellbogenfouls (von den permanenten Disziplinlosigkeiten ganz zu schweigen), geahndet, die ein wenig die Erinnerung an Joe Wests Hannover'sche Prügeltruppe aus Oberliga-Zeiten weckte. Und so war Rumrichs Team (beste Unterzahlmannschaft, kein Wunder bei dem vielen Training) trotz 15:22 Minuten längeren Unterzahl- als Überzahlspiels noch gut bedient; es hätte bei konsequentem Durchgreifen auch doppelt so viel sein können! Ein einziges Mal (gegen Hannover) gab es ein ähnliches Ungleichgewicht zugunsten der Starbulls, als sie 15:01 Minuten mehr Powerplay als Unterzahl spielten; umgekehrt mussten sie in Ravensburg einmal 12:18 Minuten länger Penaltys killen als Powerplay spielen, wobei sie dennoch 4:3 nach Verlängerung gewannen.

Was den Fachmann (beispielsweise Ernst Höfner) nicht verwundern konnte, war, dass wieder einmal Corey Quirk im entscheidenden Moment zur Stelle war, denn er ist seit Wochen Herz und Seele des Rosenheimer Spiels. Während Mitch Stephens anscheinend seine "Pre-Play-off-Krise" nimmt (im Vorjahr nur ein Assist in den letzten sechs Vorrundenspielen), ist Quirk seit 22 Spielen immer für die Vorbereitung oder die Vollendung eines Treffers gut. Eine statistische "Unebenheit", die Franz Steer sicher nicht unwillkommen sein dürfte...

Simon Wenzel erleidet Kreuzbandriss

Für Simon Wenzel ist die Saison beendet.

So gut, wie das Wochenende für die Starbulls ergebnismäßig lief, so bitter war es für Starbulls-Angreifer Simon Wenzel: Wie berichtet musste der 22-jährige Angreifer am Sonntag beim Spiel gegen Schwenningen bereits in der 6. Spielminute von Betreuern gestützt verletzt vom Eis gebracht werden. Jetzt haben sich nach weiteren Untersuchungen die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Wenzel, der vor der Saison aus Heilbronn zu den Rosenheimern zurückgekehrt war, hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird damit mindestens ein halbes Jahr ausfallen.

mw/em/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © Ziegler/cs

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