Negative Heimserie

OVB
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Nach dem 2:2-Ausgleich in Garmisch bejubelten die vielen mitgereisten Rosenheimer Fans den Torschützen Corey Quirk.

Rosenheim - Es läuft einfach zurzeit nicht so recht bei den Starbulls Rosenheim. Die vergangenen drei Spiele im heimischen Stadion gingen allesamt verloren.

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Zuhause schießt man kaum noch Tore, und wenn man dies auf fremdem Eis nachholt, so erzielt der Gastgeber noch einige mehr - so einfach kann die Formel für Misserfolg lauten. Und drei sieglose Spiele in eigener Halle sind nicht gerade die ideale Werbung für das in zwei Wochen anstehende große Derby gegen den Lokalrivalen aus Landshut, was auch die sehr überschaubare Zahl von 1990 Zuschauern gegen einen Gegner wie Schwenningen unmissverständlich verdeutlicht.

Wenigstens sorgte Mitch Stephens' Treffer am Sonntag dafür, dass es nicht das zweite punktlose Wochenende der Saison gab; Anfang Oktober war man ja gegen Weißwasser und Kaufbeuren einmal ganz leer ausgegangen.

Eingestaubt von Rosenheims Torschützen Mitch Stephens wurde Schwenningens Verteidiger Marcus Götz, der aber nicht den Durchblick verlor.

Ein paar Zahlen: Drei Tore in drei Spielen auf eigenem Eis, das gab es in der Zweiten Liga bei den Starbulls noch nie. Man muss daher etwas weiter zurück "scrollen", um eine ähnliche Flaute zu finden, nämlich bis zum Oktober/November 2006, als es fünf Spiele hintereinander auf eigenem Eis hieß: 1:4 gegen Ratingen, 1:2 gegen Freiburg, 0:2 gegen Riessersee, 2:1 gegen Hannover und 1:4 gegen die Eisbären Juniors. Wer erinnert sich noch an die Leute, die die dünn gesäten fünf Rosenheimer Treffer schoss? An Patrick Neundorfer, Stephan Stiebinger, Jeremy Stasiuk, Paul Weismann und Thomas Weiszdorn? Und es ist auch sicher kein Trost, dass drei der fünf damaligen Kontrahenten inzwischen nicht mehr existieren (Juniors) oder in den Niederungen der Oberliga West (Ratingen) oder gar der Baden-Württemberg-Liga (Freiburg) verschwunden sind. Überhaupt gelang Gottwald & Co. in fünf der letzten neun Begegnungen nur nur jeweils ein einziger Treffer, auch das ist ein unerfreuliches Novum.

Auf der anderen Seite sollten vier Tore in fremder Halle, wie am Freitag in Garmisch erzielt, doch zum Sieg reichen. Normalerweise ja, noch nie hatten die Starbulls auswärts in dieser Spielklasse mit dieser Trefferausbeute verloren. Zuletzt geschah dies in der Oberliga, am 17. Januar 2010 mit 4:6 in Bad Nauheim. Diesmal war es aber so weit, weil der inzwischen voll in der Liga angekommene Aufsteiger für das bis dato torreichste Zweitliga-Auswärtsspiel der Starbulls-Neuzeit sorgte. Lediglich in Rosenheim waren letzte Saison beim 8:3 gegen Kaufbeuren ebenso viele Tore gefallen. Diesmal hagelte es im letzten Spielabschnitt gleich vier Gegentore; das war den Starbulls zuletzt im vergangenen Playoff-Finale passiert, als Ravensburg im Mitteldrittel aus einem 0:2 ein 4:2 machte.

Während ein Trend sich fortsetzte, nämlich, dass Franz Steers Jungs in Overtime nicht gewinnen können (zwei Niederlagen in der Nachspielzeit, eine im Penalty-Schießen), sind zwei positive Serien gerissen. Am Sonntag ging Peter Kathan leer aus; zuvor hatte der derzeit zweitbeste Rosenheimer Torjäger mit Treffern in drei aufeinander folgenden Spielen für einen neuen Verteidiger-Rekord gesorgt (Dominic Auger und Tim Kunes hatten letztes Jahr Zwei-Spiele-"Serien" aufgestellt. Und am Freitag fehlte erstmals seit Saisonbeginn 2008 Micky Rohner im Lineup. 198 Punktspiele hatte er in Folge bestritten; nun ist Robin Hanselko, der am Sonntag die 200 vollmachen konnte, alleiniger "Iron Man".

Zum Schluss noch ein Detail, das den "normalen" Fan sicher kalt lassen wird, den Statistiker aber vor Begeisterung im Dreieck hüpfen lässt, einfach, weil es so unwahrscheinlich ist wie irgendeine seltene Planetenkonstellation: Vor dem Sonntagspiel hatten die Starbulls in der laufenden Saison 1149 Minuten und 53 Sekunden auf dem Eis gestanden und waren dabei fast auf die Sekunde genau ebenso lang in Führung gelegen wie in Rückstand (23.046 zu 23.052 Sekunden). Und nur 157 Sekunden, also keine drei Minuten, weniger, stand es unentschieden. Ein Detail, zugegeben überflüssig wie ein Kropf, aber eine faszinierende "Momentaufnahme", um einen von Steers Lieblingsausdrücken zu verwenden.

Manfred Eder (Oberbayerisches Volksblatt)

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