Interview mit den Trainern

Starbulls U17 und U20 starten in die Saison - Oliver Häusler und Rick Böhm im Gespräch

Oliver Häusler und Rick Böhm.
+
Von links: Oliver Häusler und Rick Böhm.

Rosenheim - Die Starbulls U17 und U20 Nachwuchsteams starten am Wochenende in die neue Eishockeysaison 2020/2021. Kurz davor haben sich die beiden Trainer Oliver Häusler und Rick Boehm Zeit genommen um uns ein paar Fragen zum Auftakt der neuen Spielzeit zu beantworten.

Die Meldung im Wortlaut:

Servus Oli, Servus Rick. Die Vorbereitung ist ab sofort Geschichte, der Punktspielstart steht an. Welches Resümee zieht ihr im Hinblick auf die abgelaufene Saisonvorbereitung eurer Schützlinge?

Häusler: Unsere Vorbereitung auf die neue Saison war etwas kürzer als wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt waren. Daher gehen uns definitiv noch ein paar Prozentpunkte ab was unser volles Leistungsvermögen angeht. Ich bin aber trotzdem gut gestimmt, dass wir gut im Zeitplan liegen und meine Jungs und Mädels zum Start am Wochenende fit und bereit sind.

Boehm: Die beiden Heimspiele gegen Landshut mit zwei Siegen (4:3 und 4:2) waren absolut positiv. Da konnte ich wenig Negatives finden und genauso stelle ich mir das Auftreten meines Teams vor. Bei den Niederlagen gegen Regensburg (3:4 und 2:5) war ich dagegen weniger zufrieden. In beiden Partien haben wir defensiv verantwortungslos agiert und waren Offensiv viel zu harmlos. Dies war natürlich kein schöner Abschluss der Vorbereitung, aber vielleicht war das auch ein guter Warnschuss vor dem Punktspielbeginn. Im Allgemeinen bin ich mit der Vorbereitung, gerade auch weil wir in diesem Jahr zwei Wochen weniger Zeit hatten, aber zufrieden und ich denke wir sind gut vorbereitet.

Habt ihr in diesem Sommertraining bzw. jetzt im Training auf dem Eis ein Hauptaugenmerk auf bestimmte Inhalte gelegt?

Häusler: Im Sommertraining haben wir viel Wert auf koordinative Fähigkeiten gelegt und dort intensiv den Hebel angesetzt. Dabei geht es vor allem um Kraft und Ausdauer. Dort haben wir versucht bislang vorhandene Defizite abzubauen. Dabei haben alle gut mitgezogen und wir haben das in meinen Augen wirklich gut hinbekommen. Jetzt im Eistraining ging es vielmehr um eishockeyspezifische Inhalte wie verschiedene Spielformen, Überzahl und Unterzahl und vieles mehr.

Boehm: In der ersten Woche sind wir jeweils zwei Mal aufs Eis gegangen. Durch diese vielen Einheiten konnten wir den Trainingsrückstand etwas aufholen und konnten gut in den Rhythmus finden. Das Team selbst hat von Anfang an super mitgezogen und die Anwesenheit beim Training war von Beginn an überragend. In der Regel trainierten wir mit 22 - 24 Feldspielern, einmal sogar mit 26 Feldspielern.

Seit einigen Monaten laufen im ROFA-Stadion umfangreiche Sanierungsarbeiten und auch Corona hat sein Übriges zu einer außergewöhnlichen Zeit beigetragen. Wie hat sich das Alles auf eure Arbeit und eure Teams ausgewirkt?

Häusler: Durch die Umbaumaßnahmen gehen uns, wie oben schon erwähnt, ca. zwei Wochen Eiseinheiten ab. Corona selbst hat uns in der Vorbereitung relativ wenig gestört. Hier hat sich mein Team stets an alle Regeln gehalten und dabei haben alle gut mitgezogen. Wir konnten trotz allen Widrigkeiten gut trainieren, alle haben gut mitgezogen, die Anwesenheit der Spieler ware sehr zufriedenstellend und auch die Ein- und Ausgangstests sind hervorragend ausgefallen.

Boehm: Corona und auch die Umbaumaßnahmen haben die Trainingsbedingungen natürlich etwas erschwert, aber mit der richtigen Einstellung kann man auch damit gut umgehen, arbeiten und trainieren. Wir sind einfach froh, dass wir inzwischen trotz Corona und Umbau endlich wieder aufs Eis konnten um Tore zu schießen und Spiele zu gewinnen. Sobald du auf dem Eis bist, ist dir sowieso alles andere um dich herum völlig egal und du genießt das einfach nur.

Im Nachwuchs gibt es logischerweise zu jeder neuen Spielzeit eine ganze Menge an Fluktuation in den Kadern. Was könnt ihr uns über Neuzugänge und Abgänge berichten?

Häusler: Wie in jedem Jahr gibt es im Nachwuchs auf Grund der Altersbeschränkungen zahlreiche Wechsel von unten nach oben. Dazu möchten sich Spieler auch immer wieder mal neu orientieren und das ist in meinen Augen auch ganz normal. Mit meinem Kader bin ich auf jeden Fall absolut zufrieden.

Boehm: Wie Oli schon sagt, haben auch wir ganz normale Zu- und Abgänge was die jeweiligen Verschiebungen durch das Alter der Spieler angeht. Spieler „wachsen“ aus der U20 heraus und von unten rücken welche nach. Ansonsten haben einige meiner Jungs auch Verträge in unserer ersten Mannschaft erhalten und da wird man sehen müssen in wie fern wir auf sie zugreifen können wenn auch dort die Saison beginnt. Zusätzlich verlassen haben uns Sandro Mayr (Köln), Lars Stelzmann (DEG) und Ludwig Danzer (Augsburg). Alle drei wollen eine Liga höher in der Division 1 ihre Chance suchen. Paul Ankirchner hat seine Karriere leider beendet.

Aus der U17 sind die Verteidiger Jakob Schneid und Michael Gottwald sowie die Angreifer Simon Ellmaier, Yannik Krist und Johannes Plank zu uns gestoßen. Von externer Seite haben sich mit Thomas März und Florian Heiß zwei vielversprechende Talente aus Bad Tölz für unseren Starbulls Weg entschieden und werden uns sicherlich weiter verstärken.

Wie beurteilt ihr die Chancen eurer Teams in der nun startenden Saison? Gibt es konkrete Saisonziele?

Häusler: Unser kurzfristiges Saisonziel ist es, einen guten Start hinzulegen um damit positiv weiterarbeiten zu können. Dieses Jahr steigen zwei Teams aus der Division 1 in die Division 2 ab und damit möchten wir von Anfang an nichts zu tun haben.

Boehm: Unser selbst gestecktes Ziel ist ganz klar die Aufstiegsrunde zur Division 1. Da müssen wir gar nicht um den heißen Brei herumreden. Wir müssen und wollen in dieser Gruppe mit 8 Teams auf einen der ersten beiden Plätze kommen. Wenn meine Jungs gesund und fit bleiben, sich weiterhin genauso engagieren und härter arbeiten als ihre Gegner, dann können wir dieses Ziel auch erreichen. Die Aufstiegsrunde ist dann natürlich ein anderes Blatt Papier. Sollten wir diese erreichen, dann werden wir unsere Ziele neu stecken und nochmal voll angreifen.

Wie schätzt ihre eure Konkurrenz in den jeweiligen Ligen ein? Welche Teams sind für euch die jeweiligen Favoriten?

Häusler: Das ist zum jetzigen Punkt im Nachwuchsbereich oft noch schwer zu sagen. Klar ist es meistens so, dass die üblichen Verdächtigen wie z.B. Mannheim, Köln, Landshut und ein paar andere oben mit dabei sein werden. Auch der Aufsteiger Nürnberg wird sicherlich eine gute sportliche Rolle in der Liga spielen. In Richtung November wird man dann sicherlich mehr sagen können wohin die Wege der einzelnen Teams führen werden.

Boehm: Das ist in meinen Augen vor der Saison sehr schwer zu sagen. Ich möchte auch gar nicht viel über andere Teams reden. Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, unsere Dinge richtigmachen, jedes Spiel zu 100% ernst nehmen und dann wird sich der Erfolg für uns sicherlich einstellen.

Vieler Orts wird inzwischen oft über eine durchgängige Spielphilosophie von ganz unten bis ganz oben gesprochen. Wie schaut es hier bei den Starbulls aus?

Häusler: Wir versuchen natürlich schon ab einem gewissen Altersbereich, dass die Kids durchweg trainieren und spielen können. Dort soll jeder wissen, wie unsere groben taktischen Richtungen ausschauen und welches „Starbulls-Eishockey“ wir spielen möchten. Im unteren Bereich bei den ganz kleinen geht es natürlich eher um Spaß am Spiel und um grundlegende Fähigkeiten im Eishockeysport. Ab der U11 geht es dann langsam viel mehr um spezielle Fähigkeiten wie Stocktechnik, allgemeine Technik, körperliches Spiel, Schuss usw.

Boehm: Die Spielphilosophie und damit auch die Trainingsinhalte sind bei uns im Verein insbesondere was die erste Mannschaft, die U20 und die U17 angeht sehr durchlaufend. Wir Trainer arbeiten eng zusammen und dadurch ist die Art wie wir spielen lassen wollen und was wir hinsichtlich des heute geforderten Eishockeys vermitteln möchten, sehr ähnlich. Das ist in meinen Augen auch wichtig um der Nachwuchsarbeit des Vereins ein Gesicht und ein klares Bild zu geben.

Oli du bist quasi ein Urgestein bei den Starbulls, Rick du bist nun seit ca. zwei Jahren hier im Verein tätig. Was macht für euch beide den Nachwuchsstandort Rosenheim attraktiv und speziell?

Häusler: Dazu fällt mir ganz spontan ein Erlebnis mit einem Berliner Schülertrainer ein. Er hat mich angesprochen und sagte wortwörtlich über meine Jungs „Dorfmannschaft“. Ja was soll ich sagen, die „Dorfmannschaft“ wurde dann später Deutscher Schülermeister und sein Team aus Berlin hat das Endspiel verpasst. Klar, wir sind eine kleine Stadt und kein riesiger Verein. Aber ich denke bei uns ist das alles wirklich eine große Familie und das sage ich nicht nur so dahin wie es viele Vereine tun. Bei uns ist das ein zusammenleben, ein zusammen Arbeiten und ein zusammen Spaß haben. Hier kennt jeder jeden beim Namen, jeder ist für den anderen da und das macht uns als Nachwuchsstandort auf diesem Niveau ganz speziell. Hier können die Spieler mit jedem Problem, egal um was es geht, zu uns Trainern oder den anderen Verantwortlichen wie z.B. der Vorstandschaft gehen und dies dort besprechen und nach einer Lösung suchen. Wir leben Familie. Das schafft Zusammenhalt und das macht uns als Standort absolut speziell.

Boehm: Ich denke was Rosenheim im Nachwuchs auszeichnet ist die geordnete und sehr disziplinierte Arbeit und Umgangsweise zwischen Trainern, Betreuern und den Spielern. Die Spieler hier sind unglaublich gut erzogen, was auch daran liegt, dass man hier viel Wert auf die charakterliche Ausbildung eines Spielers legt.

Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs und Seniorenbereich ist für die sportliche Entwicklung eines Vereins ein extrem wichtigerer Faktor. Wie sehr wird dieses Thema bei den Starbulls gelebt und was tut man dafür, um dies noch weiter zu optimieren?

Häusler: Die sportliche Entwicklung eines Vereins ist, wenn du nachhaltig Erfolg haben willst, immer eine Langzeitentwicklung. Wir in Rosenheim leben dies ganz besonders. Ganz aktuell sieht man das speziell daran, wie viele Spieler aus dem U20 Bereich in die erste Mannschaft aufgerückt sind und dort nun die Schlittschuhe für das Team von John schnüren. Diese Durchlässigkeit ist natürlich auch für uns Trainer im Nachwuchs sehr wichtig. Neben jedem sportlichen Ehrgeiz um als Team das Beste zu erreichen, wollen wir natürlich jeden Spieler täglich auch besser machen, sportlich wie auch als Mensch und dabei das Optimum aus ihm herauskitzeln. Umso mehr Spieler wir selbst entwickeln und nach oben in die erste Mannschaft bringen umso besser ist das auch im finanziellen Bereich für den gesamten Verein. Ich bin wirklich absolut positiv überrascht wie gut das bislang in diesem Jahr abläuft und ich bin auch absolut davon überzeugt, dass sich unsere Talente oben bei den Senioren etablieren und durchsetzen werden. Ich hoffe das auch unsere jüngeren Teams und Spieler sehen „aha dem Verein liegt was am Nachwuchs, hier kann ich mich sehr gut entwickeln und hier kann ich den Sprung nach oben schaffen“.

Boehm: Die Durchlässigkeit hier in Rosenheim ist, besonders auch durch die Zugehörigkeit der ersten Mannschaft zur Oberliga-Süd, absolut vorbildlich gegeben. In der vergangenen Saison haben bereits einige Jungs aus der U20 oben bei der ersten gespielt und genauso wurde auch der umgekehrte Weg gegangen. Das ist wichtig für die Spielpraxis der Jungs und damit haben alle Coaches auch stets einen guten Überblick über die Entwicklung der Spieler. John Sicinski ist extrem nah dran an der U20 und geht auch regelmäßig mit uns aufs Eis. Durch den verspäteten Saisonstart der ersten Mannschaft hat er auch den Großteil unserer Vorbereitungsspiele gesehen und konnte sich dabei ein gutes Bild über den aktuellen Entwicklungsstand unserer Talente machen. Dies alles zusammen ist hier in Rosenheim beim Thema Durchlässigkeit extrem positiv. Auch die Spieler in den Nachwuchsteams sehen und spüren und möchten die hier gebotenen Chancen nutzen. In dieser Form gibt es das in Deutschland nicht oft und das spricht definitiv für die Attraktivität der Starbulls Nachwuchsabteilung.

Am Wochenende stehen für die U20 zwei Auswärtsspiele im Chemnitz auf dem Programm. Die U17 trifft jeweils einmal zuhause und einmal auswärts auf den Nachwuchs des ESV Kaufbeuren. Gebt uns bitte abschließend einen kurzen Ausblick zu diesen Auftaktpartien.

Häusler: Wir spielen am Wochenende zweimal gegen Kaufbeuren, einmal zuhause, einmal auswärts. Kaufbeuren gehört sicherlich zu den besseren Teams der Liga. Aktuell kann man das aber wirklich noch schwer einschätzen. Unser Ziel ist es, wie vorhin schon gesagt, dass wir erstmal von den Abstiegsplätzen wegbleiben wollen. Durch das Loch das wir vor wenigen Jahren mal gehabt haben, wird es für uns sicherlich keine leichte Saison, aber die Vorbereitung hat mir gezeigt, dass viel Potential in meinem Kader steckt. Wir haben eine Mannschaft die Zusammenhält, darauf lege ich immer viel wert. Meine Truppe geht zusammen durch dick und dünn und mit dieser Einstellung kannst du Steine versetzen.

Boehm: Wir treffen am Wochenende zweimal auswärts auf die Young Crashers Chemnitz, den Aufsteiger aus der Division 3. Bislang wissen wir nicht viel über Chemnitz, aber sie werden als Neuling in der Liga sicherlich hochmotiviert sein, wenn Rosenheim dort gegen sie aufs Eis geht. Wichtig für mich ist aber viel mehr, dass wir uns auf unsere Leistung konzentrieren und versuchen dem Gegner und Spiel und unser Niveau aufzuzwingen. Wir dürfen keinen Gegner in der Liga unterschätzen und müssen in jedem Spiel mit viel Respekt aber auch mit einer guten Portion Selbstvertrauen auftreten.

Die Starbulls Redaktion wünscht euch und euren Teams im Namen der gesamten Starbulls-Familie viel Glück für den Saisonauftakt und die gesamte kommende Spielzeit!

Pressemeldung Starbulls Rosenheim e.V.

Kommentare