Er stand früher selbst im Tor

Starbulls-Stürmer Simon Heidenreich: „Grubi war wie ein großer Bruder für mich“

Jubel über seinen bisher letzten Treffer: Simon Heidenreich traf zum 4:3 gegen Passau.
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Jubel über seinen bisher letzten Treffer: Simon Heidenreich (rechts) traf zum 4:3 gegen Passau.

Simon Heidenreich ist momentan mit der torgefährlichste Stürmer des Oberligisten Starbulls Rosenheim. Vier Tore hat der 1,88 Meter große und 83-Kilogramm schwere Eishockeyspieler in den beiden letzten Spielen erzielt. Überraschend ist welche Positionen er schon gespielt hat.

Rosenheim – Das 24-jährige Rosenheimer Eigengewächs Simon Heidenreich verrät im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen sein Erfolgsrezept was für ihn besonders wichtig ist, was sein Studium mit dem Starbulls-Nachwuchs zu tun hat und warum er Ausrüstungsgegenstände von Stanley-Cup-Gewinner Philipp Grubauer zu Hause stehen hat.

Herr Heidenreich, nach elf Spielen sechs Tore, sechs Assists und zwölf Scorerpunkte - Sie haben ihre Bestmarke aus den letzten Jahren jetzt schon übertroffen. An was liegt es?

Simon Heidenreich: Ich bin einfach richtig gestanden und es ist einfach wichtig, dass man sich in dem freien Raum den Platz verschafft. Außerdem ist Eishockey ein Teamsport und es funktioniert nicht alleine. Man braucht seine Mitspieler und in meiner Reihe läuft es mit Sebastian Stanik und Tobi Meier sehr gut.

Starbulls-Eigengewächs: Simon Heidenreich.

So gut, dass Sie jetzt auch in Überzahl aufs Eis dürfen.

Heidenreich: Das hat mich natürlich total gefreut, als der Trainer gesagt hat, dass ich jetzt auch in Überzahl mit dabei bin. Das ist natürlich eine große Auszeichnung und ich wollte natürlich meine Chance nutzen. Bei meinen sechs Toren war zwar bisher nur ein Überzahltor dabei, aber meine Tore habe ich hauptsächlich alle aus dem Slotbereich heraus erzählt. Und da hat mich John Sicinski auch in Überzahl hingestellt.

Und da gilt es sich richtig zu positionieren. Sind Sie auch so ein „Raumdeuter“ wie Thomas Müller im Fußball, der ja auch immer diese Räume findet, wo er dann zum Abschluss kommt?

Heidenreich: So weit würde ich jetzt nicht gehen, aber meine großen Stärken waren schon immer das Stellungsspiel und das Spielverständnis. Ich erkenne relativ schnell, wenn ein Mitspieler oder ein Gegenspieler etwas vorhat. Und da muss ich mich dann optimal positionieren.

Da gibt es aber dann Gegenspieler, die das verhindern wollen und Sie sind ja kein Schwergewicht.

Heidenreich: Da hilft mit meine Größe, mit der ich das etwas geringere Gewicht kompensieren kann. Ich habe einen guten Stand und verschaffe mir den notwendigen Platz und kann mich letztendlich auch durchsetzen.

Und obwohl Sie eher schlaksig sind und keine 90 Kilogramm auf die Waage bringen, gehen Sie keinem Check aus dem Weg.

Heidenreich: Die Zweikämpfe gehören zum Eishockey dazu wie die Schlittschuhe und der Schläger. Wir haben eine schnelle Mannschaft, die über 60 Minuten Druck aufbauen will und da gehören eben Checks mit dazu. Gerade in den ersten Minuten will man natürlich Zeichen setzen. Da muss man dem Gegner zeigen, dass es gegen uns nichts zu holen gibt

Vor allem dann nicht, wenn man so effiziente Spieler auf dem Eis hat wie Sie. Laut Statistik haben Sie in elf Spielen nur 17 Schüsse aufs Tor abgefeuert und dabei sechs Tore erzielt.

Heidenreich: Ja das stimmt. Ich hab das auch gelesen und das ist eine Quote von 35 Prozent. Das ist natürlich Wahnsinn, aber man muss auch sagen, dass bei einigen Vereinen die Schüsse nicht aufgeschrieben werden, was das Ergebnis natürlich verfälschen kann. Die Statistik ist mir aber eigentlich egal. Wichtig ist, dass die Tore fallen und noch wichtiger ist, dass wir gewinnen. Der Mannschaftserfolg steht eindeutig vor dem individuellen Erfolg. Wir haben ein gemeinsames Ziel und das wollen wir erreichen.

Und das Ziel wäre?

Heidenreich: Unser Ziel ist eigentlich klar: Wir wollen in die zweite Liga aufsteigen. Es wird zwar nicht oft darüber gesprochen, aber wir alle wissen was wir erreichen wollen und vor allem was wir erreichen können. Wir haben gegen alle Top-Teams bereits gespielt und müssen uns vor keiner Mannschaft verstecken.

Und ihre persönlichen Ziele?

Heidenreich: Wenn es so weitergeht und so super läuft, freue ich mich natürlich total. Aber wie gesagt, wenn wir gewinnen ist es egal, wer die Punkte macht und wer die Tore schießt. Am Ende der Saison müssen ganz oben stehen, dann haben wir alles richtig gemacht.

Braucht es dafür Spieler, die variabel einsetzbar sind? Sie selbst haben ja in den letzten Jahren gefühlt auf allen Positionen außer Torhüter gespielt.

Heidenreich: Ich werde zwar in der Statistik als Verteidiger geführt, habe aber diese Saison noch kein Spiel als Verteidiger gemacht. Ich bin eigentlich gelernter Mittelstürmer und spiele jetzt Außen. Ich bin ein Teamplayer und springe überall ein, wo man mich braucht. Seit Saisonbeginn spiele ich Rechtsaußen und komme immer besser zurecht.

Sie helfen aus, wo Sie gebraucht werden, auch als Nachwuchstrainer bei den Starbulls. Wie kam es dazu?

Heidenreich: Ich trainiere seit drei Jahren die U7 und die U9 und habe in diesem Jahr noch meinen B-Trainerschein gemacht. Dazugekommen bin ich eigentlich, weil ich immer beim Oliver Häusler ausgeholfen habe. Den U7-Spielern das Schlittschuhfahren beizubringen finde ich super und dann bei der U9 das spielerische Element zu vermitteln ist eine tolle Sache. Zur Zeit ist es einfach schade, dass man nicht trainieren darf, aber ich habe zusammen mit Dominik Daxlberger, der mit mir zusammen Trainer ist, Pläne und Videos für zu Hause gemacht. Wir sind mit den Jungs beziehungsweise mit den Eltern viel in Kontakt.

Bringt das auch was für Ihr Studium? Sie studieren im siebten Semester Sportwissenschaften und angewandte Trainingswissenschaften.

Heidenreich: Auf alle Fälle. Ich konnte durch das Eishockey mein fünftes Semester überspringen. Es wäre das Praktikums-Semester gewesen und das habe ich eben bei der U7, der U9 und bei der U 20 als Athletiktrainer absolviert. Im nächsten September bin ich fertig mit meinem Bachelor und starte dann auch gleich meinen Master-Studiengang.

Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys? Sie sind Sportfan und man sieht Sie auch immer wieder mal als Zuschauer. Zum Beispiel bei 1860 Rosenheim.

Heidenreich: Fußball schaue ich bei den Sechzigern, weil es unsere direkten Nachbarn sind und ich den Markus Wallner schon lange kenne. Ab und zu bin ich auch bei meinem Heimatverein SV Schechen. Ich schaue einfach gerne Sport an - live oder auch im Fernsehen. Zu Hause läuft eigentlich rund um die Uhr Sport, wenn es die Freundin erlaubt (lacht). Ich spiele auch Golf, Tennis. Tischtennis und probiere viele andere Sachen aus, wenn Zeit dafür bleibt.

Simon Heidenreich stand im Starbulls Nachwuchs bis zur Knabenmannschaft im Tor und spielte auch Stürmer.

Und was sollte man unbedingt noch über Simon Heidenreich wissen?

Heidenreich: Dass ich auch schon im Tor stand und ich in dem legendären Spiel in Peiting, als Michael Baindl ins Tor ging, auch eine Option war. Bis zur Knabenmannschaft war ich Spieler und Torwart und mein Nachbar war Philipp Grubauer. Er war wie ein großer Bruder für mich. Ich habe auch noch die Torwart-Ausrüstung und den Schläger von damals. Ich habe immer sein Zeug übernommen. Grubi war mein größtes Vorbild und deshalb habe ich auch die Nummer 20 übernommen, die er mal im Starbulls-Nachwuchs hatte. Die Nummer habe ich heute noch.

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