Die Starbulls machen es spannend

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Klein machen und Kaufbeurens starkem Torwart Vajs doch die Sicht nehmen - das versuchte Andrej Strakhov in dieser Situation vergeblich. Vajs hielt.

Rosenheim - Es war definitiv nichts für schwache Nerven, dieses Wochenende der Starbulls! Aber das ist ja nichts Neues. Über mangelnde Spannung kann sich da niemand beschweren.

Seit Wochen stehen die Punktspiele des Steer-Teams praktisch von Anfang bis Ende auf Messers Schneide - mit wechselndem Ausgang. Und wer vielleicht das eine oder andere technische und spielerische Highlight vermisst, kann sich zumindest über fehlende Spannung und Dramatik nicht beschweren. Wohl aber über fehlende Heimtore, denn vor dem Ausgleich gegen Kaufbeuren hatten die Starbulls auf eigenem Eis sage und schreibe 114:25 Minuten nicht mehr getroffen!

Von den Fans zum Spieler des Monats Januar gewählt: Mitch Stephens, dem Kamilo Kolarz von der Starbulls-Marketing-Abteilung den Pokal übergab.

Fünf der letzten acht Spiele wurden erst außerhalb der regulären Spielzeit entschieden, zwei davon durch ein Penalty-Schießen, in einem fiel die Entscheidung in der allerletzen Overtime-Sekunde - kurios, kurios - ebenfalls durch einen Penalty. Allerdings konnten die Starbulls nur zwei der fünf Spiele für sich entscheiden, aber auch hier gibt es einen Trend. Wenn sie den Sack in Overtime zumachen, dann blitzartig, in Dresden nach 57 Sekunden, gegen Kaufbeuren schon nach 38 (!). Im Umkehrschluss: Je länger die Verlängerung dauert, desto mehr sinken die Rosenheimer Chancen auf den Zusatzpunkt. Während der "normalen" 60 Minuten ist dies genau umgekehrt. Da kommen Gottwald und Co. in letzter Zeit überhaupt nicht aus den Startlöchern, verstehen es aber oft, das Spiel dem Ende zu noch herumzureißen. Betrachten wir dazu nur die letzten sieben Begegnungen: Von sieben Anfangsdritteln gewannen sie keins, kassierten sechs Tore und schossen nur ein einziges, dieses (gegen Bietigheim) schon nach 23 Sekunden. Von den sieben Schlussdritteln im selben Zeitraum gewannen sie fünf, verloren nur eins, und ließen bei acht eigenen Toren lediglich zwei gegnerische zu. Einmal verwandelten sie dabei einen Rückstand in einen Drei-Punkte-Sieg, drei weitere Male erreichten sie die Verlängerung, die sie zweimal gewannen.

Und den Spannungsfaktor der jüngsten Spiele verdeutlichen folgende Zahlen aus den letzten acht Spielen: Fast genau die Hälfte der Spielzeit (50,50 Prozent) stand das Spiel unentschieden, weitere 36,11 Prozent der Zeit lag ein Team hauchdünn in Führung, zusammen also fast 87 Prozent Herzrasen! Weitere 12, 48 Prozent der Zeit lagen Starbulls oder Gegner mit zwei Toren Differenz in Front, und in weniger als einem Hundertstel des Geschehens (0,91 Prozent) herrschten klare Verhältnisse mit drei Toren Vorsprung oder Rückstand. Langeweile sieht anders aus!

Was aber beinahe langweilig wurde, war die klare Dominanz der Kaufbeurer. Bereits im Vorjahr gewannen sie drei von vier Spielen, und am Sonntag sah es fast 55 Minuten lang so aus, als könnten sie diesmal tatsächlich alle Vorrunden-Punkte gegen die Starbulls einsammeln. In der zweiten Liga haben Franz Steers Jungs noch gegen keinen Gegner ein leeres Saisonkonto, und selbst in sechs Jahren Oberliga gelang es nur vier Teams, die Starbulls in vier Spielen leer ausgehen zu lassen, nämlich Riessersee und Heilbronn in der Saison 2006/07 sowie Freiburg und Bad Tölz ein Jahr später. Den Allgäuern konnten Stephan Gottwald und Patrick Asselin einen späten Strich durch die Rechnung machen und die Bilanz von zuvor sechs Siegen und einer Niederlage ein bisschen verwässern.

Kurios auch der jeweilige Zeitpunkt, an dem die Tore des Wochenendes fielen, nämlich bis auf Asselins Blitztor in Overtime stets gegen Ende eines Drittels. In Weißwasser fielen die Gegentore in der vorletzten Minute des Anfangs- und des Schlussdrittels sowie in der letzten Sekunde der Verlängerung, die Rosenheimer Treffer in der letzten Minute des Mittelabschnitts und der drittletzten Minute regulärer Spielzeit. Der Treffer für Kaufbeuren fiel in der letzten Minute des Mitteldrittels, und Gottwalds Ausgleich wenigstens ein paar Minuten "zentraler". Und nachdem Corey Quirk in der Lausitz den ersten Starbulls-Treffer in einer 40. Minute erzielt hatte, setzte Gottwald ein weiteres vom "normalen" Menschen unbemerktes Kuriosum drauf. In der 55. Minute war zuvor in dieser Saison überhaupt noch kein Tor bei einem Rosenheimer Spiel gefallen, weder für noch gegen die Starbulls. Und so bleiben dank Gottwald, der damit eine fünf Spiele dauernde Durststrecke beendete, nur noch die achte und die 49. Minute als "weißer Fleck" auf der Torekarte übrig.

Manfred Eder/Oberbayerisches Volksblatt

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