Steer ärgert sich und ist gleichzeitig begeistert

Franz Steer konnte oft genug die Schiedsrichterentscheidungen nicht verstehen: "Sie haben uns beim Spiel in Landshut die Chance auf einen Sieg genommen. Das ändert nichts daran, dass Landshut verdient Meister wurde."
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Franz Steer konnte oft genug die Schiedsrichterentscheidungen nicht verstehen: "Sie haben uns beim Spiel in Landshut die Chance auf einen Sieg genommen. Das ändert nichts daran, dass Landshut verdient Meister wurde."

Rosenheim - "Ich weiß, was die Mannschaft geleistet hat", so Steer nach der Niederlage. Trotzdem ärgere er sich - am meisten aber über sich selbst:

"Ich weiß, was die Mannschaft geleistet hat, ich weiß, dass ein Großteil der Spieler am Ende war und zum Schluss nicht mehr drin war - trotzdem ärgere ich mich über die letzten Niederlagen gegen Landshut", sagte Starbulls-Trainer Franz Steer gestern nach einer kurzen Nacht. Zusammen mit der Mannschaft ist er nach der 1:7-Niederlage noch zwei Stunden in der Kabine geblieben ("Ich habe wie immer nichts getrunken") und ist dann in Richtung Landshut aufgebrochen.

Eine Szene die Franz Steer so nicht im Rosenheimer Eisstadion erleben wollte: Landhuts Spieler präsentierten den Meisterpokal.

Am meisten ärgert sich Steer über sich selbst, weil er im Verlauf der Serie gegen Landshut einige Dinge gemacht hat, die er jetzt anders machen würde. "Ich habe schon vor dem vierten Spiel gegen Landshut geahnt, dass Norm Maracle nicht ganz auf der Höhe ist - körperlich und psychisch. Ich hätte ihm vielleicht eine Pause gönnen müssen". Doch Maracle war es, der die Rosenheimer im dritten Spiel gegen Landshut mit einer überragenden Leistung im Spiel gehalten hat und der mit dafür verantwortlich war, dass man gegen den späteren Meister mit 2:1 Siegen geführt hatte. Wer von den Fans hätte es verstanden, wenn Steer plötzlich in Spiel vier seinen überragenden Keeper nicht ins Tor gestellt hätte? Vermutlich niemand, aber "es wäre wohl richtig gewesen", sagt Steer, weil er mit Beppi Mayer einen guten zweiten Keeper hat. Der wird übrigens, vertraglich zugesichert, nächste Saison mehr Spiele an der Seite von Norm Maracle bestreiten dürfen.

Was ärgerte Steer noch, was würde er heute anders machen? "Ich habe mich gegenüber den Schiedsrichtern sehr korrekt verhalten, habe nicht geschimpft, habe Verständnis gezeigt und bin ruhig geblieben, auch wenn es in mir brodelte. Der Lohn dafür war, dass die Schiedsrichter gegen uns gepfiffen haben.

Auch für den Vizemeister gab es einen Pokal (von links): Starbulls-Kapitän Stephan Gottwald, Oliver Seeliger, DEB-Ligenleiter, und Starbulls-Vorstand Wilhelm Graue.

Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist", zitierte Steer. Tatsache ist, dass die Schiedsrichter keine klare Linie hatten. Gegen Schwenningen durften die Spieler, vor allem die der Wild Wings, machen, was sie wollten, gegen Landshut wurde in den ersten drei Spielen etwas kleinlicher gepfiffen, aber wenigstens war noch Köperkontakt erlaubt, was dann folgte, hatte mit Eishockey nur noch wenig zu tun. Im fünften Spiel haben die Unparteiischen Klau und Krawinkel ihre eigenen Regeln erfunden. "Was da abging, war unglaublich. In diesem Spiel vier in Landshut haben uns die Schiedsrichter die Chance auf einen Sieg genommen. Zu dieser Aussage stehe ich", erklärte Steer, der damit aber nicht sagen will, dass die Unparteiischen Schuld an der Niederlage hatten. Steer gab gestern als fairer Verlierer auch zu, dass Landshut verdient Meister geworden ist. "Wir haben in der gesamten Saison zweimal in der Overtime gegen Landshut gewonnen, die anderen neun Spiele hat Landshut für sich entschieden. Wir hätten nur dann eine Chance gehabt, wenn wir komplett gewesen wären und einen Lauf gehabt hätten. So aber spielte Landshut alles in die Karten", resümierte Steer.

In der Stunde der bitteren 1:7-Niederlage und trotz des Blicks auf die feiernden Landshuter Mannschaft (Steer: "Auf unserem Eis - das tat weh") erlebten der Starbulls-Coach und seine Spieler aber auch etwas, "von was ich nicht zu träumen gewagt hätte". Steer meinte damit die Starbulls-Fans. "Was die während und nach dem Spiel abgezogen haben, werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich glaube, wenn wir Meister geworden wären, hätten unsere Fans nicht mehr gefeiert."

Und dann war da auch der berechtigte Stolz auf sein Team, auch wenn er Gratulationen zur Vizemeisterschaft (Steer: "Der zweite Platz ist der erste Verlierer") nicht gerne hörte. "Was die Jungs geleistet haben, ist phänomenal. Mehr, als sie aus ihren Körpern herausgeholt haben, war nicht drin. Stolz bin auch darauf, dass die Spieler trotz des 0:5-Rückstandes keinen Zirkus gemacht, das Spiel fair zu Ende gebracht haben und erhobenen Hauptes vom Eis fahren konnten".

Während die Spieler jetzt ihre geschundenen Körper pflegen und Urlaub machen können, heißt es für Franz Steer: Nach der Saison ist vor der Saison. "In dieser Woche werden noch etliche Gespräche mit Spielern stattfinden." Einige Starbulls-Akteure haben noch Verträge für die nächste Saison und alle deutschen Spieler haben signalisiert, dass sie beim Verein bleiben wollen. Wer dann letztendlich nächste Saison in Rosenheim spielt, wird sich zeigen.

Beim letzten Heimspiel vergaben die Starbulls selbst die besten Chancen - so wie hier Andrej Strakhov, der danach seinen Schläger zertrümmerte.

Gut sieht es auf den Verteidigerpositionen aus, denn da scheinen jetzt schon sechs Kandidaten so gut wie fix zu sein, darunter die beiden Jungspunde Max Renner und Max Meirandres. Veränderungen wird es sicher bei einigen Ausländerpositionen geben. Corey Quirk geht (siehe Kasten), ob Mitch Stephens nächste Saison wieder in Rosenheim spielt, hängt auch davon ab, ob seine Frau in Kanada einen Job bekommt.

Patrick Asselin soll gehalten werden, bei Ryan Gaucher ist noch keine Entscheidung gefallen und Norm Maracle soll auch nächste Saison wieder "the wall" im Rosenheimer Tor sein.

Hans-Jürgen Ziegler/Oberbayerisches Volksblatt

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