Timo Herden: Tragischer Held mit toller Serie

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Beweglich, schnell und trotzdem ruhig: Rosenheims Torwarttalent Timo Herden bei einer spektakulären Rettungstat im Finale gegen Landshut.

Rosenheim - Philipp Grubauer, der im vergangenen Jahr einen Vertrag bei Washington Capitals unterschrieben hat, ist das große Vorbild von Timo Herden, der Nummer eins des Rosenheimer DNL-Teams.

Die Ausbildung überragender Torhüter hat Tradition bei den Starbulls Rosenheim. Dafür stehen die Namen wie die des leider viel zu früh verstorbenen Nationaltorhüters Robert Müller, von Claus Dalpiaz (österreichischer Nationaltorhüter) von Marc Seeliger, von Nürnbergs aktuellem DEL-Torhüter Patrick Ehelechner (beide ebenfalls Nationalspieler) oder von Philipp Grubauer, der momentan in Kanada für Furore sorgt und im letzten Jahr einen Vertrag bei den Washington Capitals unterschrieben hat. Und genau dieser Philipp Grubauer ist das große Vorbild von Timo Herden, der Nummer eins des Rosenheimer DNL-Teams, der mit seinen starken Leistungen in den Play-off-Spielen einen großen Anteil am Einzug in das Finale um die deutsche Meisterschaft hatte. Und in diesem Finale wurde er trotz erneut starker Leistungen zum tragischen Helden, der nach Spielende in sich zusammengesunken bitterlich weinte. Nicht weil er einen Fehler gemacht hatte, sondern einfach weil die Enttäuschung das Finale im Penaltyschießen verloren zu haben so riesengroß war. Ausgerechnet er, der vorher neun (!) Penatys in Serie gehalten hatte, konnte den letzten, den entscheidenden nicht parieren. Er war chancenlos, obwohl er den Landshuter Sebastian Busch durch geschickte Bewegungen schon weit nach außen getrieben hatte, der aber trotzdem mit der Rückhand über den am Boden liegenden Herden traf. Beide hatten alles richtig gemacht - der Torhüter und der Schütze, der diesesmal das bessere Ende für sich hatte und die Partie entschied.

Herden war trotzdem einer der großen Gewinner des Starbulls-DNL-Teams. "Er hat sich hervorragend entwickelt, arbeitet hart und er besitzt alles was ein guter Torhüter braucht", loben seine Trainer Thomas Schädler und Oliver Häusler, früher selbst ein starker Torhüter, ihren erst 16-jährigen Keeper, dessen einziges Manko seine Körpergröße sein könnte. Momentan misst er lediglich 1,73 Meter, doch wenn er sich in seinem Tor "aufbaut" scheint Herden für die gegnerischen Stürmer unüberwindlich.

Der gebürtige Rosenheimer hielt in der Play-off-Serie in den Spielen gegen Düsseldorf, Berlin und Landshut sage und schreibe neun Penaltys in Folge.

Einen im Viertelfinale gegen Düsseldorf zwei Minuten vor Schluss beim Stand von 2:2 (die Starbulls gewannen in Overtime 3:2), vier im Penaltyschießen in der entscheidenden Halbfinalpartie in Berlin, zwei während des ersten Finalspiels in Landshut und zwei beim Penaltyschießen im dritten Spiel. "Eine unglaubliche Serie. Seinen große Stärke ist seine Ruhe, seine Schnelligkeit und seine Beweglichkeit auf dem Eis", sagen seine Trainer.

Letzte Saison ohne Spiel

Die Entwicklung von Herden ist umso erstaunlicher, weil er in der letzten Saison kein einziges Spiel für die Starbulls bestritten hatte. Da war Lukas Steinhauer die absolute Nummer eins. Nachdem der die Starbulls vor der Saison in Richtung Hannover verließ, "hatten wir scheinbar ein Torhüterproblem", gibt Schädler unumwunden zu. Doch die Rosenheimer haben ihren Torwarttrainer Siegi Harrer, der auch schon Grubauer und Co. unter seinen Fittichen hatte. Unter seiner Regie entwickelten sich beide Rosenheimer Keeper, auch Dennis Schulz, prächtig und es war auch während der Saison nicht klar wer die Nummer eins wird. "Wir haben abgewechselt, aber gegen Ende der Saison hatte Timo die Nase vorne", sagte Schädler. Die Trainingsleistungen und die Statistiken sprachen für den Schüler des Rosenheimer Finsterwalder-Gymnasiums. Herdens guten Leistungen belohnte seine Trainer Thomas Schädler, der gleichzeitig auch zum Trainerstab der U17-Nationalmannschaft gehört mit Einsätzen in der deutschen Auswahl. "Er hat mein Vertrauen bestätigt und hat uns beim Turnier in Füssen gegen die Slowakei mit einer tollen Leistung den 2:1-Sieg gerettet", erklärte Schädler. Da scheint also wieder ein großes Torhütertalent in Rosenheim heranzuwachsen. Herden selbst will sich "ständig verbessern und so oft wie möglich spielen" und vielleicht klappt es dann in den kommenden Jahren auch mit Einsätzen in der Starbulls-Ersten oder mit seinem Traumverein Washington Capitals.

bz/Oberbayerisches Volksblatt

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