Rosenheim verliert gegen Selb 0:2

Aus im Play-off-Halbfinale: Nach 81 Spielen bleiben die Starbulls wieder einmal torlos

Das letzte Saisontor blieb dem scheidenden Kapitän Michael Baindl vorbehalten. In dieser Szene traf er unter die Latte zum 4:1-Endstand gegen Selb.
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Das letzte Saisontor blieb dem scheidenden Kapitän Michael Baindl vorbehalten. In dieser Szene traf er unter die Latte zum 4:1-Endstand gegen Selb.

Die Starbulls Rosenheim sind im Play-off-Halbfinale gegen Selb ausgeschieden. Die zwei Hauptgründe: Unterirdische Powerplay-Quote und kein Starbulls-Tor zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Rosenheim – „Same procedure as every year“ – so könnte man das Play-off-Abschneiden der Starbulls Rosenheim bezeichnen, denn das Muster ist immer das gleiche: Souveränes Auftreten in der ersten Runde, Ende in der zweiten.

Heuer wurde in der ersten Runde Peiting „gesweept“, also in kürzest möglicher Spieleanzahl rausgeworfen. In den Play-off-Jahren davor erlitten die Moskitos Essen das gleiche Schicksal, nur die Hannover Indians schafften es 2018, wenigstens eine Partie zu gewinnen.

Technisches Tor bedeutete das Aus vor drei Jahren

In Play-off-Runde zwei traten die Selber Wölfe die Nachfolge der Hannover Scorpions an, die in den Jahren 2018 und 2019 die Saison der Starbulls vorzeitig beendeten. Und gerade zu den Begegnungen mit den Scorpions erkennt man einige verblüffende Parallelen: 2019 reichte es (wie diesmal gegen Selb) für Baindl & Co. nicht, mit einem Auswärtssieg in der Serie in Führung zu gehen. 2018 fiel die Entscheidung noch knapper aus als diesmal.

Am Sonntag in Selb war erst mit Nick Miglios Empty-Net-Goal eine halbe Minute vor Schluss das Rosenheimer Ausscheiden besiegelt (Plus-Artikel OVB-Online). Damals in Hannover benötigten die Scorpions sogar ein „technisches Tor“ zum 2:1 (Plus-Artikel OVB-Online) sieben Sekunden vor Saisonende, um die Starbulls rauszukegeln!

Schon im Viertelfinale zwei Teams auf Augenhöhe

Auch wenn man es von den Ergebnissen her anders vermuten könnte: Schon die Viertelfinal-Serie gegen Peiting sah zwei Teams auf Augenhöhe. In über 80 Prozent der Spielzeit stand es unentschieden oder ein Team führte mit einem Tor Differenz. Diese Dramatik wurde in den Halbfinalspielen gegen Selb mit 93 Prozent aber noch weit übertroffen.

Lesen Sie auch: Das Tor war symptomatisch (Plus-Artikel OVB-Online)

Hier herrschte 40 Prozent der Spielzeit Gleichstand, in weiteren 53 Prozent lag ein Team hauchdünn in Führung. Lediglich in knapp sieben Prozent der Zeit (21 der gespielten 313 Minuten) herrschte relative Klarheit, wer das Heft in der Hand hatte.

Leider waren das die Starbulls eher selten, denn lagen sie gegen Peiting noch rund 38 Prozent der Zeit in Führung und nur 19 Prozent im Rückstand, war es gegen die Wölfe umgekehrt. Selb führte fast die Hälfte der Spielzeit (48,5 Prozent), die Starbulls konnten nur 11,9 Prozent der Zeit mit einem Vorsprung agieren.

In allen fünf Spielen ging Selb in Führung

Und: In allen fünf Spielen gestatteten die Starbulls den Wölfen den ersten Treffer des Spieles. Dass sie in drei Partien den Auftaktrückstand zu einer 2:1-Führung umwandeln konnten, spricht für ihre Nervenstärke, dass dies aber einmal (beim 2:5 auf eigenem Eis) nicht reichte, war letztlich ein wesentlicher Punkt für das Ausscheiden.

Überragendes Unterzahlverhalten beider Teams

Müsste man den Misserfolg in der Serie aber an einem einzigen Aspekt festmachen, so brauchte es dazu keiner langen Suche, denn fündig würde man sofort bei einem Punkt: Dem Powerplay. In allen fünf Partien konnten sich die Wölfe den Luxus erlauben, öfter auf die Strafbank zu wandern als ihre Gegner.

Bei 30 Minuten gegen Rosenheim und 48 (ohne zwei Disziplinarstrafen) gegen Selb wäre genug Zeit für das eine oder andere Powerplaytor gewesen, doch auf beiden Seiten war das Unterzahlverhalten überragend. Oder das Powerplay schwach, oder auch beides.

20 Powerplayphasen von insgesamt 34:36 Minuten – kein Tor

Tatsache ist aber: Während Selb in knapp 20 Überzahlminuten (auf zwölf Powerplays verteilt) ein einziges Törchen erzielte (dieses allerdings mitendscheidend in Spiel Vier), erwiesen sich die Starbulls, die im Viertelfinale gegen Peiting noch überraschenderweise jede zweite gegnerische Strafzeit hatten nutzen können, als völlig „powerlos“.

20 Powerplayphasen von insgesamt 34:36 Minuten Dauer verrannen ohne ein einziges Überzahl-Erfolgserlebnis, wo doch bei den engen Spielverläufen ein jedes die Entscheidung hätte bringen können!

In acht aufeinander folgenden Partien ohne Powerplaytor

Fünf Spiele in Folge ohne Powerplaytor hatten die Starbulls in dieser Saison schon einmal erlebt, damals allerdings vier davon (gegen Selb, Memmingen, Weiden und Lindau) gewonnen und nur in Höchstadt verloren. Die längste Phase ohne Überzahltreffer seit dem Abstieg 2017 ereignete sich übrigens im Januar 2019.

Damals blieben die Starbulls, trainiert von Manuel Kofler, in acht aufeinander folgenden Partien in 30 Powerplays sage und schreibe 76:56 Minuten lang ohne einen Überzahltreffer!

Nach Baindl-Tor 70 Minuten ohne Treffer

Und weil sich die Selber auch im Spiel Fünf gegen Fünf als gleichwertig erwiesen, setzte bei den Starbulls ausgerechnet in der entscheidenden Phase eine ungewohnte Torflaute ein. Schon in den ersten vier Halbfinalspielen waren sie siebenmal länger als 24 Minuten ohne Torerfolg geblieben, nach Michael Baindls 4:1 im letzten Heimspiel (Plus-Artikel OVB-Online) ging dann aber fast 70 Minuten lang gar nichts mehr, die zweitlängste torlose Phase der gesamten Saison 2020/21.

Und so stand nach 81 Begegnungen, in denen die Starbulls stets getroffen hatten, erstmals seit dem 0:4 in Memmingen am 27. Oktober 2019 wieder einmal die Null auf Rosenheimer Seite – wie gesagt, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

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