Vorrunden-Rückblick: Rosenheimer Eishockeyspieler holen gegen Freiburg das Maximum - Viele Treffer bei Bietigheim-Spielen

Verteidiger waren offensivstark wie selten zuvor

Rosenheim - Der erste Teil des Unternehmens "Zweite Bundesliga", die Vorrunde, ist für die Starbulls Rosenheim nunmehr beendet.

Und wenn man nicht die Eindrücke der Februarwochen, sondern die gesamten 48 Begegnungen zur Bewertung heranzieht, kann man durchaus zufrieden sein, denn: Das Team von Franz Steer ist - und das als Aufsteiger - in jeder Hinsicht "mittendrin". Nicht nur in der Tabelle (als Siebter mit sechs Teams davor und sechs dahinter), sondern auch in Offensive und Defensive, wo man mit fast ausgeglichenem Torverhältnis (139:142, pro Spiel 2,90:2,96) ebenfalls jeweils den siebten Rang belegt. Lediglich bei den "Special Teams" liegt man etwas unter dem Ligaschnitt, als Achter im Powerplay (17,8 Prozent Erfolg) und als Neunter beim Penalty-Killing (mit 79,26 Prozent Effektivität), was vor allem bei Letzterem schade ist, gehörte man doch vor dem Einbruch im Februar lange zu den absoluten Top-Teams in Unterzahl.

Gegen fünf der zwölf Gegner (Heilbronn, Landshut, Kaufbeuren, Schwenningen und überraschend den Tabellenletzten Weißwasser) ist die Saisonbilanz negativ, gegen zwei (Hannover und Crimmitschau) mit je zwei Siegen ausgeglichen, und gegen fünf Teams holte man mehr Punkte als man abgab. Das sind zwei Spitzenmannschaften (Bremerhaven und Vorrundenmeister Ravensburg), außerdem Dresden, Pre-Play-off-Gegner Bietigheim und Freiburg. Gegen die Wölfe aus dem Breisgau gab man nicht einen einzigen Punkt ab; umgekehrt gelang es keiner Mannschaft, das Maximum gegen Rosenheim zu holen. Auch gegen Kaufbeuren, das die Starbulls mit neun Punkten am klarsten dominierte, schaffte man wenigstens einen Sieg. Kleines Detail am Rande: Am torärmsten verliefen die vier Matches gegen Landshut (nur ein einziges in regulärer Spielzeit entschieden), in denen nur insgesamt 15 Tore fielen. Wesentlich offensiver zeigte sich Bietigheim und die Starbulls gegeneinander mit 28 Treffern in den vier Spielen.

Was allerdings fürs Pre-Play-off ein bisschen unwohl stimmt: Wenn man die abgelaufene Runde in vier Viertel aufteilt, stellt man fest, dass die Starbulls gewissermaßen von "Reserven" zehrten und sich zuletzt nur noch gerade so über die Ziellinie schleppten. In keinem der ersten drei Viertel hatten sie eine negative Punktebilanz, mit dem Höhepunkt im dritten Viertel (Mitte Dezember bis Ende Januar), wo sie bei nur drei Niederlagen sage und schreibe 69,4 Prozent der möglichen Punkte im Plus verbuchten, während es im letzten Viertel (seit Anfang Februar) nur mehr 36,1 Prozent waren. Bei Play-off-Gegner Bietigheim läuft der Trend andersherum: Den größten Teil der Saison am oder in unmittelbarer Nähe des Tabellenendes, konnten sie im letzten Viertel (seit dem Tiefpunkt des 3:7 auf eigenem Eis gegen Rosenheim) acht von zwölf Spielen gewinnen, holten 66,7 Prozent der möglichen Punkte und verbannten dadurch Crimmitschau in die Abstiegsrunde.

Noch gravierender auf Rosenheimer Seite: Während die Gegentore in allen Vierteln auf relativ konstantem Niveau lagen (31, 39, 35, 37), ging die Offensive mächtig in den Keller: Nach 32 und 37 Toren in den ersten beiden Vierteln und dem Spitzenwert von 51 im dritten Quartal produzierten die Starbulls in den letzten zwölf Spielen nur mehr 19 Treffer! Von 4,25 pro Spiel auf 1,58 (!) - da müsste heute Abend dringend der ein oder andere Schalter umgelegt werden! Und dieses Nachlassen der Offensive geht quer durch die Mannschaft: Neben Spielern wie Alan Reader, Thomas Schenkel, Marcus Marsall und Robin Hanselko, die seit Monaten die Seuche am Schläger haben, hat kein einziger Spieler, auch nicht Topscorer Stephen Werner oder der einst konstanteste Torschütze, Tommi Hannus, in diesen letzten zwölf Spielen insgesamt eine zweistellige Punktzahl erreicht. Werner mit neun Punkten und Floppo Zeller mit sieben Punkten sind hier noch die Besten.

Apropos Scorer: Rosenheimer Topscorer der Vorrunde wurde wie erwähnt mit 59 Punkten Stephen Werner vor Stephan Gottwald mit 47 und Mitch Stephens mit 38. Werner hatte bei den Assists (39) ebenso die Nase vorne (vor Gottwald/27 und Dominic Auger/25) wie Gottwald bei den Toren (20) vor Werner (19) und Stephens (18). Auffallend, dass die Starbulls heuer an der blauen Linie sehr präsent wirken (war zu Oberliga-Zeiten außer in der Bergmann/Fairbarn-Saison eigentlich nie der Fall. Mit Auger (34 Punkte) und Tim Kunes (27) hat man zwei Verteidiger in den Top-Ten der Liga und mit Andi Paderhuber (24) einen weiteren in den Top-20 - das gab es noch nie! Böse Buben der Starbulls, die zu den fairsten Mannschaften der Liga zählten, waren Beppo Frank (101 Minuten), Gottwald (57) und Niko Senger (55). Wobei Senger (nicht wegen der Strafzeiten) zweifellos heuer der Spitzenplatz in der Rubrik "Stark verbessert im Vergleich zum Vorjahr" gebührt.

Norm Maracle, zu Saisonbeginn geradezu überirdisch haltend, später auch mit einigen "sterblichen" Phasen, liegt mit 2,51 pro Spiel beim Gegentorschnitt auf Rang vier hinter Marko Suvelo (Bremerhaven), Pasi Häkkinen (Dresden) und dem Schwenninger Steve Silverthorn, der die Spitzenposition einnimmt. Wieso für Wild-Wings-Coach Axel Kammerer plötzlich Sinisa Martinovic die Nummer eins ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben, erwies sich Martinovic am Sonntag doch als der zweifellos schwächste Goalie, der heuer im Kathrein-Stadion aufgetaucht ist (außer vielleicht dem Bremerhavener Dustin Haloschan, der beim ersten Pinguine-Gastspiel nach fünf Gegentoren bei Halbzeit genug hatte). Aber das ist wohl Kammerers Problem, Franz Steer hat sicher andere, aber man kann ihm zutrauen, sie heute Abend in den Griff zu bekommen. Schließlich sind die Starbulls in dieser Saison dienstags noch ungeschlagen...

em/Oberbayerisches Volksblatt

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