Nach drei Niederlagen am Stück

Trainer Schmidt in Leverkusen entlassen

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Muss sofort gehen: Roger Schmidt ist bei Bayer Leverkusen entlassen worden.

Leverkusen - Roger Schmidt ist nicht mehr Trainer von Bayer Leverkusen. Nach der herben Klatsche bei Borussia Dortmund hat der Champions-League-Teilnehmer die Reißleine gezogen.

Bayer Leverkusen beendet das "Schmidteinander": Einen Tag nach dem 2:6-Debakel bei Borussia Dortmund zog der Werksklub einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Roger Schmidt, der seit 2014 unterm Bayer-Kreuz in der Verantwortung stand. Die Nachfolge soll zeitnah geregelt werden, hieß es von Bayer.

Um 14.48 Uhr verließ Schmidt das Klub-Gelände - drei Pflichtspielniederlagen in Folge mit zwölf Gegentoren sorgten für die Freistellung des selbsternannten Konzepttrainers, der wiederholt in der Kritik gestanden hatte.

Schade: „Ausführliche Analyse und Beratung“

"Angesichts der aktuellen sportlichen Entwicklung sind wir nach sehr ausführlicher Analyse und Beratung zu der Auffassung gelangt, dass eine Trennung zwar schmerzhaft, aber für die weitere Entwicklung und Zielerreichung von Bayer 04 unumgänglich ist", sagte Geschäftsführer Michael Schade.

Sportchef Rudi Völler betonte, wie schwer ihm die Freistellung gefallen sei: "Ich halte Roger Schmidt für einen absoluten Top-Trainer und habe mich deshalb immer und überall aus voller Überzeugung für ihn eingesetzt." Aber Bayer musste "jetzt handeln, wenn wir unsere Ziele nicht vollends aus den Augen verlieren wollen", äußerte der Weltmeister von 1990. Entscheidend sei jetzt, Konstanz in die Leistungen der Mannschaft zu bringen. Völler: "Unser Team hat große Qualitäten, die es allerdings viel zu selten in dieser Saison gezeigt hat. Die Spieler stehen nach der Trennung von Roger Schmidt mehr denn je in der Pflicht und in der Verantwortung, diese Qualitäten wieder freizusetzen."

Schmidt schon häufiger angezählt

Bayer verbuchte die schwächste Bundesliga-Bilanz seit 14 Jahren und kassierte schon mehr Niederlagen (11) als in der kompletten vergangenen Saison. Zuvor war es Schmidt noch häufiger gelungen, in letzter Sekunde mit einem Sieg den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Die Geduld der Bayer-Verantwortlichen war jetzt aber endgültig aufgebraucht.

In Absprache mit dem Gesellschafter-Ausschuss unter dem Vorsitz von Ex-Bayer-Konzern-Chef Werner Wenning wurde die Trennung von Schmidt beschlossen. Die Suche nach einem Nachfolger wird allerdings nicht einfach, denn der Markt gibt im Augenblick kaum Adäquates her.

Trainer mit Vorahnung

Schon am vergangenen Freitag vor dem Gastspiel in Dortmund hatte Schmidt über seinen möglichen Abschied gesprochen. "Ich bin Realist. Wenn Rudi Völler irgendwann der Meinung ist, dass ich nicht mehr der richtige Trainer für Bayer bin, wird er mir das auch sagen", betonte er.

Am Sonntag um 10.15 Uhr betrat Schmidt letztmals den Trainingsplatz, er hatte sogar Zeit für Selfies mit den Fans. Derweil tagte parallel die sportliche Führung um Völler, Schade und Manager Jonas Boldt.

„Desaströse Niederlage“ oder „guter Schritt“

"Es war eine desaströse Niederlage. In der Wundertüte war heute eine Niete", hatte Schade der Bild am Sonntag in Dortmund gesagt und keinen Zweifel gelassen, dass ihn der Auftritt der Werkskicker tief beunruhigt hatte. Der bisherige Übungsleiter Schmidt hatte dagegen überraschend eine ganz andere Wahrnehmung: "Das war ein guter Schritt in die richtige Richtung."

Der Kontrakt von Cheftrainer hat noch eine Laufzeit bis 2019. Völler und Schade hatten immer wieder betont, von Schmidts Fähigkeiten überzeugt zu sein und dem Fußballlehrer zuvor in kritischen Phasen immer das Vertrauen ausgesprochen. Bis zum Sonntag.

In der laufenden Saison ist Bayer in der Liga deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hat aber noch eine Chance auf einen Europa-League-Platz. In der Champions League hatte der Klub hingegen das Achtelfinale erreicht, verlor allerdings zu Hause das Hinspiel gegen Atlético Madrid (2:4) und steht vor dem Aus. Im Pokal war Leverkusen an Drittligist Sportfreunde Lotte gescheitert.

Die Trainer-Wechsel der Saison 2016/2017

Name

Verein

Datum der Entlassung

Nachfolger

Viktor Skripnik

Werder Bremen

18. September 2016

Alexander Nouri

Bruno Labbadia

Hamburger SV

25. September 2016

Markus Gisdol

Dieter Hecking

VfL Wolfsburg

17. Oktober 2016

Valerien Ismael

Markus Kauczinski

FC Ingolstadt

6. November 2016

Maik Walpurgis

Norbert Meier

SV Darmstadt 98

5. Dezember 2016

Torsten Frings

Dirk Schuster

FC Augsburg

14. Dezember 2016

Manuel Baum

André Schubert

Borussia Mönchengladbach

21. Dezember 2016

Dieter Hecking

Valerien Ismael

VfL Wolfsburg

26. Februar 2017

Andries Jonker

Roger Schmidt

Bayer Leverkusen

5. März 2017

noch offen

sid

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