Bochum entlässt Koller

+
Marcel Koller musste seinen Hut nehmen.

Bochum - Der VfL Bochum hat einen Tag nach der von massiven Fanprotesten begleiteten 2:3-Heimpleite gegen den FSV Mainz 05 die Reißleine gezogen und Trainer Marcel Koller entlassen.

Damit reagierten Vorstand und Aufsichtsrat des Revierclubs am Sonntag auf den erneut schwachen Saisonstart mit nur vier Punkten aus sechs Spielen. “Wir sind Marcel Koller zu großem Dank verpflichtet. Unter ihm sind wir im vierten Jahr erstklassig, das ist uns seit dem ersten Abstieg 1993 nicht mehr gelungen. Wir wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Weg“, teilte Sportvorstand Thomas Ernst nach mehrstündigen Beratungen der VfL-Gremien am Sonntagabend mit.

Koller ist nach Jörn Andersen (Mainz) und Dieter Hecking (Hannover) schon der dritte Trainer, der in der laufenden Saison seinen Hut nehmen musste. Beim Pokal-Knüller gegen den FC Schalke 04 an diesem Dienstag (20.30 Uhr) sollen der bisherige Co-Trainer Frank Heinemann sowie Ex-Nationalspieler und A-Jugendtrainer Dariusz Wosz die Bochumer Mannschaft als Interimstrainer betreuen. Beide gelten als große Sympathieträger.

Der 6. Bundesliga-Spieltag in Bildern

FC Schalke 04 - VfL Wolfsburg (1:2): Wolfsburg-Trainer Armin Veh traf auf seinen Vorgänger Felix Magath. © Getty
Die Punkte gingen nach Wolfsburg. © Getty
Das ist vor allem ihm zu veranken: Edin Dzeko traf doppelt. © Getty
Felix Magath versuchte es noch mit zwei offensiven Einwechselspielern, doch auch Kevin Kuranyi und Halil Altintop trafen nicht. Lediglich Höwedes war für Schalke erfolgreich. © Getty
2:1, Meister Wolfsburg kommt langsam wieder in Fahrt. © Getty
Borussia Mönchengladbach - 1899 Hoffenheim (2:4): Sechs Treffer in einem Spiel - so etwas bedeutet für die Zuschauer ein Spektakel, für Trainer wie Michael Frontzeck ein Ärgernis. © Getty
Erst schienen die Gladbacher auf Siegeskurs: Hier bejubeln sie ihr 2:0! © dpa
Doch dann kam Hoffenheim: Erst mit dem 2:1 durch Salihovic © Getty
Ibisevic holt den Ball aus dem Netz. Schließlich wollten die Hoffenheimer mehr. Und bekamen mehr! Maicosuel (86.), Obasi (89.) und Demba Ba (90.+1) trafen zum 4:2 für Hoffenheim. © dpa
Am Ende jubelten die Kraichgauer über einen Auswärtssieg. © Getty
VfL Bochum - FSV Mainz 05 (2:3): Ein Hauch von Ballett im Pott: Aristide Bance (hinten) und der Bochumer Andreas Johansson (r) © dpa
Mimoun Azaouagh (7.) und Diego Klimowicz (45.+1) schossen Bochum zweimal in Front. Für die Gäste erzielten der Österreicher Andreas Ivanschitz und der 18-jährige André Schürrle (52.) aber jeweils den zwischenzeitlichen Ausgleich, ehe Youngster Schürrle (auf dem Bild oben) die Partie sogar komplett drehte. © dpa
3:2! Auswärtssieg für die Mainzer mit Bundesliga-Trainer-Novize Tuchel. © Getty
Für Marcel Koller hingegen ... © Getty
... war es das letzte Spiel als Bochum-Coach. Er wurde am Sonntagabend entlassen. © dpa
Bayern München - 1. FC Nürnberg (2:1): Bewegende Momente vor Anpfiff. Mit einer Schweigeminute und einer Rede von Bayern-Manager Uli Hoeneß gedachten die Teams Dominik Brunner. Der Geschäftsmann hatte in München-Solln an einer S-Bahn-Station Zivilcourage bewiesen und wurde von zwei Jugendlichen ermordet. In solchen Momenten wirkt der Fußball unheimlich unwichtig. © Getty
Tore fielen erst in Halbzeit zwei: Erst trug sich Ivica Olic in die Torschützenliste ein. © Getty
Vorbereiter: Thomas Müller (Mitte) © Getty
Später schockte der Nürnberger Choupo-Moting die Bayern mit dem Ausgleich! © AP
Dann kam Daniel van Buyten! Der „stürmende Verteidiger“ köpfte das 2:1 und rettete den Bayern die Party zum Oktoberfest-Auftakt. © dpa
Hannover 96 - Borussia Dortmund (1:1): Punkteteilung in Niedersachsen. BVB-Trainer Jürgen Klopp musste zusehen, wie seine Spieler die Führung aus der Hand gaben. © Getty
Nuri Sahin traf in der 45. Minute für die Dortmunder. © Getty
Und kann sich vor Gratulanten nicht mehr retten. © Getty
Didier Konan Ya glich kurz nach Wiederanpfiff aus. © dpa
Für seinen überschwänglichen Jubel mit den Fans sah er allerdings die gelbe Karte. © Getty
VfB Stuttgart - 1. FC Köln (0:2): Die Kölner (Foto: Fabrice Ehret) haben sich zwar in Stuttgart ein paar Schrammen geholt, aber auch endlich den ersten Saisonsieg. © dpa
Herzliche Begrüßung vor Anpfiff: Die Trainer Zvonimir Soldo und Markus Babbel kennen sich aus gemeinsamen VfB-Zeiten. © AP
Sebastian Freis erzielte für die Kölner per Kopf den ersten Treffer. © AP
Den zweiten legte Sanou nach einem missglückten Lehmann-Ausflug Richtung Mittellinie nach - und feierte das Tor mit einem künstlerisch wertvollen Salto © dpa
So sieht Freude aus. Und Erleichterung! Die Kölner bejubeln ihren ersten Saisonsieg. © Getty
Eintracht Frankfurt - Hamburger SV (1:1): HSV-Trainer Bruno Labbadia bleibt mit seinem Team weiter unbesiegt. Gleiches gilt für die Frankfurter. Die beiden Teams trennten sich 1:1. © Getty
Das HSV-Tor besorgte Zé Roberto in der 8. Minute. Der Brasilianer erlebt in Hamburg seinen dritten Frühling. © Getty
Marco Russ (32.) erzielte jedoch den Ausgleich für die selten gefährlichen Hessen © Getty
Die Hessen jubeln über den Ausgleich. © Getty
Ioannis Amanatidis zeigt Kinn - doch am Ende durften sich die Frankfurter immerhin über einen Punkt freuen. © Getty
Hertha BSC - SC Freiburg (0:4): Für die Badener gab es jede Menge Grund zu tanzen. © Getty
Sie schossen die Berliner mit vier Toren aus dem Olympiastadion. © Getty
Doppelt erfolgreich: Ivica Banovic (unten) © Getty
Hertha bleibt Tabellenletzter. Immerhin: Die Spieler wagten sich nach Abpfiff zu ihren Fans in die Kurve. © Getty
Das Geschicht von Patrick Ebert spricht Bände: Auf die Berliner kommen schwere Wochen zu. © Getty
Bayer Leverkusen - Werder Bremen (0:0): Das Unentschieden gegen Werder Bremen war zu wenig: Bayer Leverkusen mit Trainer Jupp Heynckes (Foto) hat im Fernduell mit dem Hamburger SV die große Chance auf die Spitzenposition in der Fußball-Bundesliga vertan. © Getty
Der langzeitverletzte Bayer-Stürmer Patrick Helmes (Kreuzbandriss) ließ sich im Stadion blicken. © Getty
Markus Rosenberg ersetzt Marko Marin: Doch auch die Einwechslungen auf beiden Seiten brachten am Ende keine Torschützen. © Getty
Die Partie fand keinen Sieger, aber Naldo und Claudio Pizarro dürften mit dem Auswärtspunkt zufrieden sein. © Getty
Mannschaftsübergreifende Scherze nach Schlusspfiff. Ging es um Stefan Kießling (2.v.r.)? Der Leverkusen-Stürmer blieb im sechsten Spiel erstmals ohne Tor. © Getty

Nicht nur das schwache sportliche Abschneiden, auch das völlig vergiftete Verhältnis zu den VfL-Anhängern und damit einhergehende fehlende Einnahmen durch rasanten Zuschauerschwund kosteten den 48 Jahre alten Koller am Ende den Job. Der Trainer, der seit 1. Juli 2005 insgesamt 1542 Tage für den VfL tätig war, saß schon lange auf einem Pulverfass. “Das ist keine einfache Situation für den Verein. Es baut sich eine Wand auf. Wir laufen Gefahr, die emotionale Bindung unserer Fans zu verlieren“, fürchtete VfL-Sportvorstand Thomas Ernst bereits am Samstagabend. Eine “Trainer-Diskussion“ wollte er in der aufgeheizten Atmosphäre aber da nicht führen. Die folgte in vielen internen Gesprächen tags darauf.

Der Club-Führung, die bereits zahlreiche Krisen mit dem Fußball- Lehrer durchgestanden hatte, gingen endgültig die Argumente aus, um ein abermaliges Festhalten an Koller zu rechtfertigen. Bisher hatten den Trainer zwischenzeitliche sportliche Erfolge stets vor einer drohenden Entlassung bewahrt. So gelang es dem Schweizer, der noch einen Vertrag bis 2010 besaß, den VfL nach dem Aufstieg 2006 dreimal nacheinander vor dem Abstieg zu bewahren.

Vor dem Pokal-Spiel gegen Schalke 04 sah sich die VfL-Führung um Koller-Befürworter und Aufsichtsratschef Werner Altegoer wohl zum Handeln gezwungen. Vielleicht auch, weil die Situation außer Kontrolle zu geraten drohte.

Schon direkt nach der Heimpleite gegen den Aufsteiger waren die Fan-Proteste eskaliert. “Koller raus“ und “Wir haben die Schnauze voll“ brüllten mehrere Hundert erboste Anhänger. Die Polizei hatte Mühe, Schlimmeres zu verhindern. “Ich kenne die Situation, weil ich sie hier schon oft erlebt habe. Aber ich habe es immer wieder geschafft, den VfL in der ersten Liga zu halten“, hatte Koller sich nach der Partie noch relativ unbeeindruckt gezeigt und einen freiwilligen Rückzug ausgeschlossen.

Doch ihm schwante wohl schon, dass es diesmal wirklich eng für ihn werden könnte. “Wir werden wie immer Gespräche führen. Die Verantwortlichen werden sich das Ganze anschauen. Ich weiß nicht, wie sie entscheiden werden. Aber sie werden entscheiden: Kann es so weitergehen oder nicht“, so Koller. In der vergangenen Winterpause hatte Bochums Führungsriege dem als krisenfest geltenden Schweizer trotz ähnlich massiver Fanproteste am letzten Hinrundenspieltag noch das Vertrauen ausgesprochen. Mit einer starken Rückrunde hatten Koller und sein Team das Vertrauen mit dem abermaligen Klassenverbleib gerechtfertigt. Doch der Glaube an ein weiteres Husarenstück Kollers, dessen Verhältnis zu den Spielern bis zuletzt anscheinend ungetrübt war, ist nach dem neuerlichen Fehlstart zu großen Zweifeln gewichen.

dpa

Kommentare