Bundesliga, 10. Spieltag: Die Zusammenfassung

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Marko Marin bejubelt seinen ersten Bundesliga-Treffer für Werder Bremen beim 4:1-Sieg in Bochum.

München - Der Hamburger SV hat den Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verpasst und Bayer Leverkusen weiterhin die Pole Position überlassen.

Die Hanseaten mussten sich am Sonntag im Top-Spiel beim FC Schalke 04 mit einem 3:3 (2:0) begnügen und rangieren punktgleich mit den Leverkusenern, die 1:1 gegen Borussia Dortmund spielten, auf Platz zwei. Marcus Berg (2) und Piotr Trochowski hatten den HSV in Führung gebracht, Kevin Kuranyi (2) und Lukas Schmitz schafften den Ausgleich für die Schalker. Auf Rang drei hat sich Werder Bremen vorgearbeitet. Der deutsche Pokalsieger gewann beim VfL Bochum mit 4:1 (2:1). Aaron Hunt, Marko Marin, Tim Borowski und Mesut Özil trafen für Werder, Stanislav Sestak hatte den Führungstreffer für die Revier-Elf erzielt (1.).

Bundesliga: Die besten Sprüche des 10. Spieltags

“Es war sehr zäh in den ersten 20 Minuten. Das Traumtor von Christian war dann der Dosenöffner für uns. Es war wunderschön für ihn und wichtig für die Mannschaft.“ (Trainer Ralf Rangnick von 1899 Hoffenheim nach dem 3:0 gegen Nürnberg über das wichtige 1:0 durch Christian Eichner) © Getty
“Ein perfekter Schuss, da muss schon Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen. In solch einer Situation heißt es: Kopf ausschalten und drauf auf die Hütte. Wenn solch ein Ball einschlägt, herrscht auch ein Stück Ungläubigkeit. In diesem Moment empfindet man die totale Befreiung.“ (Eichner über seinen verfrühten “Sonntagsschuss“ in der 34. Minute) © Getty
“Was mich am meisten ärgert, ist die Kultur des Zeitschindens in der deutschen Bundesliga.“ (Torwart Jens Lehmann vom VfB Stuttgart, nachdem ein Balljunge ihm in Hannover das Spielgerät nicht sofort zugeworfen hatte) © Getty
“Ich muss jetzt nach Hause, meine Kinder erziehen, damit die sich korrekt verhalten.“ (Lehmann ironisch zum selben Thema) © Getty
“Die Medien sind nicht wichtig, wichtig sind meine Spieler.“ (Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem 2:1 gegen Frankfurt) © Getty
“Der FC Bayern, der seine Spiele so lala gewinnt, das ist nicht der FC Bayern. Mia san mia - da müssen wir wieder hinkommen.“ (Bayern-Manager Uli Hoeneß zur fehlenden Dominanz im Münchner Spiel) © Getty
“Zwischen der 60. und 88. Minute hatte ich schon leichte Bauchschmerzen bekommen.“ (Hoeneß zu seinem Gemütszustand beim 2:1 des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt zwischen dem 0:1-Rückstand und dem Siegtor) © Getty
“Wenn da nicht nachgefahndet wird, gibt es eine interne Strafe.“ (Leverkusens Manuel Friedrich über geeignete Maßnahmen nach der Spaß- Ohrfeige seines früheren Mainzer Trainers Jürgen Klopp und dem 1:1 zwischen Bayer und Borussia Dortmund) © Getty
“Ich denke, dass es eine Frage der Zeit ist und dann werden wir den Bock umstoßen - nicht den Geißbock.“ (Mönchengladbachs Trainer Michael Frontzeck nach dem 0:0 gegen Köln) © Getty
“Wenn man nicht gewinnen kann, muss man wenigstens einen Punkt holen.“ (Köln Torhüter Faryd Mondragon) © Getty
“Es gibt ja nichts Schöneres, als den Spitzenreiter zu ärgern.“ (Dortmunds Sven Bender über seine Gefühle nach dem 1:1 des BVB als Gast von Bayer Leverkusen) © Getty
“Im Moment, wo ich rede, merke ich: Geil, wir haben einen Punkt geholt.“ (BVB-Coach Jürgen Klopp, der sich zunächst nicht sicher war, ob er einen Zähler gewonnen oder zwei verloren hatte) © Getty
“Die Jungs sind fit und gesund und haben nichts anderes zu tun als zu laufen, bis abgepfiffen wird.“ (Klopp über die Beschäftigung der Profis 90 Minuten in der BayArena) © Getty

Zuvor verpasste der VfL Wolfsburg durch ein 0:0 beim Schlusslicht Hertha BSC den Sprung nach vorn und fiel auf Rang sieben zurück. Für die Berliner war es nach acht Niederlagen in Serie immerhin wieder der erste Punktgewinn. “Wir sind in einer sehr schwierigen Situation, aber jetzt sind wir auf dem richtigen Weg“, sagte Hertha-Coach Friedhelm Funkel.

Der freie Fall des VfB Stuttgart hingegen wird immer rasanter. Doch trotz des dramatischen Kurses ist die Ablösung von Teamchef Markus Babbel “kein Thema“, wie Manager Horst Heldt branchenübliche Klischees bedient. Gewiss ist: Die VfB-Profis waren bei ihren arbeitsplatzerhaltenden Maßnahmen in Hannover erfolglos, andernorts betrieben die Kollegen gleiches Tun mit besserem Effekt. Louis van Gaals Münchner Bayern gewannen dank Daniel van Buyten “last minute“ gegen Frankfurt, Michael Frontzecks Gladbacher Borussen beendeten gegen Köln zumindest ihre Pleiten-Serie.

Manager Uli Hoeneß hatte lange Bauchweh, van Gaal musste zittern, ehe er mit einem Geniestreich das 2:1 gegen die Hessen ermöglichte. Der groß gewachsene van Buyten wurde in die Spitze beordert und war in der 88. Minute per Kopf zum 2:1 erfolgreich. “Wir haben das Glück erzwungen“, sagte van Gaal, der mit seinem Bundesliga-Ensemble in einer Woche bei Champions-League-Starter Stuttgart gastiert. Dort herrscht nicht nur auf dem Feld Verwirrung: Babbel sah trotz des 0:1 in Hannover einen “Trend nach oben“, Heldt tat sich nach der vierten Niederlage hintereinander schwer mit dieser Sicht: “Es ist ganz klar, dass wir Ergebnisse brauchen.“

Der VfB befindet sich inmitten des Blocks der Clubs, die nach zehn Spieltagen wie Boxer in den Seilen hängen. Der 1. FC Köln, Mönchengladbach trotz des 0:0 in einem harmlosen Rhein-Derby, der 1. FC Nürnberg (0:3 in Hoffenheim) - sie blicken bang nach unten. Ein ähnlicher Verbund ergibt sich in der oberen Etage, in der Bayer Leverkusen trotz des 1:1 gegen Borussia Dortmund eine Top-Position behielt und die Bayern den Anschluss herstellten. “Die Welt sieht schon ein bisschen besser aus. Wir wollen bis zur Winterpause alle Punkte holen“, gab Bastian Schweinsteiger die Devise aus.

Der 10. Spieltag der Bundesliga in Bildern

 
Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund: Der Tabellenführer aus Leverkusen trat in der ausverkauften BayArena gegen den BVB an. Es war auch das Treffen der Zwillinge Sven (BVB) und Lars Bender (Bayer 04). © dpa
 
Die Gäste gingen durch Lucas Barrios (Mitte) früh in Führung. Die "Werkself" musste damit den ersten Gegentreffer nach 377 Minuten hinnehmen. © dpa
 
Bayer zeigte sich davon sichtlich beeindruckt. Für eine geraume Zeit ging die Ordnung im Leverkusener Spiel verloren. © dpa
 
In der 65. Minute traf dann aber Friedrich nach einer Ecke von Tranquillo Barnetta per Kopf zum 1:1. © dpa
 
Die Freude und Erleichterung war groß. Doch zu mehr reichte es nicht mehr. Es blieb beim Unentschieden. © dpa
 
FC Bayern - Eintracht Frankfurt: Nach der 1:2-Niederlage unter der Woche bei Girondins Bordeaux stand der Rekordmeister mit Trainer Louis van Gaal gegen die Frankfurter Eintracht stark unter Druck. © dpa
 
Erst nach gut 20 Minuten wurde das Spiel der überlegenen Bayern zwingender. Gegen die äußerst defensiv eingestellte Eintracht ergaben sich einige gute Möglichkeiten. Mit der Verwertung haperte es aber wieder einmal. © dpa
 
Mit der ersten richtigen Torchance schockten dann die Frankfurter die Bayern. Alex Maier schoss die Eintracht in Führung. © dpa
 
Doch durch einen Fehler von Torhüter Oka Nikolov erzielte der eingewechselte Arien Robben den Ausgleich... © dpa
 
... ehe Abwehrchef Daniel van Buyten die Bayern kurz vor Schluss zum 2:1-Sieg köpfte. © dpa
 
Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln: Besonderes Augenmerk lag auf dem rheinischen Derby. Aus Sicherheitsgründen wurde in der Stadt und im Stadion kein Alkohol ausgeschenkt. © dpa
 
Im Stadion blieb es friedlich, nur eine Rauchbombe wurde während der Partie gezündet. © dpa
 
Im Borussia-Park waren die Gastgeber in der Anfangsphase zwar bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen, doch die Verunsicherung war den "Fohlen" anzumerken. Trotz optischer Überlegenheit in den ersten 20 Minuten erspielten sich die Gladbacher in dieser Phase keine Torchance. © dpa
 
In einer abwechslungsreichen Partie schaffte es keine der Mannschaften den Ball im gegnerischen Netz unterzubringen. © dpa
 
Auch Nationalspieler Lukas Podolski konnte kein Tor erzielen. © dpa
 
Hannover 96 - VfB Stuttgart: Ebenso wie der FC Bayern verlor auch der VfB Stuttgart unter der Woche sein Spiel in der Champions League. Hier ist VfB-Trainer Markus Babbel (r.) im Gespräch mit Hannover-Coach Andreas Bergmann. © dpa
 
Doch nach 30 Minuten lagen die Schwaben wieder zurück. © dpa
 
Didier Ya Konan brachte 96 mit seinem Tor in Front. Doch das Tor hätte nicht zählen dürfen, der Schütze stand im Abseits. © dpa
 
Stuttgart drückte vor allem in der zweiten Hälfte auf den Audgleich. © dpa
 
Doch der VfB hatte kein Glück. Zweimal rettet sogar das Aluminium für die Hannoveraner. 96 gewann damit erstmals seit 20 Jahren wieder ein Heimspiel gegen Stuttgart. © dpa
 
1899 Hoffenheim - 1. FC Nürnberg: Der Club hatte sich nach dem 3:0 gegen Hertha BSC viel vorgenommen. Die Zuschauer in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena sahen in der Anfangsphase eine ausgeglichene Partie auf mäßigem Niveau mit offensiven Gästen. © dpa
 
Doch in der 34. Minute zog Christian Eichner aus 35 Metern ab... © dpa
 
... und traf in den Torwinkel der Gäste. Er markierte damit seinen ersten Treffer im Trikot der Hoffenheimer. © dpa
 
Die Freude bei den Hoffenheimern war natürlich groß. Sieben Minuten zuvor hatten sie noch Glück gehabt, als Schiedsrichter Michael Weiner (Giesen) nach einem Zweikampf zwischen Josip Simunic und "Club"-Stürmer Albert Bunjaku nicht auf Strafstoß für Nürnberg entschied. © dpa
 
Vedad Ibisevic erhöhte nur vier Minuten später auf 2:0. © dpa
 
Franco Zuculini (64.) traf für die zuhause weiter ungeschlagenen Hoffenheimer zum 3:0-Endstand. © dpa
 
FSV Mainz 05 - SC Freiburg: Das Duell zwischen den Aufsteigern wurde von Freiburgs Trainer Dutt zu einem richtungsweisenden Spiel erklärt. © dpa
 
Doch er hatte das sicher anders geplant. Andreas Ivanschitz brachte Mainz mit einem sehenswerten Heber in Führung (24.). © dpa
 
Die Breisgauer waren insgesamt die bessere Mannschaft, konnte dies jedoch nicht in Tore ummünzen. Auch nach dem Wechsel erspielten sich die Freiburger die besseren Chancen. Nach einem Schuss von Felix Bastians musste Ivanschitz auf der Linie klären (48.). © dpa
 
Quasi im Gegenzug glänzte der 26-jährige Österreicher mit einem Pass auf Hoogland, der mit einem Schuss aus halbrechter Position auf 2:0 erhöhte (50.). © dpa
 
Kapitän Tim Hoogland (50.) besiegelte den vierten Sieg der Mainzer im fünften Heimspiel der Saison. Freiburg kassierte seine dritte Niederlage in Serie und rutschte Richtung Abstiegszone ab. © dpa
Hertha BSC - VfL Wolfsburg: Die Berliner kassierten zuletzt acht Pflichtspiel-Niederlagen in Folge, und dann kam auch noch der Deutsche Meister VfL Wolfsburg in die Hauptstadt ... © dpa
Die Berliner zeigten sich aber im Vergleich zu den vergangenen Partien stark verbessert. © dpa
Die Wolfsburger dagegen wirkten müde und lethargisch. © dpa
Auch Stürmer Obafemi Martins (r.), der für den im Urlaub weilenden Grafite stürmte, konnte sich nicht durchsetzen. © dpa
Am Ende endete das Spiel 0:0, doch Hertha-Trainer Friedhelm Funkel wäre ein Sieg natürlich lieber gewesen. © dpa
VfL Bochum - Werder Bremen: Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Bereits in der 1. Minute erzielte Sestak das 1:0 für die Bochumer. © dpa
Die Bremer wirkten zunächst geschockt, erholten sich aber schnell von dem frühen Rückstand. © dpa
Schon in der 9. Minute traf Hunt auf Vorlage von Claudio Pizarro zum Ausgleich. © dpa
Kurz darauf erzielte Marko Marin sein erstes Bundesliga-Tor für Werder und freute sich entsprechend. © dpa
Am Ende sah Bundestrainer Jogi Löw einen souveränen 4:1-Erfolg für Werder. Der vierte Bundesligasieg in Folge für die Bremer. © dpa
Schalke 04 - Hamburger SV: Großes Thema vor dem Topspiel zwischen Schalke und dem HSV war die angeblich angespannte Finanzlage bei den „Knappen“. Hat Schalke wirklich über 100 Millionen Euro Schulden? © dpa
Sportlich entwickelte sich zwischen beiden Teams eine absolute Spitzenpartie. Zur Pause führten die Gäste durch Tore von Berg und Trochowksi mit 2:0. © dpa
Doch die Schalker gaben nicht auf und kamen durch Kuranyi zum Anschlusstreffer. Dann sah Hamburges Rozenhal wegen einer Notbremse die Rote Karte und der junge Schalker Schmitz köpfte das 2:2. © dpa
Hamburg schlug aber zurück und kam zehn Minuten vor Schluss, wiederum durch Berg, zum 3:2. © dpa
Kevin Kuranyi sicherte mit seinem Kopfballtreffer in der 90. Minute wenigstens noch einen Punkt für die „Königsblauen“. © dpa

Doch zunächst ist Pokal angesagt: Babbel kämpft mit dem VfB in Fürth um den Job, van Gaal wird in Frankfurt zur Revanche gebeten. Für BVB-Präsident Reinhard Rauball wird es “eine ganz entscheidende Woche“: Im Cup wird die Klopp-Mannschaft beim Drittligisten Osnabrück geprüft, in der Bundesliga gastiert Hertha BSC bei den Westfalen, die sich erst dann auf Kurs wähnen, wenn diese Aufgaben gelöst sind.

“Ich bin der Letzte, der die Hoffnung aufgibt“ - Babbel machte sich zum Sprecher von Leidensgenossen wie Nürnbergs Michael Oenning oder Frontzeck, der trotz ausbleibender Siege “sehr ruhig“ ist. “Ich denke, dass es eine Frage der Zeit ist, dann wird der Bock umgestoßen - nicht der Geißbock“, sagte der Gladbach-Coach, dessen Team gute Chancen vergab und ähnlich glücklos agierte wie der VfB in Hannover, wo die Schwaben zweimal am Gestänge scheiterten.

Gegensätzliche Emotionen entwickeln Hoffenheim und Mainz 05, die beide mit den Bayern Schritt halten. In Sinsheim fielen für Hoffenheims Christian Eichner beim Tor zum 1:0 aus mehr als 30 Metern “Ostern und Weihnachten auf einen Tag“. In Mainz läuft es für Trainer Thomas Tuchel “perfekt“. Karneval beginnt erst am 11. 11. - beim FSV feiern sie nach Andreas Ivanschitz' Zehenspitzen-Treffer und Tim Hooglands erstem Doppelpack die tollen Tage schon jetzt.

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