Capello lässt die „Three Lions“ träumen

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Die englischen Kicker bejubeln das 5:1 gegen Kroatien.

London - Das Königreich England feiert die Renaissance seiner Fußball-Helden und träumt nach dem überzeugenden Durchmarsch zur WM-Safari in Südafrika von der Krone.

“Wir sind eine der besten Mannschaften der Welt, wir können es mit jedem aufnehmen. Wenn wir mit dem gleichen Geist wie heute spielen, sind wir echte Titel- Anwärter“, tönte Trainer Fabio Capello im Anschluss an die 5:1-Gala gegen Kroatien, mit der die Kicker aus dem Mutterland des Fußballs vorzeitig das WM-Ticket lösten und endgültig die Schmach der verpassten Europameisterschaft 2008 tilgten.

“Weltklasse - Südafrika, wir kommen!“, jubelte die Boulevardzeitung “Daily Mail“ nach dem brillant herausgespielten Kantersieg der “Three Lions“ gegen Angstgegner Kroatien. Vor 22 Monaten hatte die Mannschaft von Slaven Bilic England mit einem 3:2- Sieg im Wembley-Stadion um die EM-Teilnahme gebracht und die Insel- Kicker in eine tiefe Krise gestürzt. Das Bild vom überforderten Coach Steve McClaren, der sich im strömenden Regen an seinen Regenschirm klammerte, brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein.

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Innerhalb von zwei Jahren hat McClaren-Nachfolger Capello den Weltmeister von 1966 aus dem Tal der Tränen geführt. “Von wegen unmöglicher Job, von wegen Krise. Es war eine dieser seltenen Nächte, wo Hoffnung und Glorie zusammenkommen - ein Zeugnis des spektakulären Wandels unter Fabio Capello, lobte die “Times“.

Mit dem achten Sieg im achten Qualifikationsspiel erfüllte der italienische Meistertrainer frühzeitig und mit weißer Weste den ersten Teil seiner Mission. Das schafften auf dem alten Kontinent sonst nur Europameister Spanien und die Niederlande. Mit bislang 31 Treffern schoss England zudem die meisten Tore. “Die Erwartungen sind immer hoch, aber wir spielen um den Titel, weil wir England sind“, erklärte Capello untypisch aufgekratzt.

Die haushoch überlegenen Gastgeber, bei denen vom früheren “Wembley-Bammel“ nichts mehr zu spüren war, nötigten auch Bilic Respekt ab. “Das war keine Niederlage, sondern eine Demütigung für uns. In unserem schlimmsten Träumen hätten wir das nicht erwartet“, räumte er ein und fügte hinzu: “Wenn man vom Auftritt gegen uns ausgeht, kann England mit Sicherheit nächstes Jahr Weltmeister werden. Mit Sicherheit!“

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In den Jubel-Chor stimmte auch Englands Sportpresse ein. “Die 'Three Lions' gehen auf Safari“, titelte das Boulevardblatt “The Sun“, nachdem England mit jeweils zwei Toren von Frank Lampard (8./Foulelfmeter, 59.) und Steven Gerrard (18., 66.) sowie einem Treffer von Stürmerstar Wayne Rooney (77.) den Kroaten eine “Klatsche“ (“The Guardian“) verabreicht hatte. Eduardo da Silva gelang der kaum verdiente Ehrentreffer (73.). “Wäre es ein Boxkampf, wäre er schon abgebrochen worden“, urteilte der frühere Nationalspieler Teddy Sheringham bereits zur Halbzeitpause.

“Was für einen Unterschied ein guter Trainer ausmacht“, schrieb der “Daily Telegraph“ nach der Glanzvorstellung. “Die Zukunft sieht vielversprechend aus.“ Capello, der am zuletzt schwachen Rechtsaußen Glen Johnson festhielt und vom Neu-Liverpooler mit einer Spitzenleistung belohnt wurde, stellte seine Mannschaft hervorragend ein und fand auch eine Lösung für die lange als inkompatibel geltenden Lampard und Gerrard, die sich neben einem überragenden Aaron Lennon im Mittelfeld Bestnoten verdienten.

dpa

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