Club-Coach Hecking macht Dampf: Opfer bringen

+
Dieter Hecking begann sein erstes Training als Club-Trainer mit einer Ansprache an die Mannschaft.

Nürnberg - Beim 1. FC Nürnberg hat das Unternehmen Klassenerhalt begonnen.

Am Montag, fünf Tage früher als ursprünglich geplant, hat der Krisen-“Club“ mit Dieter Hecking als neuem Trainer die Vorbereitungen auf die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga aufgenommen. “Es geht um den Klassenerhalt. Dafür sind Opfer zu bringen“, sagte der 45-Jährige nach der ersten Trainingseinheit vor rund 1200 Zaungästen auf dem “Club“-Gelände am Valznerweiher. Hecking hatte den FCN-Profis fünf Tage Urlaub gestrichen, die er im Sommer womöglich wieder drauflegen will, “wenn wir in der Liga bleiben“.

Wenn Hecking den Tabellen-Vorletzten der Bundesliga vor dem achten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus rettet, verlängert sich der bis zum Saisonende laufende Vertrag automatisch um ein Jahr. “Wichtig ist, dass wir uns schnell aneinander gewöhnen“, sagte Hecking, der nach dem ersten Trainingsspiel festgestellt hatte, dass seine Mannschaft “willig, aber auch etwas unruhig“ sei.

Die Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde

TOP - FELIX MAGATH: Der multifunktionale Meistermacher vom VfL Wolfsburg pflanzte dem FC Schalke 04 das Sieger-Gen ein: Der 56-Jährige machte aus einer Chaostruppe eine disziplinierte Mannschaft, brachte Ex- Nationalspieler Kevin Kuranyi wieder in Topform und zauberte Talente hervor. Nach zwei “Doubles“ mit dem FC Bayern und dem Coup mit Wolfsburg darf Magath nun vom ersten Titel für die Königsblauen seit 1958 träumen. Darüber sprechen wird er so schnell nicht. © Getty
TOP - MESUT ÖZIL: Der Deutsch-Türke startete mit Werder Bremen durch: 23 Mal ungeschlagen bis zum 0:2 gegen Schalke. Da sprachen manche schon vom magischen Dreieck Özil/Aaron Hunt/Marco Marin. Der 21-Jährige Regisseur glänzte als Vorbereiter auch im Nationalteam. Sein strategisches Denken schult er auch mit einem Brettspiel: “Schach hilft mir auf dem Fußballplatz.“ © Getty
TOP - IVICA OLIC: Mit dem unermüdlichen Kämpfer kam die Wende beim FC Bayern. Als der Ex-Hamburger nach überstandener Verletzung wieder die Ärmel hochkrempeln durfte, konnte Trainer Louis van Gaal aufatmen. Olic erzielte sechs Tore bei den sechs Siegen gegen Haifa, Turin, Hannover, Mönchengladbach, Bochum und Hertha. “Manchmal steht er neben mir und ich denke, er stirbt gleich“, sagt Mario Gomez über seinen Kollegen. “Dann zieht er wieder 40 Meter zum Sprint an.“ © Getty
TOP - THOMAS TUCHEL: Novize und Nobody - doch der mit 36 Jahren jüngste Bundesliga-Coach brachte Aufsteiger FSV Mainz 05 nach vorne. “Strukturen aufbrechen“, sagt er über seinen Erfolgsweg. “Dann können wir andere überholen.“ Seine Gesellenprüfung legte er in Mainz mit dem Gewinn der deutschen A-Jugend-Meisterschaft ab. Der Klassenerhalt wäre sein Meisterstück. Als Besserwisser auftreten - wie es Ralf Rangnick und Jürgen Klopp gerne tun - mag Tuchel nicht. © Getty
TOP - JUPP HEYNCKES: Als Nachfolger von Jürgen Klinsmann beim FC Bayern hatte der 64-Jährige wieder Lust am Bundesliga-Geschäft gewonnen. Raus aus der Rente, rauf auf den Rasen. Und bei Bayer Leverkusen macht er gerade so weiter: ungeschlagener Herbstmeister, wer hätte das gedacht? Im Umgang mit Profis und Medien zeigt Heynckes Altersmilde und regt sich nicht mehr so schnell auf: “Osram“, wie Heynckes früher genannt wurde, glüht vor allem innerlich. © Getty
FLOP - GRAFITE: Als stolzer “Fußballer des Jahres“, Torschützenkönig und deutscher Meister ging der brasilianische Stürmer in die Saison. Doch längst steht er für die Verunsicherung beim VfL Wolfsburg. Auch ein von Trainer Armin Veh verordneter Heimaturlaub half nur ganz kurz. Fünf Tore stehen zu Buche - und unzählige vergebene Chancen. In keinem einzigen Spiel trafen jeweils Grafite und sein Partner Edin Dzeko. © Getty
FLOP - HERTHA BSC: Europas peinlichster Hauptstadt-Club - lästern die Fans. Auch der Wechsel auf der Trainerbank von Lucien Favre zu Friedhelm Funkel brachte nicht viel: Die Berliner, die letzte Saison nur knapp an der Champions League vorbeischlitterten, legten einen Negativrekord nach dem anderen hin: In die Winterpause gehen sie mit einem Sieg, 39 Gegentoren, neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz - und wenig Hoffnung auf Rettung. © Getty
FLOP - LUKAS PODOLSKI: 10 Millionen Euro Ablöse gab sein Heimatclub für den verlorenen Sohn aus - “damit Köln wieder ein Gesicht bekommt“, so Manager Michael Meier. Doch der frühere Bayern-Stürmer ging oft im Gegurke des Abstiegskandidaten unter. Und die Medien zählten die Minuten bis zum “Torlos-Tausender“. Nur gut, dass sich der 24-Jährige im Nationalteam Nestwärme holen kann: Bei Joachim Löw ballert Podolski am besten. © Getty
FLOP - LUCA TONI: Der italienische Weltmeister schraubt nicht mehr am Ohr, sondern stützt die Stirn in die Hand und kratzt sich ratlos am Kopf. Der Torschützenkönig von 2007/2008 (24 Treffer) ist beim FC Bayern zum Bankdrücker verkommen. Auch für die WM in Südafrika wird's eng für den 32-Jährigen. © Getty
FLOP - JENS LEHMANN: Ein Tor, der da im Tor steht? Der Ex-Nationalkeeper stürzte nicht nur mit dem VfB Stuttgart ab, sondern benahm sich mit seinen 40 Jahren zeitweise wie ein Flegel. Beim nächsten Fehltritt droht der Rauswurf. Dafür hat er - nach seiner Rot-Sperre - theoretisch noch 15 Rückrunden-Spiele Zeit. Im Fernsehen freilich tritt Lehmann auf wie Schwiegermutters Liebling: “Es tut mir vor allem für die Mannschaft leid.“ © Getty

Bei seinem Dienstbeginn nahm Hecking erste personelle Korrekturen im Kader vor. Der Nachfolger von Michael Oenning beförderte den 21- jährigen Philipp Wollscheid vom Regionalligateam des FCN in den Profikader. Der Abwehrspieler soll auch am Trainingslager im türkischen Belek vom 2. bis 9. Januar teilnehmen.

Peter Perchtold, Güngör Kaya und Tomasz Welnicki, die bisher zum Bundesliga-Aufgebot der Franken gehörten, sollen ab sofort mit der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg trainieren. Am Montag fehlten noch Javier Pinola und Isaac Boakye, die im Heimaturlaub sind. Auch Dario Vidosic und Matthew Spiranovic kommen verspätet nach Nürnberg. Beide sind derzeit in der australischen Nationalmannschaft beschäftigt.

Sportdirektor Martin Bader wird bis zur Öffnung des Transfermarktes am 1. Januar mögliche personelle Veränderungen sondieren. Der kroatische Nationalspieler Jurica Vranjes (29), der bei Werder Bremen auf der Abschussliste steht, könnte im Mittelfeld Peer Kluge ersetzen, der mit dem FC Schalke 04 in Verbindung gebracht wird. “So lange es keinen Ersatz gibt, werden wir keinen Spieler abgeben“, stellte Bader klar. “Die Tendenz für mich ist klar: Kluge soll bleiben“, betonte Hecking.

Als weitere Neuzugänge werden Per Nilsson von 1899 Hoffenheim und der gebürtige Nürnberger Michael Görlitz gehandelt. Der 22-jährige Mittelfeldakteur steht noch bei Halmstad BK in Schweden unter Vertrag.

dpa

Kommentare