Auftakt am Donnerstag

Naki vor nächstem Prozess in der Türkei - Parallelen zu Fall Yücel

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Deniz Naki (Mitte) muss wieder vor Gericht.

Diyarbakir/Berlin - Deniz Naki steht in der Türkei erneut vor Gericht. Dem ehemaligen deutschen Junioren-Nationalspieler droht in einem politischen Prozess Gefängnis.

Illusionen über sein Leben in der Türkei gibt sich Deniz Naki schon lange nicht mehr hin. "Wenn man für Frieden und gegen Krieg ist, dann muss man in diesem Land leider damit rechnen, dass alles passieren kann", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi des FC St. Pauli in der ARD.

Am Donnerstag, um 9.00 Uhr Ortszeit, muss sich Naki in der südostanatolischen Stadt Diyarbakir erneut vor Gericht verantworten. Im November 2016 war ein erstes Verfahren gegen den ehemaligen deutschen U21-Nationalspieler eingestellt worden, nun droht ihm ein ähnliches Schicksal wie dem inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

Die Anklage damals wie heute: Terrorpropaganda. Der gleiche Vorwurf, der auch Yücel gemacht wird - und der sitzt seit mehr als einem Monat im Gefängnis. Naki droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

"Andere, die diesen Weg gegangen sind, sind gestorben. Da kann ich mit meinen zwei oder fünf Jahren - wenn ich ins Gefängnis muss - noch froh sein, dass ich lebe", sagte der 27-Jährige und gibt sich vor dem schweren Gang vor das Gericht erneut kämpferisch.

Schon im ersten Prozess hatte der Profi des kurdisch geprägten Drittligisten Amedspor mit dem Schlimmsten gerechnet. "Ich hatte die Befürchtung, dass das Verfahren in die Länge gezogen wird und ich vielleicht sogar eingebuchtet werde", sagte Naki damals: "Ich wusste immer, dass ich im Recht bin."

Nun steht der Vorwurf, über Twitter und Facebook für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK geworben zu haben, aber plötzlich wieder im Raum - und damit Nakis Freiheit auf dem Spiel. "Ich befürchte, dass Deniz Naki wie sein Namensvetter Deniz Yücel in Untersuchungshaft kommt, die Anklagepunkte sind nahezu identisch", sagte Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion auf Anfrage des SID: "Auch dieser Fall zeigt, dass Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei nicht mehr gelten, und alle Regierungskritikerinnen und Regimekritiker mit dem schlimmsten rechnen müssen!"

Den Erfolg im ersten Prozess erklärten Beobachter auch mit dem öffentlichem Interesse und dem Druck, der von verschiedenen Seiten ausgeübt wurde. Auch diesmal erfährt Naki wieder große Solidarität. Sein Ex-Klub St. Pauli hievte das Konterfei des ehemaligen Publikumslieblings auf das Titelblatt des Stadionheftes vom Dienstag.

"Venceremos" - wir werden siegen - stand darunter. "Deniz drückt uns die Daumen und wir ihm", sagte St. Pauli-Präsident Oke Göttlich der Bild-Zeitung: "Ich finde es großartig, welche Zivilcourage er beweist."

Als Prozessbeobachter reisen Fabio De Masi, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partie die Linken, und der Völkerrechtler Norman Paech in die Türkei, die unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdogan resolut gegen Regierungskritiker vorgeht.

Naki lässt sich von alledem nicht einschüchtern: "Ich werde mich stellen und das sagen, was ich auch vorher gesagt habe. Und dann muss man sehen, was rauskommt", sagte er: "Wenn ich rein muss, dann gehe ich rein. Wenn nicht, bin ich auf freien Fuß."

SID

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