Poldi rettet das Enke-Spiel

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Trochowski, Kiessling, Podolski und Lahm freuen sich.

Gelsenkirchen - Das Team von Bundestrainer Joachim Löw zeigte im Duell zweier WM-Teilnehmer eine Mut machende Leistung. Doppel- Torschütze Lukas Podolski hat der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem Last-Minute-Treffer zum Jahresabschluss ein Unentschieden gerettet.

Der Kölner erzielte am Mittwochabend in Gelsenkirchen in der dritten Minute der Nachspielzeit das verdiente 2:2 (1:0) gegen die Elfenbeinküste. Ein halbes Eigentor des Schalker Torhüters Manuel Neuer und ein spätes Joker-Tor hätten aber beinahe für eine unglückliche Pleite gesorgt. “Die Moral war gut. Wir wollten uns mit einer Niederlage nicht abfinden. Mein Urteil fällt positiv aus“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Nach einem Rückpass von Vereinskollege Heiko Westermann schoss Neuer Emmanuel Eboué (57. Minute) aus kurzer Distanz an. Der Ball trudelte ins Tor. Der zwei Minuten zuvor eingewechselte Seydou Doumbia (85.) erzielte kurz vor Schluss den zweiten Gästetreffer. Der überzeugende Podolski (11.) hatte bei der Premiere in den WM- Trikots per Foulelfmeter die DFB-Auswahl in Führung gebracht.

Podolski rettet Remis

Kurz vor Abpfiff markierte “Poldi“ seinen 37. Länderspieltreffer, mit dem er in der DFB-Rangliste mit Oliver Bierhoff gleichzog. “Vor dem Spiel waren wir in Gedanken bei Robert. Wir sind froh, dass wir am Ende noch 2:2 gespielt haben“, sagte Podolski. Im vorletzten Test vor Benennung des WM-Kaders für Südafrika hatten die Gastgeber vor 33 015 Zuschauern zahlreiche Torchancen. Auch nach dem unglücklichen Ausgleich und dem bitteren zweiten Gegentor drängten die Gastgeber auf einen Treffer.

Die besten Gelegenheiten vergaben zunächst Podolski (74.) und der bei seiner Einwechslung ausgepfiffene Mario Gomez (81.). Die DFB-Elf, in der der Bremer Aaron Hunt als 32. Löw-Neuling für zwölf Minuten sein Debüt feierte, beendete 2009 mit einer positiven Bilanz von sieben Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage. Am 3. März 2010 beginnt der WM-Countdown mit der Härteprüfung gegen Argentinien in München.

Die Partie gegen die Elfenbeinküste war Test- und Gedenkspiel zugleich. Ein tatsächlicher, sportlicher Maßstab konnte sie aber nicht sein. Vor dem Anpfiff wurde bei einer Schweigeminute an den gestorbenen Robert Enke erinnert. Ein Film auf der Videoleinwand zeigte Bilder des Nationaltorwarts. Dazu wurde der Fußball-Song “You'll never walk alone“ gespielt. “Das war ein mulmiges Gefühl, aber das konnten wir im Spiel ganz gut abschütteln“, sagte Per Mertesacker. Beide Mannschaften spielten mit Trauerflor. Auf der deutschen Ersatzbank war ein Trikot mit dem Namenszug des Torwarts von Hannover 96 platziert. Schon vor der Partie hatten sich die Nationalspieler in einem bewegenden Offenen Brief von ihrem Kollegen verabschiedet, der vor acht Tagen Selbstmord begangen hatte. Nur zaghaft erklangen nach dem Anpfiff Gesänge.

Die Atmosphäre in dem lediglich gut zur Hälfte gefüllten Stadion blieb bis zum Führungstor gedrückt. Danach herrschte auf den spärlich besetzten Rängen immer mehr normale Länderspielstimmung. Nach knapp einer halben Stunde versuchten sich die Fans an einer “La Ola“. Trotz aller Trauer musste Löw das Duell mit dem WM-Teilnehmer zum Testen nutzen.

Ohne den angeschlagenen Kapitän Michael Ballack (Knie), der in Zivil auf der Ersatzbank saß, kehrte der Bundestrainer zum System mit einer Mittelfeldraute zurück, Mesut Özil war zentraler Spielgestalter. Im Angriff durfte sich neben Podolski erstmals Stephan Kießling von Beginn an beweisen und nutzte seine Chance. Schon nach zehn Minuten holte der bewegliche Leverkusener im Laufduell mit dem Hamburger Guy Demel den Elfmeter heraus, den Podolski verwandelte. Kurz darauf hatte Ersatzkapitän Philipp Lahm Glück, dass der Heber des agilen Eboué (13.) nach zu kurzem Kopfballrückpass auf der Latte landete.

Tim Wiese, dem in der ersten Halbzeit die emotional schwere Aufgabe zukam, in seinem ersten Starteinsatz im DFB-Trikot auf der Enke-Position zu spielen, hätte keine Chance gehabt. Gelegenheiten, sein Torwart-Können zu zeigen, hatte der Bremer nicht. Die offensive Ausrichtung von Löw zeigte mit attraktiven Spielzügen Wirkung. Gegen den technisch versierten Gegner konnte sich die DFB-Auswahl auch leichtere Abwehrwackler auf den Außenbahnen leisten und hätte vor der Pause den Vorsprung ausbauen können. Stuttgarts Arthur Boka klärte bei einem Kopfball von Westermann (25.) auf der Linie.

Podolski (22./31.) versuchte es aus der Distanz. Özils (32.) Schuss aus freier Position war zu lasch. Trochowski (44.) traf kurz vor dem Halbzeitpfiff den Pfosten. Im zweiten Abschnitt kam der Schalker Neuer für Wiese zum vereinbarten Heim-Einsatz und hatte reichlich Pech. Nach dem schlampigen Westermann-Rückpass traf er den Bauch des Arsenal-Profis Eboué.

Zuvor hatten die Antreiber Podolski (51.) und Kießling (53.) auf der Gegenseite Akzente gesetzt - doch das mögliche zweite Tor verpasst. Da beide Mannschaften nicht mit letzter körperlicher Konsequenz agierten, setzte sich das ansehnliche Spiel fort. Als alles nach einem gütlichen Remis aussah, schlug Doumbia nach tollem Solo per Fernschuss noch zu. Podolski verhinderte aber doch noch die erste DFB-Niederlage seit neun Partien.

Jens Mende und Klaus Bergmann

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