Aus für „Schwarz und Weiß“

Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer

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Beliebtes Opfer: Oliver Pocher (rechts) wird von Tim Wiese beim Abschiedsspiel von Per Mertesacker zum Spaß gefoult. Nach dem Ende seines Liedes „Schwarz und Weiß“ als DFB-Hymne dürfte er sich ähnlich fühlen.

Nationalmannschaft: Oliver Pochers Stadion-Hymne „Schwarz und Weiß“ ist nach zwölf Jahren nicht mehr das DFB-Lied. Im neuen National-Elf-Song geht es um die Liebe.

München - Der Umbruch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fordert sein bisher beliebtestes Opfer: Der Oli-Pocher-Hit „Schwarz und Weiß“ ist nicht mehr länger die deutsche Fußball-Hymne. Beim 2:2 der DFB-Elf gegen die Niederlande am Montag in Gelsenkirchen tönte zum ersten Mal ein neues Lied aus den Boxen, wenn die Löw-Elf traf: Mark Forsters „Chöre“ scheint von nun die Party-Hymne des DFB zu sein.

„Schwarz und Weiß“ klang seit der WM 2006 immer im Stadion, wenn die deutsche Nationalelf traf. Das Lied begleitete die WM im eigenen Land unter Trainer Jürgen Klinsmann und der Ära Jogi Löw. In diesen zwölf Jahren wuchs der Pocher-Hit vielen Fans ans Herz. Warum es jetzt zu einem Wechsel kam, ist nicht bekannt. DFB-Fan Pocher dürfte über die Änderung ähnlich enttäuscht sein, wie über die letzten Leistungen der Nationalelf. Bei Instagram reagierte er jedoch sportlich und freute sich über die vergangenen zwölf Jahre:

Ruhigere Töne folgen auf unbeschwerten Party-Patriotismus

Trotz aller Trauer: Der Wechsel passt zum DFB-Umbruch. Beschwor Pocher mit Textzeilen wie „Flanke, Kopfball, Tor / So stell'n wir uns unsere Mannschaft vor / Favoriten das sind wir / Und Schwarz, Rot, Gold wir steh'n zu dir / Auf den Rängen schallt es im Chor / Deutschland vor! / Schwarz und Weiß / Wir steh'n auf eurer Seite“ den unbeschwerten Party-Patriotismus der Fan-Generation WM 2006, stimmt Foster in seinem Lied eher ruhigere Töne an. 

Foster singt von einer Liebe, die ihre eigene Großartigkeit nicht mehr erkennt. „Warum willst du nicht kapieren / Komm' mal raus aus deiner Deckung, ich seh' schon wie es blitzt / Lass' es mich kurz sehen, hab fast vergessen, wie das ist / Du mit Lächeln im Gesicht / Wie ich dich sehe, ist für dich unbegreiflich / Komm' ich zeig's dir / Ich lass' Konfetti für dich regnen / Ich schütt' dich damit zu / Ruf deinen Namen aus allen Boxen / Der beste Mensch bist du / Ich roll' den roten Teppich aus / Durch die Stadt, bis vor dein Haus / Du bist das Ding für mich / Und die Chöre singen für dich / Oh oh oh oh.

Pocher-Song passt womöglich nicht mehr in diese Zeit

Nach dem Hymnen-Wechsel kann spekuliert werden, welche Botschaft die DFB-Verantwortlichen senden wollen. Gemessen an den politischen Entwicklungen der letzten Jahre und dem Erstarken nationalistischer Bewegungen in Europa scheint Pochers unbekümmerter Deutschland-Hurra-Song nicht mehr so recht in die Zeit zu passen. Andererseits geht es in Fosters Lied um jemanden, der sich unterschätzt - genau das Gegenteil dessen, was der DFB-Elf nach dem Vorrunden-Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland vorgeworfen wird. Immerhin beendet die Elf von Jogi Löw das Jahr mit einer historisch schlechten Bilanz.

Vielsagende Deuterei hin oder her: Nach zwölf Jahren macht ein Lied-Wechsel durchaus Sinn. Die Zeit wird zeigen, ob sich Fosters „Chöre“ als DFB-Lied durchsetzen kann oder schon bald wieder verdrängt wird.

mas

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