Ex-Schalke-Manager Müller: Bin kein Sündenbock

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Andreas Müller wehrt sich gegen die Vorwürfe, für die finanziellen Schwierigkeiten des FC Schalke 04 verantwortlich zu sein.

Gelsenkirchen - Der ehemalige Manager des FC Schalke 04, Andreas Müller, wehrt sich gegen Vorwürfe, für die finanziellen Schwierigkeiten des Fußball-Bundesligisten allein verantwortlich zu sein.

“Wenn man so etwas nun behauptet, ist das eine absolute Sauerei. Ich habe mich als Manager zu jeder Zeit in dem finanziellen Rahmen bewegt, den wir im Vorstand erarbeitet hatten, also in meinem Budget, das dem Aufsichtsrat stets vorgelegt wurde. Jedes genehmigungspflichtige Geschäft wurde vom Aufsichtsrat einstimmig mitgetragen“, sagte Müller in einem Interview mit dem Kölner “Express“ (Donnerstag-Ausgabe).

Müller kann keine gravierenden Managementfehler in seiner Amtszeit (2006 bis Frühjahr 2009) erkennen. Die Führung des Vereins habe stets gemeinsam entschieden. “Ich habe in einem Team gearbeitet, immer sehr loyal. Ich hatte Vertrauen zu allen handelnden Personen. Heute muss ich sagen, dass ich mehr hätte hinterfragen müssen“, sagte Müller, der dahingehende Einlassungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies nicht nachvollziehen kann.

Den Transfer von Ze Roberto II, den Müller angeblich für 3,0 Millionen Euro verpflichtete, obwohl er ablösefrei gewesen wäre, habe er nicht zu verantworten, betonte der Ex-Manager. Die Transferzusage sei gegen seine Bedenken in einer Zeit gemacht worden, in der er nicht anwesend gewesen sei. “Auch Verträge wurden geschrieben, ohne mein Wissen.“ Den einzigen Vorwurf, den er sich mache, sei, dass er die Verpflichtung des Brasilianers nicht verhindert habe. Aber “andere im Club“ hätten den Transfer von Ze Roberto “unbedingt durchziehen“ wollen.

Als er in diesem Frühjahr beurlaubt wurde, sei das Ausmaß der Finanzprobleme für ihn nicht absehbar gewesen, sagte Müller weiter. “Es überrascht mich, was ich an Zahlen lese. Die genauen Hintergründe kenne ich nicht. Im Januar bekam ich erstmals vom Aufsichtsrat den deutlichen Auftrag, die Personalkosten senken zu müssen. Das habe ich noch im Januar getan. Die Verträge mit Varela und Lövenkrands wurden aufgelöst, Streit und Ze Roberto verliehen, Ernst sogar für mehrere Millionen verkauft. Nach meiner Zeit sind neue Kosten entstanden, durch Vertragsverlängerungen, Zugänge oder Trainerverpflichtungen. Mein Konzept war das nicht.“

Die Personalkosten für den Lizenzspielerkader hätten zu seiner Zeit nie “mehr als 50 Prozent des Umsatzes“ betragen. “Das ist ein glänzender Wert in der Fußballbranche“, betonte Müller, der sich nun zu Unrecht an den Pranger gestellt sieht: “Die Rolle des Sündenbocks nehme ich niemals an. Bei einem Neuanfang ist es immer leicht, alles vorherige schlecht zu machen. Sich einen Schuldigen herauszupicken, fällt gerade in einem Club wie Schalke auf fruchtbaren Boden.“

dpa

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