„Wehret den Anfängen“

Skandal um Bayern-Fans: Freiburg-Trainer Streich erinnert an das Dritte Reich und attackiert die AfD

Klare Kante von Christian Streich: Der Trainer des SC Freiburg schlägt nach den Schmähungen durch Fans des FC Bayern und in Dortmund gegen Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp Alarm - eine scharfe Kritik an der AfD inklusive.

  • Fußball-Skandal: „Fans“ des FC Bayern und in Dortmund beleidigen Dietmar Hopp mit Schmähgesängen und Transparenten.
  • Die Bundesliga stellt sich geschlossen hinter den Mehrheitseigner von 1899 Hoffenheim.
  • Nach dem Spiel seines SC Freiburg beim BVB richtet Trainer Christian Streich einen emotionalen Appell an Fußball-Deutschland und kritisiert die AfD.

München/Dortmund - Er ist sowas wie das gute Gewissen des deutschen Fußballs: Christian Streich, Trainer des SC Freiburg und Kollege von Bayern-Coach Hansi Flick

Streich ist bekannt dafür, sich gerne auch mal zu gesellschaftlichen Missständen zu äußern - mit charmant-authentisch südbadischem Dialekt.

Hopp-Schmähungen durch Bayern-Fans: Christian Streich schlägt Alarm

Nach den Schmähungen und üblen Beleidigungen einzelnerFans des FC Bayern und in Dortmund gegen den Mehrheitseigner von 1899 Hoffenheim, Dietmar Hopp, hat der 54-jährige Coach jetzt einen eindringlichen Appell an ganz Fußball-Deutschland gerichtet - und in diesem Zusammenhang die Partei Alternative für Deutschland (AfD) scharf kritisiert.

Trainer des SC Freiburg: Christian Streich.

„Die Entwicklung in den letzten zwei Jahren in Europa und in diesem Land in den letzten zehn Monaten, was passiert ist, gesamtpolitisch, in punkto Hetze, in punkto Anschläge auf Politiker, auf jüdische Einrichtungen und jetzt auf eine türkische Shisha-Bar“, meinte Streich auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 seiner Freiburger beim BVB: „Das ist extrem gefährlich. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, braucht nur die Geschichte der Weimarer Republik zu studieren, um dann zu wissen, wo es hingehen kann.“ 

Schmähungen gegen Dietmar Hopp: Christian Streich verweist auf Nazis und AfD

Streich verwies damit auf die Machtübernahme der Nazis in Deutschland vor dem Dritten Reich und schlug wegen mutmaßlich rechtsmotivierter „Morde gegen Politiker“ sowie dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag auf Sisha-Bars im hessischen Hanau mit insgesamt elf Toten Alarm.

„Diese Hetze gegen Menschen ist nicht hinnehmbar. Ich kann ihnen keine Lösung sagen. Aber ich kann ihnen sagen: Die Menschen in diesem Land lieben den Fußball. Und der Fußball hat eine wichtige Funktion“, sagte er und meinte mit Blick auf Hass-Exzesse in der Bundesliga wie dem gegen SAP-Gründer Hopp: „Ich stehe zu einhundert Prozent dahinter, dass, wenn es so weitergeht, ein Spiel beendet wird.“

Bayern-Fans beleidigen Dietmar Hopp: „Auf einem ganz schlimmen Weg“

Dass Menschen in ganz Europa wegen ihres Glaubens diffamiert würden, sei „absolut nicht hinzunehmen. Man darf nicht darüber hinwegsehen. Wenn es nicht anders geht, müssen wir vom Platz laufen“, erklärte er: „Es ist inakzeptabel und wir sind auf einem ganz schlimmen Weg.“

Zur Einordnung: Im europäischen Fußball war es zuletzt immer wieder zu rassistisch motivierten Schmähungen gegen dunkelhäutige Spieler gekommen, der farbige deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger hatte diese öffentlich angeprangert. Nur ein Beispiel. Streich wiederum ließ eine Kritik an der AfD folgen.

Bundesliga-Skandal: Freiburg-Coach Christian Streich kritisiert die AfD

„Wenn du siehst, wie das politisch von einer gewissen Partei in diesem Land instrumentalisiert wird, dann muss ich sagen: Wehret den Anfängen!“, sagte Streich: „Ich bin der Erste, der vom Platz runtergeht.“

Die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp - die Bundesliga stellt sich geschlossen hinter den Hoffenheimer Mäzen. Auch Freiburg-Coach Christian Streich.

Nach den Ausschreitungen in Hoffenheim ist auch Mario Basler verbal entgleist. Seine Forderungen, die er bei Doppelpass in der Expertenrunde gestellt hat, gehen unter die Gürtellinie, wie einige Zuschauer finden. 

pm

Rubriklistenbild: © dpa / Guido Kirchner

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