"Zweite Liga - Werder ist dabei"

Bayern-Fans verhöhnen Bremen

München/Bremen - Werder Bremen steckt schon nach zwei Pflichtspielen in der Krise und Trainer Viktor Skripnik unter Druck. Das Team musste sich auch noch Hohn anhören.

Viktor Skripnik hatte die weiße Kappe tief ins Gesicht gezogen. Mit verschränkten Armen und finsterer Miene verfolgte der angeschlagene Trainer von Werder Bremen das Auslaufen seiner Versager im Münchner Olympiapark nach dem 0:6 (0:2)-Debakel bei Bayern München.


Schon nach zwei Pflichtspielen ist die Stimmung bei den Norddeutschen wieder im Keller: Krise statt Aufbruch. Manager Frank Baumann sah sich nach dem miserablen Saisonstart deshalb schon genötigt, Skripnik eine Jobgarantie auszusprechen.

"Wir werden da in den nächsten Monaten definitiv nichts verändern. Wir haben die Entscheidung aus Überzeugung getroffen", sagte Baumann. Der 46 Jahre alte Ukrainer Skripnik habe "auch die letzten zwei Jahre bewiesen, dass er schwierige Situationen meistern kann. Wir werden da nicht die Nerven verlieren", fügte Baumann an.


Erste Diskussionen um Skripnik waren schon in der vergangenen Woche aufgekommen, nachdem sich Bremen im Pokal bei Drittligist Lotte blamiert hatte. Bei bwin galt er vor Saisonstart als Favorit auf die erste Entlassung 2016/17.

Für Baumann kommt die Entwicklung bei Werder, das schon vergangene Spielzeit bis zum Schluss zittern musste, nicht ganz überraschend. "Wir wussten, dass wir Geduld brauchen. Wir haben sehr viele Spieler verloren, wir haben viele Neuzugänge, haben die schwierige Situation, dass Spieler die Vorbereitung nicht mitmachen konnten. Wir mussten auf fünf absolute Leistungsträger verzichten. Da fehlt bei uns Qualität, das können wir nicht einfach so wegstecken", sagte er.

Zumindest hätte man sich in München aber wehren können. In dieser Form war Werder, das in der Allianz Arena von Beginn an nur auf Schadensbegrenzung aus war, ein Spielball für die dominanten Bayern. "Zweite Liga - Werder ist dabei", stimmten die Münchner Fans an - und das am ersten Spieltag. Die zwei (!) Torschüsse in 90 Minuten wurden zudem von höhnischem Beifall begleitet.

Da wollte und konnte Kapitän Clemens Fritz nicht um den heißen Brei herumreden. "Das war ängstlich, mutlos. Wie willst du da den Ball erobern? Da kann man sich nur entschuldigen. Wir müssen besser zusammenarbeiten", schimpfte Fritz sichtlich bedient.

Sogar Skripnik monierte, dass es sein Team den Bayern "viel zu leicht" gemacht habe: "Wir waren nicht aggressiv. Wenn du ohne Zweikampf gegen Bayern spielen willst, geht das nicht. Das war zu naiv", sagte er und ergänzte vor dem nächsten Spiel am 11. September zu Hause gegen den FC Augsburg: "Gott sei Dank gibt es jetzt zwei Wochen Pause." Genug Zeit für Aufbauarbeit und Krisenbewältigung.

sid

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