Diskussionsstoff nach Bayern-Sieg

"Vogelwilde 20 Minuten, wo kaum mehr Fußball war"

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Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann und Bayern-Trainer Nico Kovac diskutieren in einer Spielunterbrechung. 

Die 56. Bundesligasaison beginnt wie gewohnt, mit einem Bayern-Sieg. Der ist aber teuer erkauft: Kingsley Coman verletzt sich schwer. Für heftige Debatten und Emotionsausbrüche sorgen Schiedsrichter und Videoassistent. Und das in einem Spiel, das viel Aufregendes bietet.

München - Empörung, Spott, Kopfschütteln: Gleich nach Spiel eins von 306 gibt es in der Fußball-Bundesliga wieder lautstarkes Gezeter und auch Verwirrung um den Videobeweis.

Nach dem nächsten Sieg von Serienmeister FC Bayern in einem hitzigen Eröffnungsspiel kochten vor allem bei den mit 3:1 (1:0) besiegten Hoffenheimern die Emotionen hoch - ja über. Die nächste schwere Fußverletzung von Bayern-Jungstar Kingsley Coman, die Hummels-und-Robben-raus-Rotation des neuen Münchner Trainers Niko Kovac, die rustikale Spielweise der Gäste und der aufregende Spielverlauf rückten in den Hintergrund.

1899-Trainer Julian Nagelsmann flüchtete sich in beißende Ironie, Manager Alexander Rosen wetterte richtig los. Der Hoffenheimer Unmut richtete sich am Freitagabend gegen Schiedsrichter Bastian Dankert und dessen Gehilfen Sören Storks im Kölner Video-Keller. Der größte Streitpunkt war der Elfmeter, der in der 82. Minute im zweiten Versuch zum spielentscheidenden 2:1 durch Robert Lewandowski führte.

"Wir haben es bei der Weltmeisterschaft gesehen: Da hatten wir einen leitenden Schiedsrichter aus Simbabwe, einen Vierten Offiziellen aus Saudi-Arabien, und im Videoraum saß einer aus Uruguay. Es gab keine Testphase - und der Videobeweis wurde zu etwas gemacht, was er sein soll, nämlich eine wunderbare, sinnvolle und gerechte Einrichtung. Und dann kommen wir Deutschen und haben das, was wir heute erlebt haben. Das steht im Gegensatz zu dem, was es sein sollte", schimpfte der auch lange nach dem Abpfiff noch aufgebrachte Rosen.

Schiedsrichter und Videoassistent hatten Chaos, Rätselraten und Verunsicherung ausgelöst - auf dem Platz und bei den Zuschauern. Der von Franck Ribéry erschundene Strafstoß im Zweikampf mit Havard Nordtveit wurde erstaunlicherweise nicht extra überprüft. Vor der Elfmeter-Wiederholung und beim aberkannten Tor von Leon Goretzka, bei dem Thomas Müller den Ball mit dem Arm abfälschte, sah sich Dankert dagegen die TV-Bilder beider Szenen persönlich im Stadion an.

Warum nicht auch beim Elfmeter, der für Nagelsmann keiner war und den auch Bayern-Coach Kovac nicht gepfiffen hätte? "Was mich unglaublich aufregt", ereiferte sich Nagelsmann, "ist: Warum kriegen sie das nicht hin, in Köln zu entscheiden? Da brauche ich keine 14 Screens in Köln aufzubauen. Entweder entscheiden die oder lassen es."

Das in dieser Phase packende Spiel gerät ins Chaos. "Dann kamen vogelwilde 20 Minuten, wo kaum mehr Fußball war, sondern nur noch Video gucken", zürnte Nagelsmann. "Diese Szene muss man zumindest überprüfen. Da muss ein Hinweis aus Köln kommen", schimpfte Rosen. Ansonsten mache für ihn der Videobeweis "einfach keinen Sinn".

Bayern-Neuzugang Goretzka brachte die Verwirrung auf dem Rasen und den Tribünen um eine Technik, die dem Profi-Fußball helfen soll, auf den Punkt: "Ich glaube, es ist irgendwie immer noch nicht ganz klar, wann der Assistent einzugreifen hat und wann nicht."

Einmal in Fahrt, attackierte Hoffenheims Sportchef Rosen auch noch seinen Bayern-Kollegen Hasan Salihamidzic, der am Spielfeldrand immer wieder Klagen beim vierten Schiedsrichter vortrug. "Bei jeder Situation rumzuhampeln beim Vierten Offiziellen, das kann auch nicht die Stellenbeschreibung sein", ätzte Rosen über Salihamidzic.

Es wurde viel geboten beim Saisonauftakt in München zwischen dem Dauermeister und dem mutigen Herausforderer aus Hoffenheim. Erst dominierten die Bayern und trafen durch Müller (23.). Dann kamen die Nagelsmänner stark aus der Kabine und glichen durch Adam Szalai aus (56.). Den 3:1-Schlusspunkt setzte in der Nachspielzeit Arjen Robben. "Es ist ein Topstart, auch wenn nicht alles gut gelaufen ist", sagte Bayerns Joshua Kimmich. Müller sprach von einer "Energieleistung".

Auch Kovac freute sich über den Premierensieg, der für ihn auch bedeutsam war, weil er gleich zum Ligastart spektakulär rotiert hatte. Hummels und Robben mussten auf die Bank, Weltmeister Tolisso neben weiteren Topspielern sogar auf die Tribüne. "Das wird in Zukunft immer wieder passieren, das ist so. Ich glaube, dass wir heute alles richtig gemacht haben", kommentierte Kovac deutlich.

Eines aber missfiel den Bayern bei der Ouvertüre. Außenstürmer Coman erlitt beim Liga-Comeback nach sechs Monaten bei einem Foul von 1899-Verteidiger Nico Schulz wieder einen Syndesmosebandriss am linken Fuß. Der 22-jährige Franzose muss operiert werden. Das "schockte" alle Münchner, wie Kimmich berichtete. Mit der gleichen Verletzung war Coman im ersten Halbjahr lange ausgefallen.

Kovac, der in seiner Frankfurter Zeit auch für rustikalen Einsatz stand, beklagte "ziemlich viel Härte von Hoffenheimer Seite in der ersten Halbzeit". Kollege Nagelsmann konterte: "Man muss mit allen Mitteln spielen. Wir wollten keinen Spieler verletzen."

Entwarnung: Hoffenheims Kapitän Vogt erleidet Oberschenkelprellung

1899 Hoffenheim muss nicht länger auf Kapitän Kevin Vogt verzichten. Der Abwehrchef hat beim Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern München (1:3) am Freitagend eine Prellung im rechten Oberschenkel erlitten, wie der Fußball-Bundesligist am Samstag mitteilte. Vogt musste in der zweiten Halbzeit mit einem bandagierten Oberschenkel beim Stand von 1:1 ausgewechselt werden. Der 26-Jährige war bei einer Abwehraktion mit seinem eigenen Torwart Oliver Baumann zusammengeprallt. Trainer Julian Nagelsmann hatte schon direkt nach dem Spiel „keine lange Ausfallzeit“ befürchtet. Vogt habe bei einer Standardsituation einen Schlag von einem Knie auf den Oberschenkel bekommen. Wie lange er pausieren muss, ist nicht bekannt.

dpa

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