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Stürmer: "Werde alles geben"

Fans beschimpfen Lewa im Internet

Dortmund - Robert Lewandowski hat nach seinem Kurztrip zu Medizincheck und Vertragsunterschrift bei Bayern München wieder das Training bei Borussia Dortmund aufgenommen.

Robert Lewandowski flachste entspannt mit Pierre-Emerick Aubameyang, beim Warmlaufen hielt er locker den Ball mit dem Fuß hoch. Keine 20 Stunden nach seinem vielbeachteten Kurztrip zwecks Medizincheck und Vertragsunterschrift beim FC Bayern München nahm der polnische Torjäger am Sonntag bei Borussia Dortmund die Rückrundenvorbereitung auf, als wäre nichts gewesen - wohlwollend begleitet von 200 Zaungästen am Trainingsplatz in Dortmund-Brackel., zugleich jedoch heftigst beschimpft von enttäuschten Fans im Internet. „Verräter“ und „Judas“ waren auf Lewandowskis Facebook-Seite noch die harmloseren Ausdrücke.

Auf der BVB-Homepage wandte sich Lewandowski an die Anhänger der Schwarz-Gelben. „Liebe BVB-Fans, ich möchte mich jetzt kurz an Euch wenden. Vor uns liegt noch ein halbes Jahr, in dem wir einige Ziele haben, die wir gemeinsam erreichen wollen. Auch wenn es unter Euch einige Fans gibt, die mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sind, hoffe ich auf Eure Unterstützung! Ich werde jedenfalls alles für den BVB geben! Euer Robert Lewandowski“, ließ er wissen.

Bei der Einheit am BVB-Gelände in Dortmund-Brackel fehlten die Langzeitverletzten Mats Hummels und Neven Subotic. Verteidiger Lukasz Piszczek fuhr wegen einer Erkältung wieder nach Hause und verzichtete auf den Start.

Fast schon selbstverständlich war, dass sich der 25-Jährige vor den 25 anwesenden Journalisten nicht über seinen Wechsel zum Rekordmeister Bayern äußern wollte, schließlich wird er noch ein halbes Jahr lang für den BVB spielen. Auch die BVB-Offiziellen hielten sich bedeckt, sie schalteten ihre Mobiltelefone am Sonntag auf die Mailbox um. Einen kritischen Ton gegenüber Lewandowski oder dem FC Bayern ließ sich ohnehin niemand entlocken. Doch klar ist: Die Suche nach einem Nachfolger wird intensiviert.

„Unser Sportdirektor Michael Zorc arbeitet mit Hochdruck daran, eine Alternative zu finden“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Fans, die nun glauben, die BVB-Welt bekomme tiefere Risse, beruhigte er mit dem Hinweis, Borussia Dortmund werde „weiter Fußball spielen“. Allerdings räumte Watze ein, einen Spieler des Kalibers Lewandowski „ungern“ zu verlieren - so war es schließlich schon mit Mario Götze geschehen. Aber es breche jetzt „nicht alles zusammen“.

Lewandowski: Chronik des langwierigen Wechsels

Lewandowski: Chronik des langwierigen Wechsels

Nach einem schier endlosen Hin und Her steht der Wechsel von Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zum FC Bayern München endlich fest. Wir dokumentieren Stationen des langwierigen Transfers. Die Bilder sind verschiedene Archivfotos des Stürmers, stammen also nicht vom angegebenen Tag. © dpa
8. Januar 2012: Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht Bedarf für eine „Bombe“ im Sturm. An Robert Lewandowski denkt da wohl noch keiner. © dpa
12. Mai 2012: Robert Lewandowski setzt sich mit seinem Auftritt im DFB-Pokalfinale im Bayern-Gedächtnis fest. Der Pole erzielt drei Tore für Borussia Dortmund bei der 5:2-Demütigung in Berlin. © dpa
5. Februar 2013: Medien spekulieren über intensive Verhandlungen Lewandowskis mit dem FC Bayern. Beide Vereine äußern sich nicht. Der Stürmer kündigt später eine Entscheidung für den Sommer an. © dpa
6. Februar 2013: Der FC Bayern hält sich bei den Spekulationen um einen möglichen Wechsel Lewandowskis nach München bedeckt und verweist auf die Entstehungsgeschichte. „Die Geschichte ist über einen spanischen Blog entstanden. Das ist schon eine Art Gerüchteküche, die der Küchenschabe relativ nahe kommt“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. © dpa
13. Februar 2013: Bayern-Stürmer Mario Mandzukic macht sich trotz der anhaltenden Spekulationen um einen Transfer keine großen Sorgen. „Warum sollte ich das tun? Wenn Qualitätsspieler kommen, ist das immer gut.“ © dpa
16. Februar 2013: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glaubt nicht an einen Wechsel Lewandowskis im Sommer. „Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn er 2013 wechseln möchte, muss er uns irgendwann sagen, wohin er möchte. Dann werden wir prüfen, was für Borussia Dortmund das Beste ist.“ © dpa
17. Februar 2013: Die Zeichen im Fall Lewandowski stehen auf Trennung. „Ich glaube nicht, dass es zu einer Vertragsverlängerung kommen wird“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Er behält recht. © dpa
19. Februar 2013: Der FC Bayern sieht sich bei einer möglichen Verpflichtung des Dortmunder Torjägers nicht in Zugzwang. „Tatsache ist, dass wir drei gute Stürmer haben. Und dass wir in keinerlei Not sind“, sagt Präsident Hoeneß. © dpa
25. Februar 2013: Die Zukunft von Lewandowski liegt nach Aussage seines Beraters nicht bei Borussia Dortmund. „Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet“, sagt Cezary Kucharski im polnischen Fernsehen. © dpa
3. März 2013: Watzke gibt sich im Transfer-Poker gelassen. „Wir sind ganz frei in unserer Entscheidung.“ Nur wenn ein Verein komme und einen „sehr, sehr hohen Preis“ biete, sei man bereit, über einen Wechsel des noch bis 2014 unter Vertrag stehenden Profis schon in diesem Sommer nachzudenken. © dpa
23. April 2013: Nach dem feststehenden Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern will Borussia Dortmund nicht auch noch Torjäger Robert Lewandowski gehen lassen. „Es ist mein absoluter Wunsch, dass er nächste Saison beim BVB spielt“, sagt Watzke. © AFP
26. April 2013: Bayern München dementiert Medienberichte über einen angeblichen Vertragsabschluss. „Der FC Bayern hat entgegen dieser Meldungen keinen Vertrag mit Robert Lewandowski.“ © AFP
4. Mai 2013: Das Dauerthema Robert Lewandowski und ein möglicher Weggang von Borussia Dortmund bekommt immer skurrilere Züge. Real Madrids Präsident Florentino Perez soll nach dem Champions-League-Aus gegen den BVB in den Katakomben des Stadions Santiago Bernabeu um einen Wechsel beim Stürmer geworben haben. © AFP
26. Mai 2013: Nach dem Champions-League-Triumph deutet Bayern-Coach Jupp Heynckes einen baldigen Wechsel von Lewandowski. „Mario Götze wird kommen. Lewandowski wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dann hat man noch zwei top Offensivspieler dazu.“ © AFP
27. Mai 2013: Ein Vereinswechsel des Dortmunder Torjägers Robert Lewandowski zu Bayern München ist nach Angaben seines Beraters Cezary Kucharski nur noch eine Frage von wenigen Wochen. © AFP
5. Juni 2013: Lewandowski strebt eine schnelle und einvernehmliche Trennung von Borussia Dortmund an. „Ich gehe davon aus, dass nun alles geklärt wird und ich diesen Sommer zu meinem Wunschverein wechseln darf. Das wäre für alle Seiten das Beste.“ © AFP
9. Juni 2013: Machtwort von Borussia Dortmund. „Robert Lewandowski wird 2013 definitiv nicht zum FC Bayern wechseln. Das ist endgültig! Das haben wir Robert und seinen Beratern jetzt mitgeteilt“, erklärt Watzke. Der BVB schlägt damit eine hohe Ablösesumme aus. © AFP
9. Juli 2013: Der FC Bayern plant nach dem Verkauf von Torjäger Mario Gomez fest mit Lewandowski als künftigem Stürmerstar. „Ich bin durchaus optimistisch, dass der Spieler im nächsten Sommer zu Bayern München wechseln wird“, erklärt Rummenigge. © AFP
17. Juli 2013: Lewandowski findet sich mit dem Verbleib beim BVB ab. „Ich muss das akzeptieren, dass ich in Dortmund bleiben muss“, sagt der polnische Nationalspieler im Trainingslager in der Schweiz. Wenige Tage später sagt er: „Ich verberge nicht, dass ich mich betrogen fühle.“ Kein Problem für Jürgen Klopp. „Es ist alles in Ordnung. Alles, was es da noch zu besprechen gibt, wird intern besprochen.“ © AFP
18. August 2013: Borussia Dortmund bestätigt eine kräftige Gehaltserhöhung für den Polen. „Es ist nun so, dass ich noch ein weiteres Jahr in Dortmund bleiben werde. Wir haben alle Unstimmigkeiten beseitigt und uns ausgesprochen. Es gibt keine Probleme mehr“, sagt der polnische Nationalspieler kurz danach. © dpa
25. September 2013: Lewandowski deutet an, dass sein erwarteter Wechsel Anfang 2014 fix gemacht werden dürfte. Dann dürfe er offiziell auch den neuen Vertrag unterschreiben, sagt er nach dem DFB-Pokalspiel beim Zweitligisten TSV 1860 München. © dpa
4. Januar 2014: Lewandowski unterzieht sich dem medizinischem Check, um danach einen Vertrag bei seinem künftigen Verein zu unterschreiben. © dpa

Überhaupt war die Borussia ebenso wie der FC Bayern auffällig darum bemüht, den Wechsel herunterzuspielen. Alles sei klar gewesen, der Transfer ohnehin ein „ganz normaler Vorgang“ und alles andere als überraschend. Nachdem im vergangenen April die Bekanntgabe des Wechsels von Götze noch große Empörung auf Dortmunder Seite ausgelöst hatte, sei diesmal „alles korrekt“ gelaufen: „Wir sind rechtzeitig informiert worden, alle Beteiligten haben sich ausgetauscht.“ Er hege „nicht den geringsten Zweifel“ daran, dass sich Lewandowski bis zum letzten Tag für den BVB zerreißen werde.

BVB-Trainer Jürgen Klopp bezeichnete die Personalie als „völlig unproblematisch“. Der Verein habe schon lange gewusst, dass sich Lewandowski verändern wolle. „Dadurch verändert sich für uns nichts. Er hat bislang nicht eine Sekunde den Eindruck gemacht, dass er mit seinen Gedanken woanders ist“, sagte Klopp.

Zorc ist nun gefordert, und man vertraut ihm. Einige richtig starke Transfers hat der langjährige BVB-Profi bereits getätigt, nun soll er den nächsten Volltreffer landen - in der extraschwierigen Kategorie „bezahlbar mit Potenzial für Weltklasse“. Für die Suche hat er Zeit, Forderungen, es müsse umgehend gehandelt werden, weist Watzke scharf zurück. „Ich rege mich ehrlich gesagt manchmal über die ganzen Besserwisser auf, die uns erzählen, unser Kader müsste noch breiter sein“, sagte er der Bild-Zeitung.

Stattdessen setzt die Borussia auf die heilende Wirkung der Winterpause, die besten „Neuzugänge“ sollen aus dem hauseigenen Lazarett kommen. Ein halbes Dutzend Leistungsträger war lange verletzt, neben der Stamm-Innenverteidigung Mats Hummels/Neven Subotic fehlte am Sonntag noch Lukasz Piszczek (Infekt). „Eine komplette Viererkette plus zwei Sechser zu ersetzen - das schafft selbst Bayern nicht“, sagte Watzke.

Zumindest finanziell etwas einfacher wäre die Suche nach einem Lewandowski-Ersatz, hätte der BVB seinen Star-Torjäger schon im Winter gegen eine üppige Ablöse ziehen lassen. In dieser Situation stark geblieben zu sein, nennt Watzke eine „goldrichtige Entscheidung“: „Er schießt für uns Tore, arbeitet wahnsinnig hart“, sagte er. Allerdings nur noch fünf Monate lang.

SID/dpa

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