Nach Fast-Abbruch und Beleidigungsskandal bei Bayern-Spiel

"Absurd": Chaoten veröffentlichen wirre "Erklärung" im Internet

+
Als dieses Plakat im Bayern-Block erneut hochgehalten wurde, stand die Partie am Rande des Abbruchs.

Hoffenheim - Mit 6:0 (4:0) hat der FC Bayern am Samstagnachmittag die TSG Hoffenheim regelrecht auseinandergenommen. Darüber redete hinterher allerdings keiner mehr. Es ging fast ausschließlich um die Ausraster einiger "Bayern-Fans" wegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

UPDATE, 10.10 Uhr - Die wirre Erklärung der "Fans"

Inzwischen haben sich die Gruppierungen, die für die Spruchbänder offenbar verantwortlich sind, mit einer wirren Erklärung im Internet auf suedkurve-muenchen.org zu Wort gemeldet (Anm. der Red.: Am Sonntag, 1. März, gegen 10 Uhr, war die Seite jedoch nicht erreichbar).


Diese "Erklärung", die von verschiedenen Medien bereits veröffentlicht wurde, beginnt mit folgendem Wortlaut: "Wir haben heute in einem Spruchband das Wort ‚Hurensohn‘ verwendet. Das ist normalerweise nicht unser Sprachgebrauch, wäre per se aber auch nicht erwähnenswert. (...) Zum großen Thema wurde das Wort erst als mit u.a. diesem Wort auf zuspitzende, polemisch Art und Weise Kritik an dem Modell Hoffenheim und dessen Protagonisten Dietmar Hopp geübt wurde."

Anschließend erhoben die Chaoten zum Teil abenteuerliche Vorwürfe gegen den Mäzen der TSG Hoffenheim. Demnach habe Hopp Anhängern von Borussia Dortmund "mit Störgeräuschen absichtlich Schmerzen zugefügt" und damit "einen Privatkrieg mit verschiedenen Fanszenen angezettelt." Dabei wurde auch die Kollektivstrafe gegen die BVB-Fans angeprangert, die nun drei Jahre lang kein Spiel in Hoffenheim besuchen dürfen, nachdem sie ein Banner gezeigt hatten, das Hopp in einem Fadenkreuz zeigt. Die Münchner Ultras machten klar, dass der eigentliche "Feind" der Deutsche Fußball Bund (DFB) ist: "Damit hat der DFB sein Wort, zukünftig von Kollektivstrafen abzusehen gebrochen - auch wenn uns die Strafe nicht betrifft und das Thema Hopp für uns nicht so eine starke Relevanz hat, sehen wir hierin einen Angriff auf Fanrechte im Allgemeinen. Es für uns ein Affront, den wir nicht unbeantwortet lassen können."


Reue zeigten die Chaoten übrigens nicht. Es hätte "keine Alternative" zu der Aktion gegeben, da nur so "die nötige Aufmerksamkeit erreicht" werden hätte können. Zudem hielten sie die Spielunterbrechung und den Streik für vollkommen überzogen. "Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd." Beendet wird die Erklärung mit einer nicht zitierfähigen Beleidigung gegenüber dem DFB.

Die Erstmeldung:

Beinahe wäre das Match, das die Münchner durch Tore von Serge Gnabry (2.), Joshua Kimmich (7.), Joshua Zirkzee (14.), Philippe Coutinho (33./46.) und Leon Goretzka (62.) haushoch gewannen, abgebrochen worden. In gegenseitiger Absprache spielten die Akteure beider Teams - nach einer rund zehnminütigen Spielunterbrechung - die letzten 13 Minuten der Begegnung als Zeichen der Solidarität gegen die Chaoten im "Streik" zu Ende und schoben sich nur noch den Ball gegenseitig zu.

Die Stimmen zum Spiel:

Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "Mir tut es leid, was hier passiert ist. Wir müssen zusammenstehen - beide Vereine - wie wir es gemacht haben. Ein großes Zeichen. Das Stadion hatte ein feines Gefühl für das, was passiert ist. So geht es nicht weiter. Es müssen Zeichen gesetzt werden - mehr als es bis jetzt passiert ist. Es ist Zeit, dass man sich wehrt. Viele Dinge sind passiert, ob das in Münster war oder jetzt hier. Wir müssen mehr aufstehen gegen solche Chaoten oder Idioten. Es ist wichtig, dass wir Stärke zeigen."

Manuel Neuer (Torwart und Kapitän FC Bayern): "Ich bin der Meinung, dass uns auch was kaputt gemacht wurde, als Spieler des FC Bayern. Dass man jetzt überhaupt nicht darüber spricht, dass wir ein sehr gutes Spiel gemacht haben. (...) Wir haben im Kabinengang miteinander gesprochen. Ich denke, dass es eine Idee von uns allen war und das es auch der richtige Schritt war." Die Bild-Zeitung berichtet nun, dass die Initiative zum Spielerstreik offenbar von Neuer ausgegangen sein soll.

Karlheinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern): "(...) Ich schäme mich dafür, das war eine Schande, was dort in der Kurve passiert ist. Das ist das ganz hässliche Gesicht von Bayern München in einem Spiel, das eigentlich ein tolles Spiel von unserer Mannschaft war und das diesen Ausgang genommen hat, für den es überhaupt keine Entschuldigung gibt. Ich muss klar und deutlich sagen: Wir haben die ganzen Vorkommnisse filmen lassen, wir werden mit aller Schärfe, wirklich mit aller Schärfe gegen die Leute vorgehen, die heute den FC Bayern diskreditiert haben und sie werden am Ende des Tage zur Rechenschaft gezogen werden."

Rummenigges komplette Rede im Wortlaut können Sie HIER nachlesen.

Hasan Salihamidzic (Sportdirektor FC Bayern): "Zwei Siege und der 120. Geburtstag des FC Bayern. Es hätte eine perfekte Woche sein können. So war es heute ein trauriger Tag, ein Tiefpunkt. Beschämend. Hass und Intoleranz haben im Fußball nichts verloren. Die Bundesliga hat sich da klar positioniert, das haben wir heute sehr klar gemacht. Wir alle im Fußball müssen dieses Thema ohne Kompromisse angehen, wir beim FC Bayern werden das jetzt analysieren und dann werden wir auch reagieren. Toleranz gilt es auch neben dem Platz zu zeigen. Wer das nicht kann, hat keinen Platz beim FCB."

Fritz Keller (DFB-Präsident) im ZDF-Sportstudio: "Ich glaube, wir sind wirklich am Tiefpunkt angekommen. (...) Ich finde, das ist eine Katastrophe und möchte beiden Mannschaften und dem Schiedsrichter gratulieren, wie sie gehandelt haben. (...) Wir hätten viel früher durchgreifen müssen. Die ersten Hass-Plakate gab es 2008, dann gab es immer wieder Geldstrafen und sonst was. Dann gab es Bewährungsstrafen, aber jetzt ist es irgendwann mal gut. (…) Wir müssen jetzt an einem Strang ziehen und es muss durchgegriffen werden."

mw

Kommentare