"Furchtbare Ohrfeige" für Spanien

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Torschütze Carlos Martins (l.) bejubelt mit Raul Meireles das 1:0 gegen Spanien.

Lissabon - Spanien verkommt nach dem WM-Triumph zur Lachnummer. Gegen Portugal gab es bereits die zweite Riesen-Blamage innerhalb kurzer Zeit. Ein Trost bleibt trotzdem.

Nach der Rache im “Bruderduell“ platzte sogar dem gutmütigen Opa der Kragen: “Schlechter kann man nicht spielen, es gibt keine Ausreden. Ich bin sehr erbost!“, schimpfte Spaniens Fußball-Nationaltrainer Vicente del Bosque nach dem 0:4-Debakel seiner Weltmeister beim Erzrivalen Portugal. Das Team um den glänzend aufgelegten Superstar Cristiano Ronaldo übte am Mittwochabend in Lissabon Vergeltung für die 0:1-Niederlage im WM- Achtelfinale - und verpasste dem ungeliebten Nachbarn gleich die schlimmste Klatsche in 47 Jahren. Mit vier Toren Unterschied hatte “La Roja“ zuletzt 1963 daheim gegen Schottland (2:6) verloren.


Die Medien zu Hause gingen mit dem in Bestbesetzung angetretenen Team hart ins Gericht. “Iberischer Hornstoß. Spanien hat ohne Lust und Seele gespielt“, klagte am Donnerstag die Sportzeitung “As“. Das Fachblatt “Marca“ fragte sich, ob im Estadio da Luz etwa Doppelgänger von Iniesta, Xavi und Villa auf dem Platz waren. “Das war ein Desaster, eine furchtbare Ohrfeige. Das schlechteste Spiel der Selección seit Jahren“, hieß es. Obwohl Spanien nach der WM drei EM- Qualifikationsspiele gegen schwache Gegner gewann, verkommt der Weltmeister zum Prügelknaben. Im letzten Freundschaftsspiel war man von Argentinien in Buenos Aires mit 1:4 vom Platz gefegt worden.

Diese Deutschen spielten bei Real Madrid

Nach Sami Khedira (links) ist Mesut Özil der zweite Deutsche im aktuellen Starensemble von Real Madrid. Vor ihnen standen schon sechs Profis aus Deutschland bei den “Königlichen“ unter Vertrag. Zeitraum © dpa
Günter Netzer spielte von 1973 bis 1976 in Madrid. Er absolvierte 85 Spiele und schoß 9 Tore. Netzer gewann mit Real 1975 das "Double" und 1976 die Meisterschaft. © dpa
Paul Breitner spielte von 1974 bis 1977 bei Real. Seine Bilanz: 84 Spiele und 9 Tore. Breitner gewann mit den "Königlichen" 1975 die spanische Meisterschaft und den Pokal. 1976 verteidigte er mit Real die Meisterschaft. © dpa
Uli Stielike spielte von 1977 bis 1985 bei den Königlichen. In dieser Zeit stand er 215 mal auf dem Platz und traf 41 mal. Mit Real Madrid wurde er 3 mal Spanischer Meister (1978, 1979, 1980) und 1985 UEFA-Pokalsieger. © Getty
Bernd Schuster spielte von 1988 bis 1990 für die "Königlichen". Seine Bilanz: 61 Einsätze und 13 Tore. Als Spieler gewann er mit Real 1989 und 1990 die spanische Meisterschaft. Von 2007 bis 2008 trainierte er den Verein später. Er holte mit Real einmal die spanische Meisterschaft sowie den spanischen Supercup. © dpa
Bodo Illgner spielte von 1996 bis 2001 bei Real. Er brachte es dort auf 91 Einsätze. Der Keeper schoss kein Tor. Er wurde mit den Madrilenen zweimal (1997 und 2001) spanischer Meister, holte zweimal die Champions League (1998 und 2000). Außerdem gewann Illgner mit Real 1998 auch den Weltpokal. © dpa
Christoph Metzelder spielte von 2007 bis 2010 bei Real. Er brachte es in dieser Zeit auf 23 Einsätze, schoss aber kein Tor. Er holte mit dem Verein 2008 sowohl die spanische Meisterschaft als auch den Supercup. © dpa
Sami Khedira wechselte im Kuli 2010 zu Real. er absolvierte dort noch kein Pflichtspiel. Sein Debüt für seinen neuen Verein gab er am 13. August 2010 gegen den FC Bayern München in einem Testspiel (im Duell gegen Franck Ribéry, rechts). © dpa
Mesut Özil gab am 17. August seinen Wechsel zu Real Madrid bekannt. Er verließ den Verein im Sommer 2013 und wechselte für 50 Millionen Euro zum FC Arsenal. © dpa
Und gleich der nächste Deutsch-Türke aus dem Ruhrpott, den es zu den Königlichen zog: Nuri Sahin gab am 9. Mai 2011 bekannt, dass er in Madrid einen Vertrag bis 2017 unterschrieben hat. Nach einem Jahr ließ er sich aber schon wieder nach Liverpool verleihen. Auch dort wurde er nicht glücklich und wechselte im Januar 2013 zu Borussia Dortmund. © dpa
Toni Kroos, Real Madrid
Am 17. Juli 2014 wurde der Wechsel von Toni Kroos vom FC Bayern zu Real Madrid bekannt gegeben. Der Weltmeister erhält bei den Königlichen einen Sechs-Jahres-Vertrag. © dpa

Im von einer schweren Finanzkrise erschütterten Portugal hängt der Fußball-Himmel unterdessen voller Geigen. “Olé, die Weltmeister sind wir!“, tönte das Massenblatt “Correio da Manha“. Der neue portugiesische Nationalcoach Paulo Bento räumte in der Kabine ein: “Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ein solches Ergebnis vorstellen können“. Es war bereits Bentos dritter Sieg im dritten Spiel, nachdem er den mit Schimpf und Schande davongejagten Carlos Queiroz auf der Bank der “Lusos“ abgelöst hatte.

Vor 35 000 Zuschauern im nur halbvollen Stadion schossen Carlos Martins (45.), Helder Postiga (49., 63.) und der Bremer Hugo Almeida (90.+3) die Treffer zum höchsten Sieg der Portugiesen über Spanien überhaupt. Die Helden des Abends waren aber Ronaldo und Nani. Der Real-Madrid-Superstar humpelte nach Foul von Busquets schon ab der achten Minute, aber auch “auf einem Bein“ wirbelte der 25-Jährige von Real Madrid in seinem 75. Länderspiel die gegnerische Abwehr um Piqué und Puyol durcheinander. Torlos blieb “CR7“ nur, weil ihm ein sehenswerter Lüpfertor wegen Abseits von Nani aberkannt wurde und der Star nach der Pause lieber in der Kabine blieb. “Es ist nicht leicht, den Weltmeister so zu schlagen“, sagte er.

Während der bald 60-jährige del Bosque geschockt mit dem Schicksal haderte (“Ich kann die Spieler bei Freundschaftsspielen einfach nicht motivieren“), strahlte ein anderer Spanier auch nach der Blamage vor Freude. “Ich bin sehr zufrieden“, erklärte der Generaldirektor der iberischen Kandidatur für die WM 2018, Miguel Angel López. Mit dem Spiel in Lissabon wurde auch für die Kandidatur geworben, Casillas und Ronaldo lasen Unterstützungserklärungen vor. Nach der Veröffentlichung des Evaluierungsberichts des Weltverbandes FIFA ist López optimistischer denn je: “Wir liegen vorne, aber das sage nicht ich, das sagen die (mit Spanien konkurrierenden) Engländer“.

dpa

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