FIFA-Skandal 

Garcia-Report kritisiert Rolle von Beckenbauer-Intimus Radmann

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Franz Beckenbauer will laut seinem Umfeld vorerst keine Stellung beziehen. 

Im Garcia-Report der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA geht es in etlichen Passagen auch um das ehemalige FIFA-Exekutivmitglied Franz Beckenbauer.

Im Garcia-Report der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA das Beratungs-Mandat von Beckenbauer-Intimus Fedor Radmann (72) für den WM-Kandidaten für 2022, Australien kritisiert. Dieses hätte die Zweifel an "der Integrität des Bewerberprozesses erhöht".

Da Radmann in dieser Phase eben auch die Aktivitäten des FIFA-Exko-Mitglieds Beckenbauer koordinierte, sehen die Ermittler um Michael Garcia hier eine zu große Nähe zwischen Beckenbauer und seinem engsten Vertrauten.

Keine Stellungnahme von Beckenbauer

Der SID erfuhr aus dem Beckenbauer-Umfeld, dass es vorerst keine weiteren Stellungnahmen zum Garcia-Report geben werde. Der "Kaiser", Kapitän der deutschen Weltmeister-Elf von 1974 und Teamchef der Weltmeister-Mannschaft von 1990, hat sich nach dem Tod seines Sohnes Stephan im Juli 2015 und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen rund um das Sommermärchen 2006 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zurzeit wird immer noch seine Rolle rund um die WM-Vergabe 2006 im Juli 2000 in Zürich untersucht.

Zudem beendete Beckenbauer im vergangenen Jahr überraschend sein Engagement für den Pay-TV-Sender Sky und nimmt nur noch selten öffentliche Auftritte wahr. Zusätzlich geschwächt hatte ihn zuletzt eine Herz-OP, der er sich im Herbst 2016 unterziehen musste.

Deutschland musste nach den FIFA-Regeln spielen

Der langjährige FIFA-Mediendirektor Guido Tognoni sieht keinen Grund, nach Entschuldigungen für die Rolle von WM-OK-Chef Franz Beckenbauer im Zusammenhang mit dem Skandal um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland zu suchen.

"Franz ist für mich das letzte Opfer einer 40-jährigen Herrschaft von Joao Havelange und Sepp Blatter. Alle Wegbegleiter - mögen sie Schurken oder ehrenwert gewesen sein - blieben auf der Strecke, auch Michel Platini übrigens. Aber Franz ist ja ein mündiger Bürger und wusste, was er unter dem Einfluss seines Adjutanten Fedor Radmann tat", sagte der Schweizer, der 13 Jahre in Diensten des Weltverbandes FIFA stand, im SID-Interview.

Deutschland hat nicht nach FIFA-Regeln gespielt

Klar ist für Tognoni, dass Deutschland den Zuschlag für die WM 2006 nicht nur mit lauteren Mitteln bekommen hat: "Deutschland verstrickt sich in der Behauptung, die WM 2006 mit sauberen Mitteln erhalten zu haben. Hätte nicht auch Deutschland nach den FIFA-Regeln gespielt, hätte Südafrika die WM bekommen..."

Der am Dienstag von der FIFA veröffentlichte Bericht des einstigen Chefermittlers der Ethik-Kommission, Michael Garcia, habe laut Tognoni keine nennenswerten Erkenntnisse gebracht. "Der Bericht enthält nur Dinge, die in den vergangenen Jahren schon mehr oder weniger bekannt waren", äußerte Tognoni, der im SID-Interview feststellte: "Der Sumpf bleibt, selbst wenn die FIFA jetzt versucht, ihren Fluss an ihm vorbeizuleiten. Die Prozesse laufen ja noch, und die Narben bleiben."

SID 

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