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"Wir stoßen jetzt an Grenzen"

Halle-Präsident will "Aufbauhilfe Ost" im Fußball

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Halle - Der Präsident des Drittligisten Hallescher FC, Michael Schädlich, hat sich für eine „Aufbauhilfe“ für ostdeutsche Fußballvereine ausgesprochen.

Präsident Michael Schädlich vom Drittligisten Hallescher FC hat sich für eine „Aufbauhilfe“ für ostdeutsche Fußballvereine ausgesprochen. „In der Wirtschaft ist es akzeptiert, dass Wettbewerbsnachteile, die objektiv gegeben sind, durch Strukturhilfen ausgeglichen werden. Es geht darum, den ostdeutschen Fußball mit bestimmten strukturellen Hilfen wirtschaftlich in die Lage zu versetzen, wenigstens in der 2. Liga wettbewerbsfähig zu sein“, sagte der 59-Jährige im Interview mit der Tageszeitung Die Welt.

Der Wirtschaftswissenschaftler schlägt vor, dass das benötigte Geld zum einen über Kredite durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie durch Zuschüsse aus der Wirtschaft bereitgestellt werden könnte. „Wir stoßen jetzt an Grenzen. Die Unternehmen haben im Osten einfach nicht die Sponsorenkraft wie in den alten Bundesländern“, sagte Schädlich.

Er denke dabei an ein zusätzliches Budget von zehn Millionen Euro, über dessen Verteilung der DFB nach bestimmten Kriterien selbst entscheiden könne. Hauptvoraussetzungen: Seriöses Wirtschaften und Potenzial für eine höherklassige Entwicklung.

Der DFB reagierte mit Ablehnung auf den Vorstoß. „Ich kann der Argumentation wenig abgewinnen“, sagte der für den Spielbetrieb zuständige DFB-Direktor Ulf Schott zu dfb.de: „NOFV-Präsident Rainer Milkoreit hat in seiner ersten Reaktion zurecht darauf hingewiesen, dass es auch im Westen Unterschiede in der Wirtschaftskraft gibt. Man muss sich die Frage stellen: Wo fängt man an, wo hört man auf? Wenn man Herrn Schädlich folgt, würde es dann nicht auch Aufbauhilfen für den Fußball im Saarland oder in Schleswig-Holstein bedürfen? Auch das sind nicht die strukturstärksten Regionen.“

Laut Schädlich sollten die zusätzlichen Gelder hauptsächlich zweckgebunden in den Bereichen Infrastruktur, Nachwuchsarbeit, Stadion und Fanarbeit investiert werden. Zustimmung gab es von Rolf Rombach, Präsident des Ligakonkurrenten Rot-Weiß Erfurt: „Im Prinzip halte ich das für sinnvoll und richtig. Letztendlich scheitert es aber meist an denen, die das Geld geben sollen“, sagte er.

Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), steht dem Vorstoß dagegen skeptisch gegenüber. „Auch im Westen gibt es Unterschiede in der Wirtschaftskraft“, sagte der DFB-Vizepräsident dem SID. Besonders in Ballungszentren, in denen es viele Bundesligisten gebe, hätten es die dortigen Drittligisten schwer.

„Der DFB hat bereits vor einem Vierteljahr den Beschluss gefasst, dass die Nachwuchsleistungszentren mit bis zu 150.000 Euro im Jahr gefördert werden können. Der DFB hat also in der Richtung, in die Herr Schädlich denkt, schon im Vorhinein reagiert“, betonte Milkoreit. Der Bedarf in der 3. Liga sei jedoch unbestritten, deshalb bemühe sich der DFB weiter, einen Namenssponsor zu finden: „Doch das ist schwer.“

„Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will nicht als Bettler, Bittsteller oder Jammerer aus dem Osten gelten. Aber ein wenig Unterstützung wäre toll. Ich bin einhundert Prozent davon überzeugt, dass sich das auch gesellschaftspolitisch niederschlagen würde“, sagte Schädlich.

Er verwies außerdem darauf, dass auch andere Sportarten von der Wirtschaftshilfe profitieren würden. „Bei uns läuft es wie bei den meisten Ostklubs so, dass wir 200 bis 300 mittelständische Unternehmen abgreifen. Wir nehmen anderen Sportarten und kleineren Fußballklubs dadurch aber auch die Sponsoren weg, machen sie schlimmstenfalls regelrecht platt“, erklärte Schädlich: „Und ich denke, dass man diese Entwicklung verändern sollte.“

SID

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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