Schließt sich der Kreis in München?

Herrlich zurück im Rampenlicht - „Wunder schaffen“ gegen 1860

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Regensburgs Marco Grüttner (l-r), Regensburgs Erik Thommy, Regensburgs Alexander Nandzik und Regensburgs Trainer Heiko Herrlich jubeln über den Treffer zum 1:0 gegen Hertha im DFB-Pokal (21.08.16).

In München feierte Heiko Herrlich 1997 seinen größten Sieg als Profi. Exakt 20 Jahre später könnte er dort gegen 1860 auch seinen größten Erfolg als Trainer feiern - mit Außenseiter Regensburg. Die Relegation wurde schon für einen anderen Jahn-Coach zum Sprungbrett.

Regensburg - Keiner beim Emporkömmling Jahn Regensburg kennt sich mit großen Drucksituationen im Fußball-Rampenlicht so gut aus wie Heiko Herrlich. Und dennoch betritt auch der Ex-Nationalspieler und Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund in den beiden Alles-oder-nichts-Spielen der Relegation gegen den taumelnden Zweitligisten TSV 1860 München mit dem Dritten der 3. Liga Neuland.

Denn am Freitag (18.00 Uhr/ARD/Sky) im kleinen Regensburger Stadion und erst recht vier Tage später beim Rückspiel in der 75 000 Besucher fassenden Münchner Arena stehen die bedeutendsten Partien in der Trainerkarriere des 45-Jährigen an. Der ehemalige Angreifer weiß um die Bedeutung für den Jahn, für seine Spieler - und für sich. In nur anderthalb Jahren könnte Herrlich die Oberpfälzer aus der vierten in die 2. Liga führen. Es wäre ein spektakulärer Durchmarsch. „Die Mannschaft hat einige überrascht - auch mich. Ich traue ihr zu, dass sie ein Wunder schaffen kann“, sagte Herrlich ein wenig feierlich.

Herrlich wurde 1997 CL-Sieger - in München

In München könnte sich für ihn ein Kreis schließen. Am 28. Mai 1997 triumphierte Herrlich - damals noch im Olympiastadion - mit Borussia Dortmund im Champions-League-Finale gegen den großen Favoriten Juventus Turin mit 3:1. Ottmar Hitzfeld wechselte ihn damals beim Stand von 2:1 für den zweifachen Torschützen Karlheinz Riedle ein. Als entscheidender Joker stach aber damals nicht er, sondern der 20 Jahre junge Lars Ricken, der nach nur zehn Sekunden auf dem Platz den dritten BVB-Treffer schoss. Er wurde zum „Tor des Jahres“ gewählt.

Fast auf den Tag genau 20 Jahre später könnte Herrlich in München seinen größten Erfolg als Trainer feiern. Und die Außenseiterrolle gefällt ihm auch diesmal. „Wir kommen aus der Regionalliga. Sechzig ist absoluter Favorit, ein Traditionsverein mit vielen Fans und vor der Saison mit Ambitionen aufzusteigen in die erste Liga“, sagte Herrlich: „Wir haben zwar nur eine kleine Chance, aber wir werden trotzdem alles versuchen, um das Unmögliche möglich zu machen.“

Herrlich besiegte Hirntumor

Der fünfmalige Nationalspieler (1 Tor), der in 258 Bundesligaspielen für Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und den BVB 75 Tore erzielte, hat schon viel erlebt. Und er ist ein Kämpfer. Das hat er gerade abseits des Fußballplatzes bewiesen. Im Herbst 2000 war bei ihm ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden. Mit einer Strahlentherapie wurde dieser erfolgreich bekämpft. 2001 feierte Herrlich ein Comeback in der Bundesliga, zur Bestform aber fand er bis zum Karriereende mit 32 Jahren im Jahr 2004 nicht mehr zurück.

Mit einem Erfolg gegen 1860 und dem Aufstieg in die 2. Liga könnte seine Trainer-Karriere einen Schub erhalten. Auch Markus Weinzierl, inzwischen Chefcoach beim FC Schalke 04, schaffte vor fünf Jahren mit Jahn Regensburg in der Relegation den Aufstieg in die 2. Liga. Kurz nach den Erfolgen gegen den Karlsruher SC wechselte Weinzierl damals in die Bundesliga zum FC Augsburg.

„Die Mannschaft hat den Willen und den Biss gezeigt“

Auch Herrlich will mit dem Jahn „in die 2. Liga hoch“. Als Trainer orientiert er sich viel an seinem Lehrmeister Hitzfeld. Gegen 1860 setzt er auf die Mentalität und die Comeback-Qualitäten seiner Spieler, die in der 3. Liga im Endspurt mit späten Toren Siege erzwangen. „Die Mannschaft hat den Willen und den Biss gezeigt. Sie hat eine sensationelle Saison gespielt“, schwärmt Herrlich, der meint: „Ausschlaggebend war, dass wir wirklich ein Team waren.“

Sein Stürmerblut hat er auf seine Mannschaft übertragen. 62 Tore erzielte der Aufsteiger, Topwert der 3. Liga. Zum Aufstieg mauern dürfte Herrlichs Strategie gegen die Sechziger nicht lauten. Das Trainerduell an der Seitenlinie dürfte faszinierend werden - und es könnte mitentscheidend sein. Hier der Champions-League-erprobte Portugiese Vitor Pereira, da der Trainer-Geselle Heiko Herrlich. Der Herausforderer spürt eine „große“ Vorfreude, gibt aber zu: „Es ist auch eine große Anspannung da.“ Bei ihm ist es eine rundum positive.

dpa

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