Favre weg! Holt Hertha Matthäus?

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Lucien Favre muss seinen Hut nehmen.

Berlin - Vor vier Monaten fast Meister, nun gefeuert: Nach 27-monatiger Amtszeit und sechs Bundesliga-Pleiten nacheinander ist für Lucien Favre bei Hertha BSC Schluss.

Am Tag nach der 1:5-Abfuhr in Hoffenheim und einer Krisensitzung trennte sich der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga am Montag von seinem zuletzt glücklosen Schweizer Trainer, der erstmals entlassen wurde. “Es ist nichts, was mir leicht gefallen ist. Ich musste eine Entscheidung für Hertha BSC treffen, und das habe ich gemacht“, sagte Herthas Sport- Geschäftsführer Michael Preetz am Abend.

Der 7. Bundesliga-Spieltag in Bildern

1. FC Nürnberg - VfL Bochum (0:1): Der Spieltag begann mit einem gelungenen Debüt: Frank “Funny“ Heinemann dirigierte den Revierclub bei seinem Trainer-Debüt in der Fußball-Bundesliga auf Anhieb zum unglaublich wichtigen 1:0-Sieg beim Abstiegs-Mitkonkurrenten 1. FC Nürnberg. © Getty
Das “goldene Tor“ für den VfL erzielte am Freitagabend im ersten Punktspiel nach dem Rauswurf von Marcel Koller Torjäger Diego Klimowicz (rechts) bereits in der siebten Minute. © Getty
Club-Keeper Raphael Schäfer musste schwer schlucken. © Getty
Juri Judt hebt ab. © Getty
Andreas Luthe (rechts) feierte sein Bundesliga-Debüt für die Bochumer und hielt seinen Kasten sauber. Dafür gab es ein Lob vom Chef. Dennoch wird Heinemann wohl bald von einem neuen Trainer abgelöst. Der Verein kündigte am Samstag an, dass er eine Interimslösung bleibe. © Getty
Borussia Dortmund - FC Schalke 04 (0:1): Viele Augen am Samstag waren natürlich zuallererst auf das Ruhrpott-Derby gerichtet. Und da nicht alleine auf den Platz: Es war eines der größten Polizeiaufgebote der Bundesliga-Geschichte im Einsatz. © AP
Faire Geste vor Anpfiff: Die Trainer Felix Magath und Jürgen Klopp schütteln Hände. © Getty
Das Tor des Tages: Jefferson Farfan netzt ein und dreht zum Jubeln ab, die Dortmunder liegen flach. © dpa
Vielleicht nicht gerade der ideale Platz zum Jubeln. © dpa
Felix Magath sieht mit offenem Mund zu - und freut sich über seinen ersten Derby-Sieg als Schalke-Trainer. Er weiß auch: So was bringt nicht nur Punkte in der Tabelle, sondern auch Punkte bei den Fans. © AP
Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart (0:3): VfB-Keeper Jens Lehmann durfte wieder ran. Trainer Markus Babbel hatte den Torwart-Oldie nach dessen Oktoberfest-Besuch aus dem Kader für den DFB-Pokal gestrichen. © Getty
Im Blickpunkt stand zunächst ein anderer: VfB-Youngster Julian Schieber (20) erzielte erst das 1:0, dann das 2:0. Hier ballert er nach seinem zweiten Treffer den Ball vor lauter Freude noch einmal ins Netz. © dpa
Die Vorentscheidung: Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte Marco Russ (33.) für ein Foul an Sami Khedira Rot. © dpa
Frankfurt geschlagen - später mussten sie sogar noch durch einen Hammer von Thomas Hitzlsperger das dritte Gegentor hinnehmen. © AP
Jens Lehmann und der VfB wieder obenauf: Die Schwaben scheinen ihre Mini-Krise überwunden zu haben, die Frankfurter hingegen müssen ihre erste Saisonniederlage verkraften. © AP
1. FC Köln - Bayer Leverkusen (0:1): Nicht nur Jens Lehmann (siehe voriges Foto), auch Köln-Trainer Zvonimir Soldo zeigt Auge. © Getty
Das Rhein-Derby blieb lange Zeit torlos, auch wenn das Trefferverhindern manchmal schmerzhaft war, wie hier für Bayer-Keeper René Adler. © dpa
Dann kam Simon Rolfes (r.): Mit seinem dritten Saisontor erlöste der Bayer-Kapitän sein Team. © Getty
Die erhöhte „Belastung“ durch seine Mannschaftskollegen konnte er da wohl auch verkraften. © dpa
Irgendwas macht Trainer-Routinier Jupp Heynckes ziemlich richtig: Die Leverkusener bleiben weiter ungeschlagen, stehen nach sieben Spieltagen mit fünf Siegen und zwei Unentschieden auf Tabellenplatz 2. © dpa
VfL Wolfsburg - Hannover 96 (4:2): Traumfreistoß in der Anfangsphase: Zvejzdan Misimovic (8.) brachte sein Team in Führung. © dpa
Die Wölfe jubeln, als ob es keinen weiteren Grund zum Jubeln geben sollte. Doch es kam ganz anders. © Getty
Armin Veh brauchte zahlreiche Beruhigungsschlucke: Sein Team leistete sich teils haarsträubende Abwehrfehler. © Getty
Deswegen waren die Gäste aus Hannover auch noch zweimal erfolgreich. Hanno Balitsch (28., 3.v.r.) nezte ein, der Wolfsburger Madlung (50.) leistete sich sogar ein Eigentor. © Getty
Doch die überragende VfL-Offensive richtete es einmal mehr: Christian Gentner (Foto, 45.), Makoto Hasebe (48.) und Edin Dzeko (61.)  schossen die Wolfsburg-Tore 2 bis 4. Der Meister klettert Richtung Spitzengruppe. © Getty
Werder Bremen - 1. FSV Mainz 05 (3:0): Die Mainzer mit Jung-Trainer Thomas Tuchel (l.) zählen bislang zu de Überraschungsteams der Saison. In Bremen war aber nichts zu holen. Dass Hoogland (r.) schon in der 5. Minute verletzt runter musste, könnte das Team verunsichert haben. © dpa
Werder Bremen musste gegen Mainz 05 nochmals ohne Mesut Özil in die Partie starten - doch wie schon im Pokal gegen St. Pauli (2:1) erwies sich Aaron Hunt als würdiger Vertreter des Jung- Nationalspielers. Der Treffer des 23-Jährigen (Foto) brachte Werder auf die Siegerstraße. © dpa
Der Jubel war groß. © dpa
Dieser Fan ist mutmaßlich sehr früh aufgestanden und hat viel Zeit im Bad verbracht. Doch es hat sich gelohnt. © Getty
Claudio Pizarro (71./82.) machte mit seinen Saisontoren Nummer drei und vier den zweiten Heimsieg der Bremer perfekt. © AP
Hamburger SV - Bayern München (1:0): Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt war gezeichnet von einem Trainings-Zusammenstoß am Freitag und kam mit blauem Auge aufs Feld - ein weiteres bekam sein Team vom HSV verpasst. © AP
Shooting-Star Thomas Müller blieb torlos, hier scheitert er an Frank Rost. © Getty
Es traf nur ein Hamburger, der mitten in dieser Jubeltraube steht: Mladen Petric.  © dpa
In der 72. Minute schiebt er eine Hereingabe des Ex-Bayern Zé Roberto ein. © dpa
Hamburg ist damit Tabellenführer, punktgleich mit Bayer Leverkusen. © Getty
SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach: In anderen Regionen bewegen sich der SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach. Der Aufsteiger aus dem Breisgau überraschte zuletzt beim 4:0-Sieg in Berlin ... © dpa
... und auch gegen die Borussia hatte SC-Trainer Robin Dutt Grund zur Freude. © dpa
Seine Mannen waren den Gladbachern hochüberlegen und siegten verdient mit 3:0. © dpa
Auch Mo Idrissou war unter den Torschützen. © dpa
Der Aufsteiger spielt mit zehn Punkten aus sieben Spielen bisher eine außerordentlich gute Rolle in der Bundesliga. © dpa
1899 Hoffenheim - Hertha BSC: Die Kraichgauer waren in der Vorrunde der vergangenen Saison die Überraschungsmannschaft - und sie sorgen auch in dieser Runde für Furore. Gegen Hertha BSC gewannen die Hoffenheimer mit 5:1 (3:1). © dpa
Überragender Mann dabei war Stürmer Vedad Ibisevic, der in der ersten Halbzeit einen Hattrick erzielte. Es waren die ersten Bundesliga-Tore des Bosniers seit seinem Kreuzbandriss im Januar. © dpa
1899-Trainer Ralf Rangnick war zufrieden. © dpa
Für Hertha-Coach Lucien Favre dagegen wird die Luft immer dünner. © dpa
Während des Spiels wurden die Zuschauer auch über die ersten Hochrechnungen bei der Bundestagswahl informiert. © dpa

Hertha wird im schweren Europa-League-Spiel am Donnerstag bei Sporting Lissabon von U-23-Coach Karsten Heine betreut, der von diesem Dienstag an schon zum dritten Mal nach 1991 und 2007 als Interimscoach einspringt. Assistent ist der langjährige Hertha- Torhüter Christian Fiedler.

Heine wird die Mannschaft wohl auch in am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon sowie am Sonntag in der Bundesliga gegen den Hamburger SV betreuen. Fraglich blieb, wer Favre langfristig ersetzen soll. Lothar Matthäus, so berichtet die „Bild“ sei ein Kandidat, auch die beiden ehemaligen Hertha-Trainer Jürgen Röber und Hans Meyer werden gehandelt.

Die häufigsten Ja-Sager in Deutschland

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Ex-Fußballstar Lothar Matthäus (47) und seine Freundin Kristina Liliana (21) bummeln gemeinsam übers Oktoberfest 2008. Der Ex-Nationalfußballer hat in Las Vegas die Studentin geheiratet. Sie ist damit die vierte Ehefrau von Matthäus. © dpa
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Mehr als einmal Ja gesagt haben neben Matthäus auch etliche andere Prominente: Gleich fünfmal traute sich Joschka Fischer. Er liegt damit wohl auf Platz eins der fleißigsten Ja-Sager in Deutschland. © dpa
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Ex-Kanzler Gerhard Schröder tauschte viermal die Ringe... © dpa
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... genauso wie Autorin Eva Herman. © dpa
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Schauspieler Volker Lechtenbrink (64) sagte viermal "Ja!". © dpa
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Sky du Mont (61) mit seiner vierten Ehefrau, dem Ex-Playmate Mirja (32). © dpa
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Ehe, die Vierte: Sänger Gunter Gabriel (66). © dpa
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Springreiter Hans Günter Winkler (82) schloss viermal den Bund fürs Leben. © dpa
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Schauspieler Hans von Borsody (79), bekannt aus der Fernsehserie "Unser Charly", stand ebenfalls viermal vor dem Traualtar. © dpa
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Insgesamt sechsmal verheiratet: Moderatorin Heike Maurer (53) sagte viermal "Ja!". Für ihren jetzigen Mann Ralf Immel (43) ist es die zweite Ehe. © dpa
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Viermal getraut: Regisseur Helmut Dietl (64). © dpa
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TV-Moderator Hugo Egon Balder (58) fuhr viermal in den Hafen der Ehe ein. © dpa
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Jochen Busse (67) ist auch zum vierten Mal verheiratet. © dpa
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Schauspieler Karlheinz Böhm (80), Gründer der Stiftung "Menschen für Menschen", ist seit 1991 mit seiner vierten Ehefrau verheiratet. © dpa
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Schauspielerin Karin Baal (68) gelang 1956 an der Seite von Horst Buchholz in "Die Halbstarken" der Durchbruch. Sie ist zum vierten Mal verheiratet. © dpa
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Viermal geheiratet hat Modedesigner Otto Kern (58). © dpa
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Rocksänger Peter Maffay (59) lebt mit seiner vierten Ehefrau in Tutzing am Starnberger See. © dpa

Favre ist nach Jörn Andersen (Mainz 05), Dieter Hecking (Hannover 96) und Marcel Koller (VfL Bochum) schon der vierte Trainer, der in dieser Saison vorzeitig seinen Hut nehmen musste. “Die Analyse nach zuletzt insgesamt neun Gegentoren hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass dieser Schritt notwendig ist. Es hat sich alles verkehrt, was in der letzten Saison geklappt hat“, fügte Preetz hinzu, der erst im Sommer die Nachfolge des langjährigen Managers Dieter Hoeneß antrat.

Hoeneß hatte sich auch nach Meinungsverschiedenheiten mit Favre vorzeitig verabschiedet. Nun folgte der Schweizer, der noch einen Vertrag bis 2011 und das Vertrauen von Preetz besaß, aber sich mit abgewanderten Leistungsträgern wie Torjäger Marko Pantelic und dem Neu-Hoffenheimer Josip Simunic rieb. Die Abgänge wurden auch aus finanziellen Zwängen heraus nicht adäquat ersetzt. “Wir haben vor der Saison gesagt und gewusst, dass es schwierig werden kann. Dass es so happig wird zu Beginn, haben wir uns nicht vorgestellt“, gestand Preetz. Erste Aufgabe sei es, so schnell wie möglich die bedrohlichen Regionen zu verlassen.

Nach dem Vormittagstraining lächelte und winkte Favre, als wäre es schon sein Abschied. Nach dem schlechtesten Saisonstart seit der Abstiegs-Saison 1990/91 wirkte der 51-Jährige ebenso ratlos wie seine kopflos agierende Mannschaft. Einen Kommentar nach der Übungseinheit lehnte er ab, dafür kritisierte sein ebenfalls freigestellter Co-Trainer Harald Gämperle die Profis in einer Wutrede heftig. “Sie haben den Trainer, den Verein und die Fans im Stich gelassen. Sie haben noch nie zuvor bei einem solch guten Trainer trainiert“, sagte er erregt. Preetz sprach von einem “Ausbruch der Enttäuschung“.

Tatsächlich taumelt der Hauptstadt-Club seit Wochen von einer Blamage zur nächsten. Nach der Abreibung in Hoffenheim hatten sich Mannschaft und sportliche Leitung fast eine Dreiviertelstunde lang in der Kabine verschanzt. 17 Gegentore in sieben Liga-Spielen, das DFB-Pokal-Aus, eine sportliche Bankrott-Erklärung und Abstiegsängste zwangen die Hertha zum Handeln. Die Fans sehen im Internet Preetz und Clubchef Werner Gegenbauer als Mitschuldige - und eine Besserung scheint nicht in Sicht. Zur ohnehin langen Verletztenliste kommen neue Sorgen um Kapitän Arne Friedrich, der in Hoffenheim einen Bluterguss erlitt und womöglich in Lissabon fehlen wird.

Routinier Pal Dardai kündigte vor dem Favre-Ende an, dass sich die Spieler an diesem Dienstag zusammensetzen wollen, “um uns aus dem Loch auszugraben“. Die Schuld für den Absturz nach der knapp verpassten Meisterschaft der Vorsaison liege nicht nur beim Trainer oder einzelnen Spielern. “Jeder steht unter Druck“, betonte der Ungar. Nationalspieler wie Friedrich würden womöglich nicht mehr für ihre Auswahl nominiert, wenn sie weiter so spielten. Angesichts des frühen Saison-Zeitpunktes mochte Dardai aber nicht von der schlimmsten Lage sprechen, die er seit 1997 bei Hertha BSC erlebt habe. 2004 waren die Hauptstädter nach dem Rückrunden-Auftakt mit nur 13 Punkten Schlusslicht, knapp zwei Monate zuvor hatte Coach Huub Stevens gehen müssen.

dpa/tz

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