Die Hoffnung kehrt zurück: Schalke feiert Magath

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Schalke-Trainer Felix Magath.

Gelsenkirchen - Magath-Mania auf Schalke: Nach einem tristen Jahr unter der Regie des glücklosen Trainers Fred Rutten ist der Revierclub unter Felix Magath zu neuem Leben erwacht.

Selbst der strenge Felix Magath fand diesmal keinen Grund zur Klage. In ungewohnter Plauderlaune kommentierte der Trainer des FC Schalke 04 das souveräne 3:0 (2:0) über den VfL Bochum und den Sprung seiner Mannschaft an die Tabellenspitze. Anders als beim mühevollen Auftaktsieg am ersten Spieltag in Nürnberg, wo ihn sein neues Teams zu Wutanfällen an der Seitenlinie veranlasst hatte, fand der Fußball-Lehrer nur lobende Worte. Die Frage eines Medienvertreters, ob man die im Schalker Anhang aufkommende Euphorie nun bremsen müsse, entlockte ihm ein schelmisches Lächeln: “Warum fragen Sie mich das? Lassen Sie die Fans doch träumen.“

Die besten Sprüche des 2. Bundesliga-Spieltags

“Wir werden den Schmerz und das Drecksgefühl nach dieser Katastrophe nutzen, uns zu verbessern.“ (Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, nach der 1:4-Pleite in Hamburg) © Getty
“Man muss besonders Acht geben auf Franck Ribéry. Aber dass uns die Knie geschlottert haben, kann man nicht sagen.“ (Werder Bremens Manager Klaus Allofs zum Kurz-Comeback des Franzosen beim 1:1 bei Bayern München) © Getty
“Der Stürmer kam mit Tempo auf mich zu. Wo sollte ich hin. Ich kann mich nicht in Luft auflösen“ (Mainz-Torhüter Heinz Müller zur Situation, die zum Foulelfmeter für Hannover 96 führte) © Getty
“Wir haben auch am 2. Spieltag den Vorsprung auf die Bayern gehalten“ (Mainz 05-Manager Christian Heidel nach dem 1:1 in Hannover) © Getty
“Ich sage immer, dass neun Mannschaften drum kämpfen.“ (Wolfsburg-Coach Armin Veh mit einer Meisterschafts-Prognose) © Getty
“Es ist was los in der medizinischen Abteilung.“ (VfB-Trainer Markus Babbel am Sonntag zur Verletzungsserie beim Stuttgarter Fußball-Bundesligisten) © Getty
“Die Stimmung ändert sich nur durch Punkte und nicht anders.“ (Torwart Robert Enke zur Situation bei Hannover 96) © Getty
“Die Bremer haben wahnsinnig defensiv gespielt, sie haben verteidigt mit Mann und Maus - das ist nicht Bremen-like.“ (Bayern Münchens Torschütze Mario Gomez nach dem 1:1 gegen Werder) © Getty
“Das nächste Heimspiel zu Hause gegen Frankfurt - ich denke, da müssen wir gewinnen.“ (Kölns Heimkehrer Lukas Podolski nach dem 1:3 gegen Wolfsburg) © Getty

Nach einem tristen Jahr unter der Regie des glücklosen Trainers Fred Rutten ist der Revierclub zu neuem Leben erwacht. “Der FC Schalke ist wieder da“, skandierten die Fans. Binnen weniger Wochen ist es Hoffnungsträger Magath gelungen, das zuletzt schwierige Verhältnis zwischen Team und Tribüne zu verbessern. Die famos herausgespielten Treffer von Christoph Moritz (38.), Heiko Westermann (45.) und Jefferson Farfan (76.) verwandelten die Veltins-Arena erstmals seit Monaten wieder in ein Tollhaus. “Wir haben unseren Fans schon lange nicht mehr so einen Fußball geboten“, befand Nationalspieler Westermann.

Die Bilder des 2. Bundesliga-Spieltags

Hamburger SV - Borussia Dortmund (4:1): Vor Anpfiff zeigten sich HSV-Coach Bruno Labbadia und sein BVB-Kollege Jürgen Klopp bestens gelaunt. © Getty
Auch das Spiel machte Spaß: Die Fans in der AOL-Arena bekamen in den ersten zwölf Minuten ganze vier Treffer zu sehen. © Getty
Neben Zé Roberto (Mitte) trafen für den HSV in der Anfangsphase noch Guy Demel, Paolo Guerrero. Den BVB-Treffer erzielte Nelson Valdez. © Getty
Nach dem turbulenten Start ging es etwas ruhiger weiter, ehe Marcus Berg (Mitte) in der 74. Minute den vierten HSV-Treffer markierte. © Getty
4:1 gewonnen - da wird sogar ein Maskottchen übermütig. © Getty
Eintracht Frankfurt - 1. FC Nürnberg (1:1): Lange Zeit sah es für Eintracht Frankfurt nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel aus - Caio brachte die Hessen in der 17. Minute in Führung. © Getty
Die Eintracht (Foto: Selim Teber, r., mit Torschütze Caio) hoffte, den Dreier nach Hause zu schaukeln. © Getty
Doch dann wackelte das Netz auf der Gegenseite: Albert Bunjaku erzielte den Ausgleich für die Nürnberger. © Getty
Noch sehenswerter: Der akrobatische Jubel des Club-Neuzugangs. © Getty
FCN-Mittelfeldmann Mnari gönnt sich eine Erfrischung. © Getty
Bayern München - Werder Bremen (1:1): Trainer Louis van Gaal feierte in der Allianz Arena sein Bundesliga-Heimdebüt. © Getty
Doch von „Feiern“ konnte zunächst nur auf Bremer Seite die Rede sein: Nationalspieler Mesut Özil (Mitte) brachte die Werderaner in der 39. Minute in Führung. © AP
Dann kam Rekonvaleszent Franck Ribéry (Mitte) ins Spiel - und prompt drehten die Bayern auf. © Getty
30-Millionen-Neuzugang Mario Gomez erzielte sein erstes Bundesliga-Tor im Bayern-Dress. © Getty
1:1! Das zweite Unentschieden im zweiten Spiel - Mario Gomez & Co. können mit diesem Saisonstart nicht zufrieden sein. © Getty
VfB Stuttgart - SC Freiburg (4:2): In der ersten Halbzeit blieben die Aufreger rar - sogar für Heißsporn Jens Lehmann im VfB-Tor. © Getty
Bitter für den VfB Stuttgart: Martin Lanig (Mitte) erlitt einen Kreuzbandriss und wird für den Rest der Hinrunde ausfallen. © Getty
In der zweiten Hälfte sorgte die Zusammenarbeit zweier Neuzugänge für die Führung der Schwaben: Aliaksandr Hleb (gekommen vom FC Barcelona) spielte einen Traumpass in die Tiefe auf Boka, der legte quer zu Pavel Pogrebnjak (gekommen von Zenit St. Petersburg). Der Russe musste nur seinen Fuß hinhalten, und das Derby hatte sein erstes Tor. © Getty
Dann hatte der für Lanig eingewechselte Elson (r.) seinen großen Auftritt: Erst verwandelte er einen Elfmeter, dann zirkelte er einen Fernschuss über Freiburg-Torhüter Salz ins Netz. © Getty
Für Freiburg war Idrissou zweimal erfolgreich, für den VfB traf kurz vor Schluss noch Julian Schieber zum 4:2-Endstand. © Getty
Bayer Leverkusen - 1899 Hoffenheim (1:0): Schön anzuschauen war das neue Schmuckstück des Werksclubs. Bayer feierte Heim-Premiere in der umgebauten BayArena. © Getty
Weniger schön anzuschauen war zunächst das Spiel. Die Akteure wie Renato Augusto (Leverkusen) nahmen sich immer wieder Auszeiten. © Getty
Das einzige Tor des Spiels erzielte Stefan Kießling. © Getty
Der Nationalspieler jubelt mit seinen Kollegen ... © Getty
... und genießt den Jubel der Fans. © Getty
Hannover 96 - FSV Mainz 05 (1:1): Beste Stimmung bei bestem Wetter: Die Hannover-Fans amüsieren sich. © Getty
Au Backe! In der ersten Halbzeit gelang beiden Teams kein Treffer. Auch Hannovers Jacek Krzynowek (Foto) nicht. © Getty
Der eingewechselte Aristide Bancé brachte die Gäste aus Mainz in der 53. Minute mit 1:0 in Führung. © Getty
Doch schon drei Minuten später fiel der Ausgleich. Mainz-Keeper Heinz Müller half tatkräftig mit: Er holte Hannovers Didier Ya Konan unfair von den Beinen. © Getty
Den fälligen Strafstoß verwandelte Hannovers Offensiv-Idol Jiri Stajner zum 1:1-Endstand. © AP
1. FC Köln - VfL Wolfsburg (1:3): Das Samstagabend-Spiel war die Bundesliga-Heimpremiere für Lukas Podolski nach seiner Rückkehr nach Köln. Er wurde entsprechend von den Fans gefeiert - auch wenn er kein Tor erzielte. © dpa
Dafür durfte er nach Ehrets 1:0 in der 49. Minute mitjubeln. Irgendwo da mittendrin könnte er sein. Oder doch ganz unten? © dpa
Die restlichen drei Tore erzielten allerdings die Gäste aus Wolfsburg. Dzeko besorgte für den Meister den Ausgleich (Foto), das 2:1 war ein Eigentor von Kölns Womé. © dpa
Wolfsburgs Obafemi Martins machte mit dem 3:1 in der 87. Minute alles klar. Noch sehenswerter als sein Treffer allerdings war sein anschließender Jubel. © dpa
Die Bundesliga ist um einen Akrobaten reicher! © dpa
Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC (2:1): Am 1. Spieltag hatte sich Borussia Mönchengladbach beim Auswärtsspiel in Bochum einen 3:0-Vorsprung noch aus der Hand nehmen lassen... © dpa
... und auch gegen die Berliner gingen die Borussen in Führung - Brouwers traf per Kopf. © dpa
Borussen-Trainer Michael Frontzeck gibt Karim Matmour Anweisungen... © dpa
... und der setzt das hervorragend um: Kurz nach der Pause traf der Franzose zum 2:0. © dpa
Die Gladbacher kassierten zwar noch den Anschlusstreffer durch Kacar, retteten den Vorsprung aber über die Zeit. © dpa
Schalke 04 - VfL Bochum (3:0): Schalke hat Felix Magath als Trainer verpflichtet, um irgendwann in naher Zukunft wieder Deutscher Meister zu werden. Denn wo Magath ist, da ist Erfolg. © dpa
Gegen den VfL Bochum hatten die „Königsblauen“ überhaupt keine Probleme und feierten einen verdienten 3:0-Heimsieg. © dpa
Der VfL, in modisch zweifelhafter Trikotfarbe, hatten so gut wie keine Chance. © dpa
Drei Mal mussten die Bochumer den Ball aus dem eigenen Netz fischen. © dpa
Und der FC Schalke 04 steht, gemeinsam mit Magaths Ex-Club VfL Wolfsburg, nach dem 2. Spieltag an der Tabellenspitze. © dpa

Selten strahlte der Stern von Magath heller. Punkt- und torgleich führen sein ehemaliger Verein aus Wolfsburg und sein neuer Club aus Gelsenkirchen die Tabelle an. Wie schon an seiner alten Wirkungsstätte gelang es dem Meistertrainer auch “auf“ Schalke, die Spielkultur merklich anzuheben. Statt die Fans mit behäbigem und ideenlosem Aufbauspiel zu vergraulen, spielt der Vorjahres-Achte neuerdings schnell und direkt nach vorn. Gleichwohl taugen die bisherigen Gegner aus Nürnberg und Bochum kaum zur Klärung der Frage, ob das Team auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft ist. Das weiß auch Magath: “Wir haben die ersten beiden Spiele gewonnen. Mehr ist nicht passiert.“

Erst die Partie am Freitag bei 1899 Hoffenheim könnte brauchbare Aufschlüsse über das wahre Leistungsvermögen liefern. Der Vorteil: Zum ersten richtigen Härtetest der neuen Saison reisen die Schalker mit Rückenwind. Selbst der einstige Problemfall Jefferson Farfan, der noch in der vorigen Saison verunsichert wirkte, strotzt neuerdings vor Selbstvertrauen und brillierte gegen Bochum als Torschütze und Ideengeber.

Nicht nur der Angreifer aus Peru profitiert von Magaths Ratschlägen. Auch der eigentlich für die 2. Mannschaft verpflichtete Moritz entpuppt sich mehr und mehr als Volltreffer. Im Stile eines Routiniers sorgte der 19 Jahre alte Neuzugang in seinem zweiten Bundesligaspiel für das 1:0. Zur Freude von Magath: “Er ist dabei, sich festzuspielen. Überragend, wie er sich in die Mannschaft einfügt.“

Die Bochumer erwiesen sich als idealer Aufbaugegner. Nach nur zwei Spielen mit bereits sechs Gegentreffern geht beim VfL die Angst vor einer ähnlich schwierigen Saison wie im Vorjahr um, als der Klassenverbleib erst am zweitletzten Spieltag gesichert werden konnte. “Wir haben die ganze Woche von Mut gesprochen, uns aber heute versteckt“, klagte Trainer Marcel Koller. Ähnlich besorgt klang Sportvorstand Thomas Ernst: “Die Mannschaft hat in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie da war, wenn es darauf ankam. Das erhoffen wir uns auch für diese Saison.“

Von Heinz Büse

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