Neu-Herthaner sorgt für Wirbel

Umstrittene Ansichten: Lehmann legt mit steiler Corona-These nach, die sogar ein Sportmediziner „untersucht“

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Jens Lehmanns Ansichten zum Coronavirus sind umstritten.

Sportmediziner Wilhelm Bloch hat kein Verständnis für die jüngsten Aussagen des früheren Fußball-Nationaltorhüters Jens Lehmann zum Coronavirus.

  • Jens Lehmann verblüfft mit kuriosen Aussagen zum Coronavirus.
  • In einer TV-Sendung gab der einstige DFB-Held zu, selbst mit dem Coronavirus infiziert gewesen zu sein.
  • Für seine jüngsten Aussagen wird Lehmann von einem Sportmediziner kritisiert.

Update vom 13. Mai: „Das halte ich für eine Verharmlosung. Solche Aussagen sind aus medizinischer Sicht schwer nachvollziehbar", sagte Sportwissenschaftler Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule in Köln dem Sport-Informations-Dienst (SID) in Bezug auf Jens Lehmanns Corona-Theorien.

Lehmann, neuerdings Aufsichtsratsmitglied bei Bundesligist Hertha BSC, hatte am Dienstag beim TV-Sender beINSports erklärt: „Solange die Symptome nicht so schlimm sind, denke ich, müssen die Spieler damit zurechtkommen. (...) Ich denke also, für junge, gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem ist das keine so große Sorge."


Erst „wenn ich den Spieler ganz genau untersucht habe, kann ich sagen, ob eine Infektion Schäden verursacht hat", erläuterte Bloch: „Auch wenn ein Spieler symptomfrei ist, empfehlen wir mindestens zwei Wochen Pause."

Teils wirre Thesen ziehen dieser Tage weite Kreise. Ein ICE-Führer machte nun eine deutliche Ansage an Verschwörungstheoretiker. Ein Corona-Demonstrant, der mit kruden Theorien zu Verschwörungen um sich warf, war nach den Gegenfragen eines Beamten sprachlos.

Jens Lehmann: Corona-Infektion im März - vor seinem Doppelpass-Auftritt

Update vom 28. April: Zuletzt schimpfte er noch im Sport1-Doppelpass, jetzt folgt die Beichte: Jens Lehmann hat sich Mitte März mit dem Coronavirus infiziert. „Ich litt anderthalb Tage an Husten und leichtem Fieber“, sagte der 50-Jährige der Bild-Zeitung: „Nach zwei Wochen Quarantäne wurde ich von den Behörden wieder für gesund erklärt.“

Der Krankheitsverlauf sei „leichter als bei einer Grippe“ gewesen, „aber gefährdete Menschen müssen natürlich aufpassen. Es hilft wahrscheinlich auch, einigermaßen gesund zu leben“.

Lehmann wiederholte indes seine zuletzt bereits im Doppelpass geäußerte Forderung, bei einer Fortsetzung der Bundesliga-Saison die Stadien teilweise für Fans zu öffnen. „Ich habe bisher noch kein vernünftiges Gegenargument gehört“, sagte er: „Wenn nur jeder vierte Platz besetzt wird, ist genug Distanz untereinander. Wer gegen die Abstandsregel verstößt, fliegt raus und bekommt Stadionverbot.“ Die DFL hofft derzeit auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Generell unterstütze Lehmann die Aussagen von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. „Wir müssen Deutschland wieder hochfahren, damit die Wirtschaft überlebt. Das gilt für alle Wirtschaftszweige, auch für die Bundesliga*“, sagte Lehmann.

Der einstige Nationaltorwart wurde 2006 zum WM-Helden - wegen des Sommermärchens stand zuletzt auch Franz Beckenbauer immer wieder in den Schlagzeilen. Wie geht es dem Kaiser inzwischen gesundheitlich? Und was will uns Lukas Podolski, ebenfalls ein WM-Held von 2006, sagen? Hat er Sehnsucht nach dem FC Bayern?

Weit weniger kontrovers, aber schon beinahe ähnlich denkwürdig war Reiner Calmunds Auftritt im ARD-Talk „Maischberger. Die Woche“. Die Bundesliga-Ikone war einfach nicht zu bremsen.

Doppelpass: „Verschwörungstheorie“-Vorwürfe gegen Lehmann - Corona-Aussagen machen sogar Helmer sprachlos

Erstmeldung vom 19. April: Ismaning - Die Bundesliga in der Krise*. Während der Corona-Pause leiden viele Klubs extrem, man denke nur an Schalke 04. Wie und wann der Fußball weiter gehen kann, ist zwischenzeitlich eine existenzielle Frage

Während die meisten Fans nicht viel mit Geisterspielen anfangen können, scheinen die Partien ohne Zuschauer doch eine Art letzter Strohhalm zu sein. Aber ganz so einfach ist auch der Spielbetrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht. 

Doppelpass (Sport1): Geisterspiele in der Bundesliga? Ganz so einfach ist das nicht

„Nicht vertretbar!“, schimpfte SPD-Politiker Karl Lauterbach über die Gedanken an laufenden Spielbetrieb. Profis müssten vor jedem Spiel getestet werden, denkt man daran, wie knapp die Corona-Tests sind, wäre das völlig unverhältnismäßig, mahnte er vergangenen Sonntag

Nun wurde Lauterbachs düstere Corona-Vision erneut eingespielt und von einem Experten kommentiert. „Wir können das leisten“, widerspricht der Hamburger Labor-Mediziner Professor Kai Gutensohn. Trotz 20 000 zusätzlicher Tests - nur für den Profifußball - solle es keine Engpässe geben, zitiert der Sender den Mediziner. 

20 000 Corona-Tests nur für Fußball-Profis? Sport1 macht gewagten Vorschlag

„Natürlich muss die DFL diese Tests bezahlen und nicht die Krankenkassen. Das sollte die DFL vielleicht mal deutlich kommunizieren“, präsentiert Sport1 die eigene Meinung, „und vielleicht sollte die DFL zusätzlich weitere 20 000 Tests für die Allgemeinheit finanzieren. Wir (Sport1, d.R.) meinen: Die DFL sollte der Politik ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen kann.

Coronavirus: Fortsetzung der Bundesliga? „Keine Extrawurst für den Fußball“ 

Sofort gibt es Gegenwind vom eigenen Gast. Jörg Althoff, Sportchef der Bild, stellt klar: „Also ehrlich gesagt, ist mir das alles ein bisschen zu einfach gedacht.“ Es werde keine Extrawurst für den Fußball geben, nimmt er der Diskussion den Wind aus den Segeln. Die Entscheidungsgewalt liege schließlich bei der Politik.

Dopa (Sport1): Zuschauer denken bei Jens Lehmann an Verschwörungstheoretiker

„Ich glaube, dass wir von Politikern als auch von Virologen nicht so genau Bescheid bekommen, wie es sich eigentlich um das ganze Virus verhält“, lässt Jens Lehmann schon in seiner Einleitung vermuten, dass gleich etwas Kontroverses folgen dürfte. 

Die aktuellen Zahlen seien noch vor vier Wochen ideal gewesen, um eine Lockerung zu erzielen, malt der ehemalige Nationalkeeper auf. „Jetzt auf einmal, aus irgendwelchen Gründen, sind sie doch nicht gut genug“, gibt er sich verdutzt und erinnert manche Zuschauer sogar an einen Verschwörungstheoretiker.

Noch nie habe er so viele Menschen auf dem Fahrrad gesehen, wie zurzeit. Dort würden Polizisten nicht eingreifen, sie wissen schließlich langsam selbst nicht mehr genau, was erlaubt und verboten sei*, erläutert Lehmann seinen aktuellen Eindruck.

Jens Lehmann äußert Idee: 20 000 Menschen in die Allianz Arena 

Die Frage hat mir auch noch keiner beantworten können“, wirft der Ex-Stuttgarter nach einem Effenberg-Vergleich zwischen Baumärkten und Fußballstadien ein, „warum zum Beispiel in einem Stadion wie hier der Allianz Arena*, wo 70 000 Leute reinkommen, warum man da nicht 20 000 reinstecken kann.“

Sport1-Doppelpass: Lehmann bekommt sofort Gegenwind - aber das ist ihm egal

Man könne gar nicht organisieren, dass diese Menschen auseinander bleiben, gibt Althoff zu bedenken. Das sei aber im Baumarkt auch nicht möglich, kommt der direkte Konter von Lehmann. Jetzt weiß auch Thomas Helmer nicht mehr weiter. Der Moderator würgt ab, kündigt eine Maz zu den Vertragsverhandlungen von Manuel Neuer an und lässt lieber in die Werbung schalten.

Lehmann-Vorschlag erhitzt die Gemüter: Diskussion eskaliert im Netz 

Wahrscheinlich keine schlechte Idee. Denn in den Kommentarspalten auf Facebook brach der Streit schon los. „Da hat der Lehmann durchaus recht“, ist eine Meinung, „wieso widerspricht niemand diesem Lehmann? Unverantwortlich!“, wettert ein User mit anderer Haltung. Die Diskussion im Netz endet binnen kürzester Zeit in wüsten Beschimpfungen. Im Doppelpass wird das Thema nach der Pause auch nicht wieder aufgegriffen, sondern über andere Länder* und die Champions League* gesprochen.

Lehmann ist natürlich bei weitem nicht der einzige Promi, der seine Meinung zur Corona-Krise kundtut. So stieg jetzt urplötzlich auch Sophia Thomalla in die Diskussion ein. Ihre Aussagen sind, das war nicht schwer, weit weniger kontrovers als jene von Jens Lehmann. Trotzdem blieben sie vom Namensvetter des Torhüters nicht unbeantwortet. Gesundheitsminister Jens Spahn bezog Stellung zur Corona-Schelte von Sophia Thomalla.

Sport und Freizeit sind derzeit einfach schwer von der Politik loszulösen. Dass Juso-Chef Kevin Kühnert nun im Doppelpass zu Gast war, brachte einige Zuschauer allerdings richtig auf die Palme.

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Niemand anderes als Klub-Legende und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer wird beim FCB zur achtköpfigen Delegation gehören, die das Spiel gegen Eintracht Frankfurt vor Ort verfolgen darf.

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