Löw holt HSV-Youngster - Kießling und Frings nicht im Kader

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Joachim Löw strebt den Platz an der Sonne in der Deutschland-Gruppe an.

Frankfurt/Main - Mit einem Neuling, aber ohne Frings und Kießling tritt die Nationalmannschaft zu den WM-Qualifikationsspielen in Russland und gegen Finnland an.

Mit bewährten Kräften und mutiger Spielweise will der Fußball-Bundestrainer in den Partien am 10. Oktober auf dem ungewohnten Moskauer Kunstrasen und vier Tage später in Hamburg gegen Finnland die direkte Qualifikation für Südafrika 2010 perfekt machen. “Nur auf Unentschieden spielen, das liegt uns nicht, und das ist auch nicht mein Ansinnen: Ich möchte das Spiel in Russland gewinnen!“, sagte Löw am Tag der Kader-Bekanntgabe in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung“ (Freitag).

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Jerome Boateng wurde mit der U 21 Europameister - jetzt darf er auch das Trikot des A-Teams tragen

inziger Neuling im 24 Spieler umfassenden Aufgebot. Der Bremer Tim Wiese rückt für den erkrankten Schlussmann Robert Enke in den Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die entscheidenden Partien Richtung Südafrika, in denen allerdings der Leverkusener René Adler das Tor hüten soll. Alle anderen 22 Löw-Kandidaten gehörten auch schon im September beim Test gegen Südafrika (2:0) und im WM- Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan (4:0) zum DFB-Tross.

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Mit auf die Reise nach Russland gehen auch die zuletzt verletzten, angeschlagenen oder erkrankten Führungs- und Kreativkräfte Michael Ballack, Mesut Özil und Piotr Trochowski. Deren möglicher Mittelfeldpartner Frings - zuletzt im Februar im DFB-Dress aktiv - wartete hingegen wieder vergeblich auf einen Anruf des Bundestrainers. Als endgültige WM-Absage soll der Routinier die Personalauswahl aber immer noch nicht verstehen.

“Falls ich den Torsten gar nicht mehr möchte, dann sage ich ihm das direkt, und dann ist das Thema erledigt“, sagte Löw; merkte aber auch an: “Bei ihm lege ich in physischer Hinsicht einen hohen Maßstab an, wenn er den nicht erreicht, dann wird es problematisch.“ Auf der gegen ein offensiv erwartetes Russland enorm wichtigen Sechser- Position sieht Löw Thomas Hitzlsperger, Simon Rolfes oder Sami Khedira - wie Boateng ein Junioren-Champion des Sommers - als kompromissloser “Abräum-Partner“ neben Ballack im Vorteil.

Während außer Frings auch der Leverkusener Angreifer Stefan Kießling bei der Berufung nicht berücksichtigt wurde, erfüllt Boateng die Anforderungen des Bundestrainers. “Jérome hat in dieser Saison auf verschiedenen Positionen beim HSV eine gute Leistung geboten, ob als Innen- und Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld. Darüber hinaus hat er beim EM-Titelgewinn der U 21 einen starken Eindruck hinterlassen. Deshalb ist es die logische Konsequenz, dass er nun bei der Nationalmannschaft den nächsten Schritt machen soll“, sagte Löw.

Eine Rasendebatte um das Moskauer Plastik-Grün will Löw vor dem Showdown mit dem im packenden Hinspiel 2:1 besiegten Russen gar nicht erst aufkommen lassen. “Wir müssen uns eben in der kurzen Zeit darauf einstellen, bei der Vorbereitung in Mainz finden wir praktisch identische Gegebenheiten zu den Verhältnissen in Moskau. Der Kunstrasen darf kein Alibi sein“, sagte Löw.

Am Montagabend versammelt der 49-Jährige seine Akteure in Mainz, drei Tage später startet die Sondermaschine nach Moskau. Mit einem Sieg beim einzig verbliebenen Rivalen würde der WM-Dritte die direkte Qualifikation als Topteam der Gruppe 4 schon perfekt machen. Bei einem Remis wäre noch ein Sieg gegen Finnland notwendig, bei einer Niederlage würde es in der Endabrechnung sehr wahrscheinlich nur zu Platz zwei reichen, wodurch wie schon vor der WM 2002 der Umweg über die Playoff-Runde (14./18. November) notwendig wäre.

Das Aufgebot

Tor: René Adler (Bayer Leverkusen), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)

Abwehr: Andreas Beck (1899 Hoffenheim), Jerome Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (Hertha BSC), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg), Serdar Tasci (VfB Stuttgart), Heiko Westermann (Schalke 04)

Mittelfeld: Michael Ballack (FC Chelsea), Christian Gentner (VfL Wolfsburg), Thomas Hitzlsperger, Sami Khedira (beide VfB Stuttgart), Marko Marin, Mesut Özil (beide Werder Bremen), Simon Rolfes (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez, Miroslav Klose (beide Bayern München), Lukas Podolski (FC Köln)

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