Kommentar zum Länderspiel der DFB-Elf

Der Anfang vom Ende: Jogis Jungs im Sinkflug - schlimmer geht es nicht mehr

Ozan Tufan (M, Türkei) in Aktion mit Nico Schulz (Deutschland) und Luca Waldschmidt (r, Deutschland).
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Ozan Tufan (M, Türkei) in Aktion mit Nico Schulz (Deutschland) und Luca Waldschmidt (r, Deutschland).

Köln - Was war das denn? Am Mittwochabend trennte sich die deutsche Nationalmannschaft mit 3:3 Unentschieden von der türkischen Auswahl. Ein Spiel zum Vergessen. Kein Wunder, dass niemand mehr dieser deutschen Fußballmannschaft zusehen will, meint Redakteur Markus Zwigl im Kommentar.

Nicht einmal sechs Millionen Fußballfans wollten am Mittwochabend das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft sehen. Und das ist mehr als verständlich. Man muss den Menschen, welche nicht eingeschaltet haben, sogar gratulieren.

Die vor wenigen Jahren noch so hochgelobte deutsche Nationalmannschaft ist ein Schatten ihrer selbst. Angeführt von einem verunsicherten Kapitän Julian Draxler, der seit über drei Jahren bei Paris durchgehend nur auf der Bank sitzt, verspielte die Elf von Joachim Löw erneut eine Führung - zum dritten Mal in diesem Jahr und dreimal in einem Spiel.

Bankdrücker bilden Achse der deutschen Fußballnationalelf

Man muss sich die Mannschaft nur mal genauer ansehen. Antonio Rüdiger, bei Chelsea aussortiert, Nico Schulz, bei Dortmund nur noch dritte Wahl, Benjamin Henrichs, Bankdrücker bei RB Leipzig, Jonathan Tah, dritter Innenverteidiger bei Leverkusen oder Julian Brandt, derzeit nur Ergänzungsspieler bei Dortmund. Will man da wirklich mehr erwarten? Ich sage dennoch: Ja!

„Langsam gehen Joachim Löw die Argumente aus“, meint Redakteur Markus Zwigl

Die Türken reisten ebenfalls mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft nach Köln. Senol Günes wechselte sein Team im Vergleich zum letzten Spiel auf sechs Positionen. Die Nummer 32 der Weltrangliste konnte sich nicht für die WM 2018 qualifizieren und auch in den vergangenen Jahren nie wirklich überzeugen. Gegen so ein Team muss eine deutsche Nationalmannschaft besser abschneiden.

Vor allem wenn man beachtet, dass die Türken keine internationale Stars in ihren Reihen haben. Fast der komplette Kader ist in der Heimat aktiv und wir wissen alle, wie türkische Clubs in der Vergangenheit im europäischen Vergleich abgeschnitten haben. Den Ausgleichstreffer erzielte übrigens Kenan Karaman - Spieler des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf.

Keine Idee, kein Kampfgeist, kein Siegeswille

Es geht mit gar nicht um die spielerische Seite, aber wenn ich in einem Heimspiel dreimal in Führung liege, dann muss ich das Ergebnis gegen diese türkische Mannschaft über die Zeit schaukeln können. Wo sind die Typen oder das Gesicht der Mannschaft? Es war wieder keine Idee zu erkennen, kein Kampfgeist zu sehen. Der unbedingte Siegeswillen war nicht vorhanden.

Natürlich waren unsere Mannen vom FC Bayern, RB Leipzig oder Real Madrid nicht dabei; dafür mit Jonas Hofmann ein Debütant mit 28 Jahren. Dieser hat sich seinen Einsatz sicherlich verdient, allerdings stellt sich mir hier die Frage nach dem Umbruch. Die 31-jährigen Thomas Müller und Mats Hummels fielen dem Verjüngungsumbruch zum Opfer, damit ein 28-Jähriger debütiert? Das müssen Sie mir genauer erklären Herr Löw.

Wenn ich die Jugend fördern möchte und meine Stars schonen will, warum setze ich dann auf Spieler in den Mittzwanziger, welche in ihren Clubs keine Rolle spielen? Was ist mit Florian Wirtz, Dennis Geiger, Maximilian Eggestein und Felix Passlack? Natürlich ist das nicht die große Qualität, aber diese Talente spielen regelmäßig in ihren Vereinen und übernehmen dort Verantwortung.

Muss man wirklich alle Spieler 90 Minuten lang schonen?

Andererseits muss man sich auch fragen, ob man wirklich alle Spieler der genannten Clubs über 90 Minuten schonen muss. Schaut man sich die Aufstellungen von Frankreich, Portugal oder Spanien an, so ließt man auch Namen von Superstars wie Pogba, Mbappe, Ronaldo oder Busquets.

Lothar Matthäus (59) brachte es auf den Punkt: „Ich wundere mich, wenn ich sehe, dass da viele Spieler wie Nico Schulz für Deutschland auflaufen, die in ihren Vereinen auf der Bank sitzen. Genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein. Und sind wir doch mal ehrlich, recht viel schlechter als an diesem Abend in Köln gegen eine B-Mannschaft der Türkei kann es nicht mehr werden.

mz

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