Streit um den Sportdirektor

Löw-Machtwort: Der Chef bin ich

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Joachim Löw

Köln - Der Chef bin ich: Im heftigen Richtungs- und Kompetenzstreit zwischen Verband und Liga hat nun Bundestrainer Joachim Löw ein Machtwort gesprochen.

 „Der Sportdirektor muss ein kompetenter Ansprechpartner sein. Die sportlichen Richtlinien und letztlich auch die Verantwortung sollten wie bisher beim Bundestrainer bleiben. Klar gesagt: Die sportliche Linie für die A-Nationalmannschaft bestimmt allein der Bundestrainer“, sagte der 53-Jährige der Bild-Zeitung und erteilte damit den Forderungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) aus Brasilien eine deutliche Abfuhr.

Die DFL will bei der Auswahl des künftigen Sportdirektors nicht nur ein Mitspracherecht, sondern verlangt auch, dass dem Nachfolger von Robin Dutt mehr Macht eingeräumt und ihm auch die Nationalmannschaft unterstellt wird. Doch Löw lehnt eine solche Konstellation ein Jahr vor WM-Beginn nach wie vor konsequent ab und beansprucht vielmehr auch künftig bei der DFB-Auswahl das alleinige Sagen.

„Meiner Meinung nach sollte der Sportdirektor die fußballerische Philosophie, die der Bundestrainer vorgibt, in die U-Teams übertragen“, erläuterte Löw seine Vorstellungen von der Hierarchie innerhalb der sportlichen Leitung des DFB, dem allein er sich verpflichtet fühlt: „Meine Chefs sind Präsident Wolfgang Niersbach und Generalsekretär Helmut Sandrock.“

Durch ein altes Zitat von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert war am Vortag noch einmal ohne Absicht der Liga neues Öl ins Feuer gegossen worden. „Viele Klubs in der Bundesliga haben gute Erfahrungen damit gemacht, wenn der Sportdirektor tatsächlich verantwortlich ist für den gesamten sportlichen Bereich. Das hieße beim DFB: einschließlich der A-Nationalmannschaft“, hatte Seifert Anfang Juni geäußert und damit lange vor seinem Mit-Geschäftsführer Andreas Rettig für Diskussionsstoff gesorgt.

Dieser hatte unter anderem gefordert, dass die DFL nach den vorzeitigen Abgängen von Matthias Sammer und Robin Dutt bei der Suche nach dem dritten DFB-Sportdirektor eingebunden werden müsse. Dies wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aber bereits rigoros abgelehnt. „Die Personalie Sportdirektor ist eine originäre Aufgabe des DFB“, stellte Sandrock klar.

Löw, der derzeit beim Confed Cup in Brasilien weilt, ist vom Zoff zwischen DFB und DFL gar nicht begeistert - zumal sich die Diskussionen negativ auf die WM-Vorbereitung auswirken könnten: „Vorteilhaft ist sie sicher nicht. Die sollte besser intern geführt werden. Generell bin ich der Überzeugung, dass eine Diskussion über die Position des Bundestrainers - unabhängig von meiner Person - das Amt beschädigen würde“, sagte er

Der Nationalcoach betonte, dass er grundsätzlich an einer guten Zusammenarbeit mit dem künftigen Sportdirektor, über den bislang nur spekuliert werden kann, interessiert sei: „Mir ist sehr am Austausch mit dem Sportdirektor gelegen.“ Dass dies in sechs Jahren (2006 bis 2012) mit Sammer aber nie so richtig geklappt hat, ließ Löw außen vor.

Ginge es nach der DFL wäre „Mr. X“ künftig der Vorgesetzte des Bundestrainers, was aber nicht nur Löw sauer aufstößt. Auch beim DFB reagierte man vor der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag äußerst allergisch auf die publik gewordenen Forderungen der DFL, die zudem einen Strukturwandel beim weltgrößten Sportfachverband der Welt anregte.

DFB-Boss Niersbach, dem nach Informationen des Express nach nur 15-monatiger Amtszeit auch in den eigenen Verbands-Wänden der Gegenwind stärker ins Gesicht bläst, bezeichnete die Rettig-Attacke in ungewohnt scharfen Ton als „anmaßend und völlig unangebracht“. Mit dem Liga-Präsidenten Reinhard Rauball habe er bereits über diesen Vorgang geredet.

Dass Rauball und Seifert als Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung über den Inhalt des Rettig-Interviews eingeweiht waren, liegt allerdings auf der Hand, wie auch eine Äußerung von Heribert Bruchhagen unterstreicht. „Ich stehe grundsätzlich hinter seinen Aussagen und habe inhaltlich tendenziell nichts auszusetzen“, sagte der 64-Jährige, der als Vertreter der Liga auch im Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sitzt, dem SID.

Dass Löw der Chef im Ring bleiben soll, ist für den Vorstandschef von Eintracht Frankfurt aber ebenso klar: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Bundestrainer immer einen Stern mehr haben sollte als jeder andere, egal ob Sportdirektor oder wer auch immer sonst noch im sportlichen Bereich da ist. Das ist bei uns im Verein mit Armin Veh nicht anders. Der Trainer hat den Hut auf“, sagte er der Frankfurter Rundschau. Bruchhagen hätte es allerdings lieber gesehen, wenn man die Probleme hinter verschlossenen Türen besprochen hätte. Da liegt er mit Löw ganz auf einer Linie.

sid

 

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