Er spricht auch über Halle und Erdogan

Mesut Özil: Rassismus-Skandal? Weltmeister mit heftigen Vorwürfen - auch gegen den DFB

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Sein letztes Spiel für den DFB: Mesut Özil in Russland gegen Südkorea.
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Mesut Özil hat sich in einem Interview erstmals zu seinem DFB-Rücktritt geäußert. Dabei erklärte er auch, dass er von deutschen Fans rassistisch beleidigt worden sei.

London - Mesut Özil gilt seit jeher als feiner Techniker. Seine Werte sind beeindruckend: In seiner Zeit bei Werder Bremen, Real Madrid und beim FC Arsenal brachte es der deutsche Weltmeister von 2014 auf insgesamt 208 Assists (500 Spiele), dazu erzielte der Mittelfeldspieler 86 Tore.

Özil trat nach der WM 2018 in Russland aus der deutschen Nationalmannschaft zurück - zuvor hatte er noch ein Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gepostet, das für Wirbel sorgte. Jetzt sprach der gebürtige Gelsenkirchener, der am Dienstag 31 Jahre alt wurde, erstmals in einem Interview über sein Aus beim DFB.

Mesut Özil: Er spricht über seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Dem Onlineportal The Athletic (Artikel hinter Bezahlschranke) sagte Mesut Özil, dass er sich weder respektiert noch geschützt gefühlt habe. „Ich habe rassistische Anfeindungen bekommen, sogar von Politikern und Figuren des öffentlichen Lebens“, erklärte er. „Aber niemand von der Nationalmannschaft ist damals gekommen und hat gesagt: 'Hey, hört auf. Das ist unser Spieler, ihr könnt ihn nicht beleidigen.' Alle haben einfach geschwiegen und es geschehen lassen.“ Dieser Vorwurf geht auch indirekt an die Adresse von Trainer Jogi Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Özil bezieht sich dabei auf die Situation nach der Veröffentlichung jenes Erdogan-Fotos. Gleichzeitig kündigte er aber an, das Bild wieder zu machen und zu teilen. Dem Präsidenten der Türkei würde er immer Respekt zeigen. „Obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei ein Teil meines Erbes“, fügte er an. 

Zuletzt gab es vom DFB-Team noch Glückwünsche zum Geburtstag. Der Arsenal-Profi stellte allerdings klar, dass er auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel so gehandelt hätte. „Es geht einfach nur darum, dem höchsten Amt eines Landes Respekt zu zeigen.“

Bei einem Spiel der C-Junioren des SE Freising ist ebenfalls es zu einem Rassismus-Eklat auf dem Fußballplatz gekommen. Die Spieler wurden von Zuschauern und Gegnern übelst beschimpft. Die streiten alles ab. Derweil sorgt der Militärgruß, den türkische Fußballspieler derzeit auf dem Rasen zeigen, um ihre Solidarität ihrem Land und ihrem Präsidenten Erdogan gegenüber auszudrücken weiter für Wirbel. Mittlerweile ist der Gruß auch in den Amateurvereinen angekommen. Auch dieFußballer aus Garching bei München zeigten ihn bereits. Trotz Androhung harter Strafen, wie merkur.de* berichtet.

Mesut Özil: Recep Tayyip Erdogan oder Angela Merkel - „Geht darum, dem höchsten Amt eines Landes Respekt zu zeigen“

Dass Özil aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist, bereue er nicht. Die Leute müssten ihn nicht lieben, aber sie sollten respektieren, was er für Deutschland getan habe. Gleichzeitig äußerte sich der ehemalige Schalker, der zusammen mit Sead Kolasinac im Sommer einen Schockmoment erlebte, zu weiteren aktuellen Themen. Auch zum Drama in Halle. „Rassismus ist in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen“, so Özil. 

Nach dem WM-Aus in Russland wurde der Mittelfeldspieler rassistisch beleidigt, wie er weiter erzählt: „Als ich vom Platz gegangen bin, haben mir deutsche Leute gesagt, 'Geh zurück in dein Land', 'F... dich', 'Türkensau' und solche Sachen.“

Mesut Özil: Von deutschen Fans rassistisch beleidigt? 

Özil sprach auch über seine Zeit beim FC Arsenal: „Wenn wir in einem großen Spiel nicht gut sind, ist es immer meine Schuld“, betont er. Damit bezieht er sich auf die fortwährende Kritik der Fans, die er immer wieder einstecken müsse. Trotzdem wolle er bei den Gunners weiterhin alles geben und seinen Vertrag bis 2021 erfüllen.

Ein ehemaliger deutscher Nationaltrainer scheint inzwischen einen neuen Job gefunden zu haben. Erdogan spielt auch bei einem anderen Foto eine Rolle. Der Staatspräsident äußerte sich nun zum Wirbel rund um den Militär-Jubel der türkischen Nationalmannschaft. Lässt nach Mesut Özil wieder ein deutsches Talent seine Schalker Vergangenheit hinter sich? Alexander Nübel sprach über seine Zukunftspläne, wie tz.de* berichtet.

Archiv-Video von 2018: Rassismus-Debatte wegen Özils Rücktritt aus der Nationalelf

*tz.de und mnerkur.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

akl

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