Legende redet Klartext

Netzer vermisst echte Kerle im Fußball

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Fußball-Legende Günter Netzer

Nürnberg - Günter Netzer (69), früherer Nationalspieler und Fußball-Legende, vermisst im heutigen Profi-Fußball individualistische Spieler-Persönlichkeiten.

„Individualisten wie früher sind heute nicht mehr so vorhanden“, sagte Netzer am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. „Das vermisse ich manchmal in den Mannschaften: sich verantwortlich fühlende Spieler, die tatsächlich vorangehen und tatsächlich etwas bewirken können“, sagte Netzer, der in Nürnberg mit dem Deutschen Fußballkulturpreis ausgezeichnet wurde.

Er räumte zugleich ein, dass es das frühere Original Günter Netzer im heutigen Profi-Fußball schwer hätte. „So in der Form, wie ich das einst interpretiert habe, denke ich, dass es so heute nicht mehr geht“, sagte er. So jemand hätte schon einige Schwierigkeiten. Netzer galt in seiner aktiven Zeit als „Fußball-Rebell“. Legendär ist dabei seine eigene Einwechselung im DFB-Pokalfinale 1973 zwischen Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln - gegen den ausdrücklichen Willen von Trainer Hennes Weisweiler.

Wembley, Helmer, Kießling: Diese Tor-Skandale sorgten für Schlagzeilen

Das Phantomtor von Stefan Kießling beim 2:1 von Bayer Leverkusen bei 1899 Hoffenheim weckte Erinnerungen an den Fall Thomas Helmer aus dem Jahr 1994. Es war nicht die einzige Fehlentscheidung der Fußball-Geschichte, die mit der Torlinientechnologie wohl nicht passiert wäre. © picture alliance / dpa
DAS WEMBLEY-TOR: Das 3:2 des Engländers Geoff Hurst im Endspiel der Weltmeisterschaft 1966 gegen Deutschland ist ein Mythos der Fußball-Geschichte. Bis heute ist ungeklärt, ob der Ball nach dem Schuss von Hurst an die Unterkante der Latte mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie aufsprang. Der sowjetische Linienrichter Tofik Bachramow hatte den Ball hinter der Linie gesehen. © picture alliance / dpa
PHANTOM-TOR I: Dieser Fall ist dem Phantom-Tor von Stefan Kießling am ähnlichsten: Beim Zweitliga-Spiel zwischen Borussia Neunkirchen und den Stuttgarter Kickers (4:3) am 21. Oktober 1978 erkennt der Schiedsrichter ein Tor der Saarländer an, obwohl der Ball durch ein Loch im Seitennetz ins Tor gelangt. Nach einem Einspruch der Kickers und einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht wird der Fernsehbeweis zugelassen und das Spiel wiederholt. Stuttgart gewinnt 1:0. © picture alliance / dpa
KORRIGIERTE FEHLENTSCHEIDUNG: Beim 3:0-Sieg von Bayer Leverkusen gegen Bayern München trifft Arne-Larsen Ökland nach seinem Hattrick im ersten Durchgang mit einem weiteren Schussversuch im zweiten Durchgang die Netzstange hinter Münchens Tor. Beim Zurückprallen trifft der Ball das Tornetz, sodass der Schiedsrichter auf Tor entscheidet. Noch vor Wiederanstoß allerdings korrigierte der Referee seine Fehlentscheidung, nachdem Ökland selbst die Situation aufgeklärt hatte. Der Unparteiische bedankt sich beim Norweger per Handschlag. © picture alliance / dpa
HELMERS PHANTOM-TOR: Im Bundesliga-Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg am 23. April 1994 drückt Thomas Helmer den Ball neben das Tor. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers („Das war der Supergau“) entscheidet nach Befragen des Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor zum 1:0 für die Münchner. Nürnberg protestiert mit Erfolg, das Wiederholungsspiel gewinnen die Bayern 5:0. © picture-alliance / dpa/ SID
HOFFENHEIMER TORKLAU I: Beim Saisonauftakt 2009/10 gegen Bayern München prallt ein Kopfball von Josip Simunic an den Innenpfosten und von dort über die Torlinie. Schiedsrichter Babak Rafati erkannte das Tor nicht an, weil der Assistent falsch lag. Die Partie endete 1:1. © picture-alliance/ dpa
DAS DUISBURGER WITZ-TOR: Beim 5:0-Sieg des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt in der 2. Liga am 17. Januar 2010 prallt ein Schlenzer von Christian Tiffert gegen die Latte, der Ball springt nach Berechnungen des TV-Senders Sky 1,3 Meter vor der Linie auf. Schiedsrichter Marco Fritz gibt dennoch Tor zum 5:0, weil dies sein Assistent anzeigt. © picture alliance / dpa
DIE WEMBLEY-REVANCHE: Deutschland „revanchiert“ sich gegen England 44 Jahre später bei der WM in Südafrika im Achtelfinale. Frank Lampards Schuss schlägt von der Lattenunterkante klar hinter der Torlinie auf. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay lässt aber weiterspielen. Es wäre das 2:2 gewesen. Deutschland siegt am Ende 4:1. © picture alliance / dpa
DAS UKRAINE-TOR: Bei der EM 2012 hat England wieder Glück. Der Ukrainer Marko Devic schießt beim Stand von 0:1 Englands Torhüter Joe Hart an, John Terry kann den Ball erst hinter der Linie klären. Die TV-Bilder sind eindeutig, Referee Viktor Kassai aus Ungarn lässt die Partie weiterlaufen. Auch der Torrichter reagiert nicht. © picture alliance / dpa
HOFFENHEIMER TORKLAU II: Vier Jahre später erwischt es die Kraichgauer erneut. Kevin Vollands Heber im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg landet klar hinter der Torlinie, doch Referee Thorsten Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe sehen es nicht. Das kostet Hoffenheim beim 2:2 den Sieg. © picture alliance / dpa
KIEßLINGS PHANTOM-TOR: Am 18. Oktober 2013 geht ein Kopfball des Leverkuseners Stefan Kießling ans Außennetz des Hoffenheimer Tores. Durch ein Loch im Netz gelangt der Ball ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych entscheidet auf Tor. Leverkusen gewinnt das Spiel 2:1, Hoffenheim legt gegen die Wertung Einspruch ein. © dpa

Netzer räumte auch ein, dass seine Fußballer-Generation mit den Fans sehr arrogant umgegangen sei. „Auf die Idee, Fans mal die Hand zu schütteln, darauf ist damals keiner von uns gekommen. Wir hatten damals gedacht "Die können doch froh sein, dass sie uns zuschauen dürfen"“. So eine Haltung sei heute undenkbar. Nachträglich mache ihn diese Arroganz seiner Spielergeneration betroffen. „Und ich bin auch dabei, meine früheren Sünden in diesem Punkt zu tilgen“, betonte er vor 400 Besuchern der Preisverleihungs-Gala der Akademie für Fußballkultur.

dpa

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