„Noch nie so ein gutes Bayern gesehen“

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Hochzufrieden mit der Leistung seines Teams: Louis van Gaal

München - Nur der goldene Schuss ins Glück fehlte. Ansonsten schwärmten alle unisono von der Top-Leistung des FC Bayern gegen Juventus Turin.

Der ach so strenge Trainer Louis van Gaal hatte in seiner Amtszeit “noch nie so ein gutes Bayern gesehen“, auch Manager Uli Hoeneß schwärmte nach der attraktiven Champions-League-Nullnummer gegen Juventus Turin insbesondere von einer “überragenden ersten Halbzeit“. Aber trotz der behaupteten Tabellenführung stand der deutsche Fußball-Rekordmeister am Mittwochabend in der ausverkauften Allianz Arena recht betrübt da.

“Wir haben Juve dominiert“, stellte Philipp Lahm stolz fest, aber der Kapitän rügte auch unverblümt das Versagen im Abschluss: “Wenn man in der ersten Hälfte dreimal allein auf den Torwart zuläuft, muss man ein Tor machen in der Champions League. Normal kriegt man da nicht so viele Chancen. Wir müssen mal wieder 1:0 in Führung gehen.“

Statt komfortable fünf Punkte Vorsprung auf Juve zu haben, liegen die Bayern nach dem 2. Spieltag nun mit “nur“ vier Zählern gleichauf mit dem kommenden Gegner Girondins Bordeaux an der Spitze der Gruppe A vor Juve (1) und Maccabi Haifa (0). “Heute hätten wir einen Riesenschritt machen können, das ist ärgerlich“, trauerte Torhüter Jörg Butt den zwei verschenkten Big Points nach. “Die Gruppe ist wahrscheinlich die schwerste von allen“, stöhnte Hoeneß und orakelte: “Da darfst du möglichst kein Spiel verlieren.“

Die italienischen Medien bejubelten am Donnerstag Juves Abwehr- “Mauer“, feierten wie die “Gazzetta dello Sport“ einen “goldenen Punkt“. Der Ex-Bremer Diego, der nicht brillieren konnte, wurde wegen der “Entdeckung als großer Verteidiger“ gefeiert, weil er in höchster Not im eigenen Strafraum einen Treffer des Bayern-Youngsters Thomas Müller verhindert hatte. “Wir sind nicht ganz zufrieden“, sagte Diego, “aber in der Gruppe ist alles offen.“

Aber nur, weil bei Bayern vor dem Tor Flaute herrscht. Namhafte und auch teure Stürmer en masse haben die Münchner, aber keiner knipst am Fließband wie es einst der gegen seine Landsleute auf die Tribüne verbannte Weltmeister Luca Toni tat. 30-Millionen-Einkauf Mario Gomez hat van Gaal zum wirkungslosen Joker zurückgestuft, Toni findet er nicht fit - und Miroslav Klose verstolperte auch noch aus wenigen Metern die letzte Bayern-Großchance (60.). Zwischen Pech wie bei der zirkusreifen Solo-Nummer des in der Königsklasse wieder wie aufgedreht wirbelnden Franck Ribéry und Unvermögen bewegten sich die Bayern-Angreifer. “Aber wenn wir so spielen, ist das eine Frage der Zeit“, kommentierte van Gaal (noch) nachsichtig.

Die Bayern demonstrierten vor 66 000 Zuschauern mit gleich fünf Eigengewächsen in der Startformation - aber ohne den nächsten zum Bankdrücker degradierten Millionen-Zugang Anatoli Timoschtschuk - internationale Reife gegen ein europäisches Schwergewicht. “Wir haben gesehen, dass wir auf höchstem Niveau mitspielen können“, erklärte Hoeneß, auch wenn Nationalspieler Bastian Schweinsteiger diese Einschätzung etwas relativierte: “Juve ist eine gute Mannschaft, aber Barcelona und Manchester stehen nochmal eine Stufe höher.“

Und van Gaal sucht bei Bayern auch nach wie vor sein ideales Team, tauscht Personal und Systeme weiterhin in atemberaubendem Tempo. “Jetzt sollte man mal an den Spielern festhalten und auch am System“, bemerkte Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg als “Sky“-Experte.

Sofortiges Umschalten von Champions League auf den Liga-Alltag verlangte Hoeneß. Lukas Podolski soll am Samstag zumindest auf dem Platz nichts zu lachen haben bei der Rückkehr mit dem 1. FC Köln nach München. “Jetzt müssen wir in der Bundesliga schauen, dass wir den Abstand so schnell wie möglich verkleinern“, erklärte Hoeneß.

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