Özil, Müller, Kroos: Die neuen jungen Wilden

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Zwei Youngster im direkten Duell: Mesut Özil (l.) setzt sich gegen Toni Kroos durch

Düsseldorf - Jugend als Tugend - in der Fußball-Bundesliga werden selbst tragende Rollen mehr und mehr mit Talenten besetzt. Vielerorts macht sich dieser Sinneswandel bezahlt.

Trotz sinkenden Alters der Profis steigt die Qualität. Woche für Woche stellt die vermeintlich unreife “Generation Internat“ (“Süddeutsche Zeitung“) um Profis wie Mesut Özil (Werder Bremen), Jerome Boateng (Hamburger SV), Toni Kroos (Bayer Leverkusen) und Thomas Müller (Bayern München) verblüffende Reife unter Beweis. “Von dieser Entwicklung werden wir sowohl in der Bundesliga als auch im Nationalteam profitieren“, orakelte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

Der WM-Check: Wen nimmt Jogi Löw mit nach Südafrika?

"Wen nehme ich mit nach Südafrika?" Jogi Löws Gehirn arbeitet derzeit auf Hochtouren. Zum Leistungstest von 25. bis 27. Januar will er einen erweiterten Kader von rund 35 Spielern berufen, zur WM dürfen am Ende exakt 23 Spieler. Wer ist gesetzt, wer muss zittern, wer darf hoffen? Wir zeigen Ihnen die WM-Kandidaten und ihre Chancen, mit nach Südafrika zu fahren. Natürlich sind dabei unvorhergesehene Ereignisse wie schwere Verletzungen außen vor. Klicken Sie sich durch! © Getty
René Adler: Auch wenn Jogi Löw sich noch nicht auf eine Nummer 1 festgelegt hat: Vieles deutet auf René Adler hin. Der Leverkusener durfte in den wichtigen Quali-Spielen gegen Russland ran und hielt stark. Ob als Stammkeeper oder nicht Zur WM fährt er auf jeden Fall mit. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Manuel Neuer: Der 23-Jährige stand in erst zwei Länderspielen im Kasten. Seine Chancen, bei der WM die Nummer 1 zu sein, sind zwar gering. Aber wenn der Schalker in der Rückrunde nicht völlig einbricht, ist er dabei. WM-Chancen: 95 Prozent © Getty
Tim Wiese: Sportlich war er schon jahrelang top, inzwischen ist der Bremer auch menschlich gereift. Aus dem manchmal arrogant wirkenden Keeper ist ein Muster-Profi geworden. Manche Experten hatten befürchtet, er würde möglicherweise für Unruhe sorgen, wenn er als Nummer 3 mit zur WM fährt. Doch diese Sorgen hat er durch tadelloses Auftreten zerstreut. Ein Bankplatz in Südafrika ist wahrscheinlich. WM-Chancen: 85 Prozent © Getty
Timo Hildebrand: Wenn Drei sich streiten, freut sich eventuell der Vierte. Hildebrand könnte nachrücken, falls einer der Top 3 Stunk macht oder sich verletzt. Der 30-Jährige hat zwischen 2004 und 2007 insgesamt sieben Länderspiele bestritten. Nach seinem Wechsel zum FC Valencia fiel er in ein Loch. In Hoffenheim knüpfte er nun an alte Leistungen an. Und macht sich Hoffnungen auf ein Comeback. WM-Chancen: 10 Prozent © Getty
Hans-Jörg Butt: Der Routinier wäre die ideale Nummer 3 für die WM, falls Löw kurzfristig Ersatz sucht. Beim FC Bayern spielte der 35-Jährige eine bärenstarke Hinrunde. Noch dazu hat er als zeitweise Nummer 2 beim Rekordmeister hinter Michael Rensing bewiesen, dass er absolut loyal ist. Was manche schon vergessen haben: Er war auch bei der EM 2000 und der WM 2002 mit dabei. WM-Chancen: 10 Prozent © Getty
Per Mertesacker: "Merte" ist aus der DFB-Abwehr nicht mehr wegzudenken. 2004 feierte der damals 20-Jährige sein Nationalelf-Debüt und ist längst unumstrittener Stammspieler und Abwehrchef. Die Frage ist nicht "Spielt Mertesacker?", sondern "Wer spielt neben Mertesacker?". WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Philipp Lahm: Er kann links wie rechts, wo Joachim Löw ihn eben braucht: Der Außenverteidiger hat einen Stammplatz sicher, nur auf welcher Seite ihn Löw einsetzt, wechselt. Lahm spielt lieber rechts, seine stärksten Spiele machte er beim FC Bayern aber als Linksverteidiger. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Arne Friedrich: "Mister Zuverlässig" ist irgendwie aus der Nationalmannschaft nicht wegzudenken. In den vergangenen Jahren spielte er im DFB-Dress meist als Außenverteidiger, auch mangels Alternativen. In der Offensive wirkt er allerdings oft zu behäbig. Weil er auch im Abwehrzentrum (seine Lieblingsposition) spielen kann, dürfte einer WM-Nominierung nichts im Wege stehen. WM-Chancen: 95 Prozent © Getty
Heiko Westermann: Der Schalke-Kapitän kann außer Torwart alle Defensiv-Positionen bekleiden. Während ihn Löw meist in der Innenverteidigung nominiert, spielt er bei den Königsblauen meist im defensiven Mittelfeld. Auch als Außenverteidiger kann er aushelfen. Einen derart vielseitigen und abgeklärten Mann kann Löw eigentlich kaum zu Hause lassen. WM-Chancen: 95 Prozent © Getty
Jérôme Boateng: Sein Nationalelf-Debüt ist ziemlich missglückt: Im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (1:0) flog er mit Gelb-Rot vom Platz. Dennoch gehört dem U21-Europameister die Zukunft. Beim Hamburger SV ist er Stammspieler. Der Deutsch-Ghanaer kann (wie meist beim HSV) in der Innenverteidigung agieren oder als Rechtsverteidiger spielen. Letzteres ist eine Problemposition in der DFB-Elf. WM-Chancen: 70 Prozent © Getty
Andreas Beck: Der Blondschopf profitiert davon, dass Löw auf den Außenpositionen noch nicht die Ideallösung gefunden hat. Lahm links, Beck rechts - so könnten die WM-Flügel aussehen. In einer wechselhaften Hoffenheim-Elf war er in der Hinrunde einer der konstantesten. Allerdings ist auch sein Ticket nach Südafrika noch lange nicht gesichert. Löw wird genau hinschauen. WM-Chancen: 50 Prozent © Getty
Serdar Tasci: In der DFB-Elf konnte der 22-Jährige selten überzeugen, und auch die Hinrunde beim VfB Stuttgart lief nicht nach Wunsch. Löw schätzt den Biss und die Abgeklärtheit des Innenverteidigers, doch wenn er sich nicht steigert, muss er die WM möglicherweise vor dem Fernseher verfolgen. WM-Chancen: 50 Prozent © Getty
Holger Badstuber: "Holger wer?" - Vor der Saison war der gebürtige Allgäuer noch nicht jedem ein Begriff. Doch Bayern-Trainer Louis van Gaal schenkte ihm das Vertrauen. Bilanz vor der Saison: 0 Bundesliga-Einsätze. Bilanz nach der Hinrunde: 17 Bundesliga-Einsätze. Der 20-Jährige durfte in allen Spielen ran, ob als Innenverteidiger oder als linker Außenverteidiger. Für sein Alter zeigte er sich schon unglaublich abgeklärt. Joachim Löw zeigt sich beeindruckt und machte dem Youngster Hoffnung auf die WM. Wer beim FC Bayern Stammspieler ist, ist natürlich immer ein DFB-Kandidat. WM-Chancen: 40 Prozent © Getty
Manuel Friedrich: Noch ein Friedrich. Der 30-Jährige hat neun Länderspiele auf dem Konto - das letzte am 6. Februar 2008 (3:0 gegen Österreich). Seitdem war er weg. Doch durch eine starke Hinrunde könnte er sich wieder in Löws Fokus gespielt haben. Zusammen mit Sami Hyppiä machte er bei Bayer Leverkusen den Laden dicht und hatte entscheidenden Anteil an der Herbstmeisterschaft. Das dürfte Löw beeindruckt haben. WM-Chancen: 30 Prozent © Getty
Marcel Schäfer: Mit dem VfL Wolfsburg wurde der 25-Jährige Deutscher Meister - und bekam 2009 auch in der Nationalelf Aufwind. In die Stotter-Hinrunde des Meisters reihte sich der Linksverteidiger aber nahtlos ein. Am 16. Spieltag bekam er von VfL-Coach Armin Veh die Höchststrafe verordnet und wurde in der 21. Minute ausgewechselt. In der derzeitigen Form kein WM-Kandidat - doch links hinten fehlen Löw die Alternativen. WM-Chancen: 30 Prozent © Getty
Benedikt Höwedes: Die Karrierekurve des Schalkers zeigt steil nach oben: Im Sommer wurde er U-21-Europameister, auf Schalke ist er inzwischen Stammspieler. Zum A-Team bekam er bislang keine Einladung. Aber das könnte sich bis zur WM noch ändern. WM-Chancen: 25 Prozent © Getty
Christian Träsch: Sein Debüt in der Nationalelf feierte er am 2. Juni 2009 beim 7:2 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf seinen zweiten Einsatz wartet er bis heute. In einer schwachen Mannschaft des VfB Stuttgart war er oft noch derjenige, der durch Einsatz und Zweikampfstärke herausragte. Bei den Schwaben kommt er inzwischen nicht mehr als Rechtsverteidiger, sondern als Sechser zum Einsatz. Diese Vielseitigkeit könnte Pluspunkte bei Jogi Löw geben. WM-Chancen: 20 Prozent © Getty
Mats Hummels: Bei der U-21-EM im Sommer (Deutschland holte den Titel) war er einer der stärksten. Seitdem wartet er wohl, dass auf seinem Handy die Nummer von Joachim Löw aufleuchtet. Bei Borussia Dortmund ist der 21-Jährige Stammspieler in der Innenverteidiger, auch im defensive Mittelfeld kann der 1,91-Meter-Lulatsch spielen. Allerdings: Löw wird gerade in der Abwehr die "Youngster-Quote" nicht zu hoch halten und keinen halben Jugendtrupp mitnehmen. WM-Chancen: 15 Prozent © Getty
Robert Huth: Was macht der eigentlich? Er spielt noch immer in England, genauer gesagt bei Stoke City im Stamm. Um 2005 war er ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft, bei der WM 2006 war er dabei, durfte aber nicht spielen. Danach stockte seine DFB-Karriere - im Sommer 2009 gönnte ihm Löw aber ein Comeback und zwei Spiele. Als Überraschung ist der Innenverteidiger immer gut. WM-Chancen: 10 Prozent © Getty
Christoph Metzelder: 47 Länderspiele hat der 29-Jährige auf dem Konto - doch das letzte ist schon eine Weile her. Es war das EM-Finale gegen Spanien am 29. Juni 2008. Seitdem ist er bei Löw abgemeldet und kämpft auch bei Real Madrid eher erfolglos um einen Stammplatz. Seine Qualitäten sind unbestritten - kann er sie in die Rückrunde wieder abrufen? Nur dann könnte er wieder ein Thema werden. WM-Chancen: 10 Prozent © Getty
Marvin Compper: Der Hoffenheimer Höhenflug wehte den Abwehrmann in die Nationalelf - er durfte am 19. November 2008 gegen England (1:2) ran. Dort machte er keine glückliche Figur - und darf sich inzwischen wieder auf seine Aufgaben im Verein konzentrieren. Die erledigte er in den letzten Wochen solide, nicht mehr, nicht weniger. Joachim Löw dürfte ihn weiter auf dem Zettel haben, allerdings eher als Ersatzmann der Reservisten der Beinahe-Nachrücker. WM-Chancen: 5 Prozent © Getty
Michael Ballack: Der "Capitano" ist gesetzt, ganz klar. Schließlich ist der Chelsea-Mittelfeldmann der einzige Deutsche, der Stammspieler bei einem ausländischen Top-Club ist. Ballack ist der velängerte Arm von Joachim Löw, wichtig als Strippenzieher und natürlich auch als Torschütze (42 Treffer in 97 Länderspielen). WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Simon Rolfes: Der Leverkusener hat derzeit die besten Chancen auf den Platz in der Doppel-Sechs neben Michael Ballack. Oft wirkt er unauffällig - doch nicht nur Joachim Löw weiß um seinen wahren Wert und wird ihn sicher nach Südafrika mitnehmen. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Mesut Özil: Mega-Mesut ist Deutschlands neuer Hoffnungsträger. Er hat erst sieben Länderspieleinsätze auf dem Konto - und ist doch längst aus Joachim Löws Truppe nicht mehr wegzudenken. Bei Werder Bremen machte der Spielmacher in der Hinrunde den abgewanderten Diego vergessen. Im DFB-Dress nährte er Hoffnungen auf einen großen deutschen Spielmacher in der Tradition von Netzer & Co. Vieles spricht dafür, dass er bei der WM Stammspieler sein wird. Dabei ist der 21-Jährige auf jeden Fall. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Bastian Schweinsteiger: Zeitweise schien er nur in der Nationalelf sein volles Potenzial abzurufen, in der Hinrunde unter Trainer Louis van Gaal spielte er auch im Bayern-Dress bärenstark und verpasste kein Liga-Spiel. Bei Joachim Löw ist er als Stammspieler eingeplant - der 25-Jährige (bislang 72 Länderspiele) könnte sogar eines Tages Lothar Matthäus (150 Einsätze) den Titel als Rekordnationalspieler streitig machen. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Marko Marin: Bei der WM 2008 ist der damalige Gladbacher sensationell im vorläufigen Kader aufgetaucht - und wurde von Löw dann doch noch gestrichen. Seit seinem Wechsel zu Werder Bremen spielt der Dribbelzwerg konstanter - und ist auch bei Joachim Löw Stammgast. Seine Chancen auf einen Platz in der ersten Elf sind gering, mitfahren dürfte er allerdings, weil er Spielen eine entscheidende Wendung geben kann. WM-Chancen: 70 Prozent © Getty
Toni Kroos: Was für eine Hinrunde! Der vom FC Bayern an Bayer Leverkusen verliehene Offensivmann spielte ganz groß auf. Eigentlich sagen ihm alle Experten eine große Nationalelf-Karriere für die Zeit nach der WM 2010 voraus. Nun könnte es doch schneller gehen. Löw kann es sich eigentlich kaum leisten, einen solchen Mann zu Hause zu lassen. Und lobte den 20-Jährigen in der Winterpause in den höchsten Tönen. "Wir haben seine guten Leistungen aus der Hinrunde und in der U 21-Auswahl registriert. Er hat sich großartig entwickelt." WM-Chancen: 60 Prozent © Getty
Piotr Trochowski: Der Scharfschütze gilt als Wackelkandidat, ob bei der Nationalelf oder beim HSV. Doch Löw schenkt ihm immer wieder das Vertrauen - er ist einer seiner Lieblingsschüler. Dennoch: Er muss sich in der Rückrunde beweisen, um die WM 2010 in Südafrika zu erleben statt auf seiner Hamburger Wohnzimmer-Couch. WM-Chancen: 60 Prozent © Getty
Marcell Jansen: Der 1,91-Meter-Hüne war lange raus aus der DFB-Elf - doch beim Hamburger SV hat er sich wieder in den Fokus gespielt. Ob als Linksverteidiger oder als Alternative fürs linke Mittelfeld: Der 24-Jährige könnte der DFB-Elf gleich auf mehreren Positionen helfen. WM-Chancen: 60 Prozent © Getty
Thomas Hitzslperger: Er hat ein echtes Seuchenhalbjahr hinter sich. Er verlor beim VfB Stuttgart seinen Stammplatz und wurde von Markus Babbel auch noch als Kapitän abgesetzt. Noch hält Joachim Löw - für manche unverständlich - an ihm fest. Doch klar ist: Wenn er sich in der Rückrunde im Verein nicht fängt, muss er im Sommer 2010 daheim bleiben. WM-Chancen: 40 Prozent © Getty
Sami Khedira: Wie wertvoll er für den VfB Stuttgart ist, bemerkten viele erst, als er weg war. Während er verletzt fehlte, stürzten die Schwaben ab - als er zurückkehrte, ging es aufwärts. Der 22-jährige Deutsch-Tunesier führte die U 21 als Kapitän zum EM-Titel. Gut möglich, dass er VfB-Kollegen Thomas Hitzlsperger bald auch in der Nationalelf überholt und ihm das WM-Ticket wegschnappt. WM-Chancen: 40 Prozent © Getty
Torsten Frings ist von Jogi Löw ausgemustert worden. WM-Chancen: 0 Prozent © Getty
Thomas Müller: Müllert es bald auch in der Nationalelf? Beim FC Bayern spielte der Offensivmann in der Hinrunde groß auf - deswegen werden er und Teamkollege Holger Badstuber auch als WM-Kandidaten gehandelt. Im November berief ihn Joachim Löw erstmals in den Kader, auf sein Debüt wartet er aber noch. Was ihm zum Nachteil werden könnte: Anders als bei Holger Badstuber in der Innenverteidigung hat Löw auf Müllers Position die Qual der Wahl. WM-Chancen: 35 Prozent © Getty
Christian Gentner: Auch er hatte maßgeblichen Anteil an der Meisterschaft des VfL Wolfsburg - und feierte folglich im Mai sein Länderspieldebüt. Die Rückrunde wird zeigen, ob er tatsächlich in Südafrika dabei ist. Die Augen werden in mehrerelei Hinsicht auf ihn gerichtet sein. Denn seit bekannt ist, dass er im Sommer zum VfB Stuttgart wechselt, steht er in Wolfsburg unter besonderer Beobachtung. Gentner könnte für Löw auf der Sechser-Position oder im rechten Mittelfeld zur Alternative werden. WM-Chancen: 30 Prozent © Getty
Gonzalo Castro: Der Leverkusener ist da - wo immer er gebraucht wird. Bei der Werkself spielt "Gonzo" meist als Rechtsverteidiger, doch auch im Mittelfeld ist der Deutsch-Spanier gut aufgehoben. In der A-Elf kam er bislang fünfmal zum Einsatz. Wenn er seine Leistungen bestätigt, könnte er als Ergänzungsspieler mit nach Südafrika fahren. WM-Chancen: 25 Prozent © Getty
Sascha Riether: Er mag nicht der talentierteste unter den WM-Kandidaten sein - doch Riether gibt immer alles und holt das Optimum heraus. Ob als rechter Verteidiger oder im Mittelfeld: Er ist bei Meister VfL Wolfsburg unumstrittener Stammspieler. Im Herbst schwärmte Löw im Kicker: „Er wurde von uns durchweg positiv bewertet, fußballerisch wie im athletischen Bereich“, schwärmte Löw. Der 26-Jährige, hier im Dress der U-21-Nationalelf, sollte lieber noch keinen Sommerurlaub buchen. WM-Chancen: 25 Prozent © Getty
Sven Bender: Er hatte nach der Hinrunde gerade mal neun Bundesliga-Spiele auf dem Konto - und trotzdem wird er als WM-Kandidat gehandelt. BVB-Trainer Jürgen Klopp schenkte dem 20-Jährigen auf der Sechser-Position das Vertrauen. Der Youngster (hier im Dress der U 20) zahlte es mit Top-Leistungen zurück. Allerdings: Dass Joachim Löw in der Mittelfeldzentrale Experimente eingeht, scheint eher unwahrscheinlich. WM-Chancen: 5 Prozent © Getty
Lars Bender: Auch sein Zwillingsbruder entwickelt sich prächtig. Inzwischen ist er bei Bayer Leverkusen angekommen - und zeigt sich trotz seines Alters schon erstaunlich abgeklärt. WM-Chancen: 5 Prozent © Getty
Marco Reus: Was Marko Marin vor der EM 2008 war, könnte Reus 2010 werden: Eine Überraschungsnominierung, die Joachim Löw aus dem Hut zaubert. Marin wurde allerdings später von Löw aus dem vorläufigen Kader gestrichen. Der 20-Jährige trat bei Borussia Mönchengladbach in Marins Fußstapfen, ist ein ähnlicher Typ im offensiven Mittelfeld - allerdings einen halben Kopf größer. Der Rechtsfuß kann ein Spiel entscheiden - doch die Youngster-Konkurrenz wie Toni Kroos scheint schon einen Schritt weiter. WM-Chancen: 5 Prozent © Getty
Peer Kluge: Wo Felix Magath ist, ist Erfolg. Felix Magath ist jetzt auf Schalke. Und auch Peer Kluge ist jetzt auf Schalke. Also bei Felix Magath. Und somit da, wo der Erfolg ist. Diese komplizierte Gleichung bedeutet für den defensiven Mittelfeldmann möglicherweise eine kleine WM-Chance. Kluge muss sich allerdings nach seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zum FC Schalke 04 erst mal einen Stammplatz sichern. WM-Chancen: 5 Prozent © Getty
Sebastian Kehl: Wannimmer er verletzungsfrei und topfit war, war er im Nationalelf-Kader gesetzt. Aber wann war Kehl schon mal verletzungsfrei und topfit? Wenn der Dortmunder in der Rückrunde von Verletzungen verschont bleibt, hat er noch eine kleine Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen. © Getty
Miroslav Klose: Er ist die Nummer 1 im Sturm der Nationalmannschaft. Das zahlt er mit Toren zurück: 48 Mal traf er in 93 Länderspielen ins Schwarze. Bei der WM könnten weitere hinzukommen. Beim FC Bayern saß er in der Hinrunde oft auf der Bank. Doch die Vergangenheit zeigte: Auch wenn es für ihn beim FC Bayern schlecht lief, war er im DFB-Dress immer zur Stelle. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Lukas Podolski: Seine Hinrundenbilanz nach der Rückkehr zum 1. FC Köln: ein magerer Treffer aus 15 Spielen. Doch Poldi muss sich keine Sorgen um seine WM-Nominierung machen. Das stellte Löw zuletzt noch mal klar. "Seine Torquote bei uns ist beachtlich. In der Nationalmannschaft spielt er fast immer gut. Er steht als Nationalspieler deshalb außerhalb jeglicher Diskussion." WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Mario Gomez: Beim FC Bayern hat sich der Ex-Stuttgarter nach einigen Anlaufschwierigkeiten einen Stammplatz erobert. Den hat er auch bei Joachim Löw - allerdings nur im Kader, nicht unbedingt in der ersten Elf. Zu Klose und Podolski ist er nach aktuellem Stand erste Alternative - wenn Podolski ins Mittelfeld rückt und Löw trotzdem zwei Stürmer aufbietet, winkt auch ein Platz in der Startelf. Sein WM-Ticket hat er allemal sicher. WM-Chancen: 100 Prozent © Getty
Stefan Kießling: Für viele Experten unverständlich: Der Leverkusener Top-Torjäger (12 Hinrundentreffer) wurde von Löw lange ignoriert. Dass er still hielt und sich weiter reinhängte, dürfte Löw imponiert haben. Schließlich nominierte er ihn doch. Und wenn er seine Hinrunden-Leistungen konservieren kann, führt ihn sein Weg nach Südafrika. WM-Chancen: 70 Prozent. © Getty
Patrick Helmes: Er ist wieder da! Nach seinem Kreuzbandriss fühlt sich Helmes nach eigener Aussage "topfit". Ob auf seine 12 Länderspiele in diesem Jahr noch weitere folgen werden, hängt davon ab, ob das Knie hält und wie schnell er zu alter Leistungsstärke zurückfindet. WM-Chancen: 50 Prozent © Getty
Cacau: Dass Joachim Löw den Stuttgarter immer wieder nominiert, ist eine der meistdiskutierten DFB-Personalien der letzten Monate. Seine Hinrundenbilanz: 2 Treffer in 13 Spielen. Löw imponiert allerdings, dass der Deutsch-Brasilianer immer alles gibt und auf dem Platz Kilometer abspult, als ob es kein Morgen gäbe. In der Rückrunde muss allerdings etwas passieren, damit Cacau nicht von anderen Stürmern aus dem Kader verdrängt wird. WM-Chancen: 35 Prozent © Getty
Aaron Hunt: Beim Bremer scheint endlich der Knoten geplatzt. In der Hinrunde zeigte er sein ganzes Potenzial. Folglich kam er unter Joachim Löw auch zu seinem Nationalelf-Debüt - nicht zuletzt auch, damit es sich der Deutsch-Engländer nicht doch noch anders überlegt und für England aufläuft. Wenn er seine Leistung bestätigen kann, ist er ein Kandidat für Südafrika - fürs offensive Mittelfeld oder für den Angriff. WM-Chancen: 25 Prozent © Getty
Kevin Kuranyi: Er ist vielleicht der Mann, der am meisten auf eine WM-Nominierung hofft - und darauf doch die geringsten Chancen hat. Nach seiner Nichtnominierung für das Russland-Spiel war Kuranyi im Oktober 2008 aus dem Stadion geflohen - und wurde daraufhin von Löw suspendiert (hier ein Foto von der Pressekonferenz). Seitdem gab es über die Presse einige Versöhnungsangebote des Schalke-Stürmers, die Löw allesamt ablehnte. "Da gibt es eine klare Linie, von der ich nicht abweichen werde." WM-Chancen: 0,01 Prozent © Getty

Der erste Rückrunden-Spieltag am vorigen Wochenende dokumentierte den Trend eindrucksvoll: 35 von 198 und damit knapp 20 Prozent der eingesetzten Spieler in den Startformationen sind noch für deutsche oder ausländische Junioren-Nationalteams (derzeit Jahrgang 1988 und jünger) spielberechtigt. Der größte Förderer des Jugendstils ist derzeit Borussia Dortmund. Trainer Jürgen Klopp startete beim 1. FC Köln mit sechs Juniorenspielern. Auch der 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen (je 4) setzen verstärkt auf den Nachwuchs. Nur vier Clubs (Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg, VfL Bochum und Hannover 96) verzichteten am 18. Spieltag auf junge Spieler in der Startelf.

Schwindende Geldquellen und die Erfolge der DFB-Juniorenteams inspirierten viele Club zu einer anderen Personalpolitik. In Dortmund machte die durch eine monumentale Finanzkrise entstandene Not erfinderisch. Selbst die wenigen noch vorhandenen Mittel investierte der BVB in Talente. Über die couragierte Entscheidung, die damals 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic für immerhin knapp zehn Millionen Euro als Manndecker zu verpflichten, lächelt heute niemand mehr. Die erfreuliche Entwicklung der beiden zuletzt Hochgelobten erfüllt Sportdirektor Michael Zorc mit Stolz: “Ich kenne keinen ambitionierten Club in Europa, der diesen Schritt gewagt hätte.“

Die ersten Titelgewinne der Junioren-Nationalmannschaften nach einer langen Durststrecke wirken sich auch auf die Bundesliga aus. Die international erprobten Jungstars haben sich in den vergangenen Monaten in ihren Vereinen zu Stammkräften entwickelt. Aus dem Kader der U 21-Europameister sind mehr als 15 Spieler in ihren Clubs etablierte Kräfte. Auch eine Reihe von Spielern, die 2008 U 19- Europameister wurden, haben den Sprung in die Bundesliga längst geschafft: Dennis Diekmeier, Stefan Reinartz, Lars und Sven Bender sowie Timo Gebhart. Sogar die U 17-EM-Sieger von 2009 klopfen schon ans Erstliga-Tor: Dortmunds 17 Jahre alter Mario Götze hat sein Bundesliga-Debüt bereits hinter sich.

Dabei fallen die Jungstars natürlich nicht vom Himmel. Dahinter steckt eine gezielte und auch teure Förderung. DFB-Sportdirektor Sammer betonte immer wieder, dass der Erfolg planbar sei. Derzeit investiert der DFB jährlich 16 Millionen Euro in die Talentförderung an 366 Stützpunkten und 44 Leistungszentren sowie 28 Eliteschulen. Zudem geben die 36 Proficlubs pro Saison etwa 70 Millionen Euro für ihre Nachwuchsleistungszentren aus, die seit einigen Jahren Pflicht sind.

Nicht zuletzt deshalb rücken immer mehr junge Spieler aus den Jugend-Internaten in die Bundesliga auf. Jüngstes Beispiel ist Borussia Mönchengladbach: Dort debütierten am Wochenende in Fabian Bäcker und Patrick Herrmann gleich zwei Nachwuchsspieler aus dem vereinseigenen Internat. Beide waren auch direkt am Gladbacher 1:2- Anschlusstreffer gegen den VfL Bochum beteiligt. “Ich habe unserem Nachwuchsdirektor gleich gratuliert, dass es schon wieder zwei Jungs aus unserem Stall in die Bundesliga geschafft haben“, sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl.

dpa

Bundesliga: Die besten Bilder vom Rückrundenauftakt

Bayern München - 1899 Hoffenheim: Einschwören auf den Marsch an die Spitze! Die Spieler des FC Bayern vor der Partie gegen Hoffenheim. © Getty
Martin Demichelis brachte die Münchner in der 35. Minute mit 1:0 in Führung. © Getty
In der Folgezeit waren die Bayern ihren ersatzgeschwächten Gegnern hochüberlegen, alleine Mario Gomez hatte mehrere erstklassige Chancen. © Getty
Doch den Treffer zum 2:0 erzielte Miroslav Klose kurz nach seiner Einwechslung. Es war sein erster Bundesliga-Treffer seit März 2009. © Getty
Die Münchner waren für knapp 19 Stunden Tabellenführer. © Getty
Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05: Ein Punkt würde Bayer Leverkusen aber reichen, um wieder die Tabellenführung zu übernehmen. Doch danach sah es zunächst nicht aus: Hoogland brachte die Gäste früh in Führung. © Getty
Bayer aber zeigte sich unbeeindruckt. Zwar blieb Goalgetter Stefan Kießling dieses Mal ohne Tor ... © Getty
... doch Supertalent Toni Kroos war einmal erfolgreich. © Getty
Trainer-Fuchs Jupp Heynckes gab seinem Kapitän Manuel Friedrich immer wieder Anweisungen, um die hartnäckigen Gäste in Schach zu halten. © Getty
Am Ende ging aber alles gut aus: Bayer gewann 4:2 und eroberte die Tabellenführung zurück. © Getty
Hamburger SV - SC Freiburg: Der Hamburger SV hatte die Hinrunde mit zwei Siegen beendet und hoffte auch gegen die Breisgauer auf einen Dreier. © Getty
Durch das frühe Tor von Marcell Jansen ließ sich das auch gut an. © Getty
Mladen Petric legte in der zweiten Halbzeit nach. © Getty
Dabei hatten die Hanseaten Chancen auf einen wesentlich höheren Sieg. © Getty
Eine gute Leistung der Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia, der erneut auf zehn verletzte, gesperrte oder beim Afrika-Cup weilende Spieler verzichten musste. © Getty
Eintracht Frankfurt - Werder Bremen: Bereits in der Hinrunde hatten die Hessen gegen Werder gewonnen (2:1). © Getty
Und auch das Rückspiel entschieden die Frankfurter überraschenderweise für sich. © Getty
Dank des Treffers von Marco Russ gewann die Eintracht mit 1:0. © Getty
Werder Bremen dagegen muss den Kampf um die Spitze erst einmal aufgeben ... © Getty
... denn der Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen beträgt mittlerweile schon zehn Punkte. © Getty
Hannover 96 - Hertha BSC: Schlusslicht Hertha spielte eine desaströse Hinrunde mit nur sechs Punkten und reiste nach Hannover, um einen ersten Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen. © Getty
Der Plan ging auf: Die Berliner gewannen auf imposante Weise mit 3:0 - ein Befreiungsschlag? © Getty
Hertha BSC hat jetzt zwei Saisonsiege auf dem Konto - beide gegen Hannover 96. © Getty
Leihgabe Fanis Gekas erzielte in seinem ersten Spiel gleich einen Treffer. © Getty
Hannover 96 mit Trainer Andreas Bergmann hat seit dem Tod von Torhüter Robert Enke kein Spiel mehr gewonnen. © Getty
Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum: Das Hinspiel zwischen den beiden Mannschaften aus Nordrhein-Westfalen war eines der besten der Hinrunde (3:3). Dieses Mal starteten die Bochumer durch den Treffer von Sestak besser. © Getty
Dedic legte noch in der ersten Halbzeit mit seinem ersten Bundesliga-Treffer nach, riss sich das Trikot vom Leib ... © Getty
... und sah dafür regelkonform die Gelbe Karte. © Getty
Für Gladbach und Trainer Michael Frontzeck setzte es eine überraschende 1:2-Heimpleite. © Getty
Und so müssen Tobias Levels und Co. den Blick in der Tabelle wohl doch wieder nach unten richten. © Getty
VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg: Das Spiel in Stuttgart stand ganz im Zeichen von der Rückkehr des neuen VfL-Geschäfstführers Dieter Hoeneß auf die Bundesliga-Bühne. © Getty
Der neue Manager der "Wölfe" konnte aber mit dem, was er über weite Strecken von seiner Mannschaft sah, nicht zufrieden sein. © Getty
Der VfB war lange Zeit die überlegene Mannschaft ... © Getty
... und geriet erst ab Mitte der zweiten Halzeit unter großen Druck. Dennoch reichte es zum 3:1-Sieg für die Schwaben. © Getty
Wolfsburgs Misere geht dagegen weiter. Die Niedersachsen haben in dieser Saison bereits 35 Gegentore kassiert. © Getty
Schalke 04 - 1. FC Nürnberg: MIt einem Dachschaden fand die Partie in Gelsenkirchen statt. Da es aber trocken blieb, wurden die Zuschauer durch das Loch im Dach nicht beeinträchtigt. © Getty
Der Club trat mit seinen Neuzugängen Breno ... © Getty
... und Andreas Ottl an. © Getty
Am Ende gewann aber der FC Schalke durch ein Tor von Kevin Kuranyi mit 1:0. © Getty
Ein sehr glücklicher Sieg für die "Knappen", entsprechend sauer war Schalke-Trainer Felix Magath. © Getty
1. FC Köln - Borussia Dortmund: Ein verrücktes Spiel sahen die Zuschauer in Köln. © Getty
Die Gastgeber lagen bereits 0:2 hinten, egalisierten den Rückstand aber durch einen Doppelschlag wenige Minuten vor Schluss. © Getty
In der Nachspielzeit schlug dann der BVB in Person von Kevin Großkreutz zu. © Getty
Der Newcomer erzielte durch einen abgefälschten Schuss das 3:2 für die Borussia ... © Getty
... die den Sieg nach dem Schlusspfiff ausgiebig feierte. © Getty

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