"Hast tiefe Spuren hinterlassen"

Bewegender Abend: Assauer feiert 70. Geburtstag

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Reinhard Rauball umarmt Rudi Assauer (l).

Gelsenkirchen - Am Mittwoch feierte Rudi Assauer seinen 70. Geburtstag. Der einst mächtige Manager von Schalke 04 leidet an Alzheimer. Doch rund 200 Gäste bereiteten ihm einen bewegenden Abend.

Die dicke Davidoff-Zigarre qualmte ununterbrochen wie früher, und Rudi Assauer schien die Zeitreise durch das Fußball-Leben zu seinem 70. Geburtstag wirklich zu genießen. Rund 200 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport bereiten dem an Alzheimer erkrankten Ex-Manager von Schalke 04 bei der Charity-Gala in Herten einen bewegenden Abend. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligaverbandschef Reinhard Rauball ließen es sich wie viele andere Weggefährten nicht nehmen, dem wie immer adrett gekleideten Ex-Fußballprofi und Bundesliga-Urgestein zu gratulieren.


„Ein großes Dankeschön für dein Lebenswerk“, sagte Niersbach zu Assauer gewandt. „Du hast tiefe, tiefe Spuren hinterlassen in der Welt des Fußballs. Du hast unendlich viel geleistet für die Bundesliga, die Vereine, den deutschen Fußball. Dafür gebührt Dir größte Anerkennung“, lobte der DFB-Chef und fügte in Anspielung auf Assauers zuweilen rauen Ruhrpott-Charme augenzwinkernd an. „Auch wenn es manchmal nicht so ganz einfach war und man sich mit Dir gestritten hat, man konnte sich immer hundertprozentig auf Dich verlassen.“

Ähnlich lobend äußerte sich auch BVB-Präsident Rauball - trotz aller sportlichen Rivalität der großen Revierclubs. „Wer mit Dir verhandelt hat, brauchte nichts Schriftliches. Du hast immer zu deinem Wort gestanden.“ Rauball übermittelte „herzliche Glückwünsche von 104 000 Borussia-Mitgliedern“ und erinnerte vor allem an Assauers größte Zeit als Aktiver.


Der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer kommt zu einer Gala zu seinem 70. Geburtstag.

„Dein sportlicher Höhepunkt war natürlich der Gewinn des Europapokals 1966 mit der Borussia“, sagte der BVB-Boss und schilderte eine Anekdote, die sich damals zugetragen habe. Als noch junger Kerl - Assauer war 1964 von seinem Stammverein SpVgg Herten nach Dortmund gewechselt - habe dieser sich beim Aufstellen der Teams vor dem Finale in Glasgow vor den schon verdienten Nationalspieler Alfred „Aki“ Schmidt gedrängelt. Der habe hinter Assauer geraunzt: „Assi, pass' auf: Wenn du heute nur einen Ball zum Gegner spielst, setzt sich mein Oberschenkel automatisch in Bewegung.“ Assauer lieferte ungerührt von der „Drohung“ eine Klasse-Partie und seinen Beitrag zum 2:1-Erfolg gegen den FC Liverpool - der erste Europapokalsieg einer deutschen Mannschaft war perfekt.

Ob sich der ruhig und zufrieden wirkende Assauer, dem das Sprechen inzwischen sehr schwer fällt, bei der Zeitreise durch sieben Jahrzehnte an solche Details und andere dargebrachten Geschichten erinnert - keiner der Gäste mochte das beurteilen. Niersbach war es ein Bedürfnis, nicht nur Assauers Fußball-Wirken zu würdigen. Er hob auch dessen Umgang mit der Demenzkrankheit hervor, die er vor zwei Jahren mit der Autobiografie „Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben“ öffentlich gemacht hatte. „Dass Du diese Krankheit so enttabuisiert hat, ist eine große Leistung. Dazu braucht man einen sehr starken Charakter“, befand der DFB-Chef.

Schalker Fahnenträger, Trommler und Trompeten-Willy standen Spalier, als Assauer am Arm seiner Tochter Bettina Michel die herausgeputzte Maschinenhalle auf Zeche Ewald betrat - ein perfektes Ambiente für den „Bürger des Ruhrgebiets“. Viele Spieler der legendären „Eurofighter“-Elf von 1997 wie Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots, Mike Büskens, Olaf Thon, Martin Max oder die Niederländer Johan de Kock und René Eijkelkamp waren angereist, um ihrem Manager bei einem Dreigänge-Menü sowie Bier und Currywurst zu gratulieren und für die „Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft“ zu spenden.

Das kurioseste Erinnerungsstück ersteigerte Gerald Asamoah, oder besser, dessen Gattin Linda: Und so musste „Blondie“, wie Assauer den Schalker Fanliebling stets nannte, am frühen Morgen einen dicken Schaukelstuhl mit Assauers Konterfei nach Hause schleppen.

dpa

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren 

Alptraum Alzheimer: Der ehemalige Fußballspieler des FC Bayern München, Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 3. November bitten der deutsche Fußball-Rekordmeister und die Familie des Weltmeisters von 1974 um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde. © dpa
Karheinz Böhm
Der große Schauspieler Karheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren. Erst im Februar 2013 war Böhms Alzheimererkrankung bekannt geworden. Sein Sohn Michael wollte nicht länger über den Gesundheitszustand seines Vaters schweigen. Karlheinz Böhm wurde an der Seite von Romy Schneider in Sissi ein Star. Böhm setzt sich seit 1981 für hungernde Menschen in der Sahelzone ein (Archivfoto vom 2.05.2011). © dpa
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" leitet, und seien Ehefrau Almazs besichtigen das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien (Aufnahme aus dem Jahr 2006).
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm leitet seit 1981 die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" . Die Aufnahme aus dem Jahr 2006 zeigt, wie Böhm mit seiner Ehefrau Almazs  das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien besichtigt. © dpa
Rudi Assauer
Rudi Assauer und die furchtbare Diagnose Alzheimer erschütterte ganz Deutschland. Seine Ehrlichkeit macht betroffen. © dpa
Schalke-Manager Rudi Assauer
In einem TV-Auftritt spricht der Fußballmanager Rudi Assauer Anfang des Jahres 2012 erstmals offen von seinem Leiden. Und der Prominente ist mit seinem schweren Schicksal nicht allein. © dpa
Ronald Reagan
Der frühere US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004) erkannte eines Tages seine Frau Nancy nicht mehr - nach mehr als 40 Jahren Ehe. © dpa
Ronald Reagan Alzheimer
"Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt..." - 1994 bekannte sich der ehemalige Präsident in einem Brief als Alzheimer-Patient. Dadurch entstand erstmals ein öffentliches Bewußtsein für die Krankheit.   © dpa
Gunter Sachs Selbstmord
Er machte sich in Europa einen Namen als Fotograf, Kunstsammler und Playboy: Gunter Sachs. Doch aus Angst vor Alzheimer beging im Alter von 78 Jahren Suizid (7.05.2011). © dpa
Margret Thatcher
Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher gilt als unnachgiebig und brachte ihr den Spitznamen "Die Eiserne Lady" ein.  © dpa
Peter Falk
US-Schauspieler Peter Falk als Inspektor "Columbo" in seinem typischen Outfit, dem Trenchcoat - und mit einer Zigarre in der Hand brauchte am Ende Vollzeit-Betreuung. Er leidet bis Sommer 2011 an Demenz und Alzheimer. © dpa
Annie Girardot
Die französische Schauspielerin Annie Girardot starb im Alter von 79 Jahren (28.02.2011) an Alzheimer. © dpa
Charlton Heston
Der an Alzheimer leidende Charlton Heston starb im Alter von 84 Jahren. Der US-Schauspieler wurde bekannt für das Filmepos "Die Zehn Gebote" Moses. Für seinen Judah in " Ben Hur" hatte er 1959 den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen. © dpa
Bubi Scholz
Immer wieder kämpfte sich Bubi Scholz trotz mehrerer Schlaganfälle ins Leben zurück. Die ehemalige Box-Legende litt auch an Alzheimer und starb im Alter von 70 Jahren in Berlin (21.08.2000). © dpa
Country-Star Glen Campbell wollte trotz seiner Diagnose Alzheimer im Herbst 2011 noch ein letztes Mal auf Tour gehen und sich mit mehreren Live-Auftritten von seinen Fans verabschieden. © dpa
Der Schauspieler Fred Delmare zählte zu den bekanntesten DDR-Schauspielern. Zuletzt stand Delmare in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" als Opa Friedrich vor der Kamera. 2005 zog er sich aus dem Berufsleben auch wegen seiner Alzheimererkrankung zurück, wo der Mime 2009 verstarb. © dpa
Helmut Zacharias
Der Violin-Virtuose Helmut Zacharias komponierte 400 Stücke, arrangierte 1400 Titel und verkaufte 13 Millionen Platten. Zuletzt verschwand er aus dem Blick der Öffentlichkeit. Der Musiker litt unter der Alzheimer-Krankheit und lebte bis zu seinem Tod im Alter von 82 Jahren (28.02.2002) in einem Sanatorium in der Nähe seines Wohnortes Ascona in der Schweiz. © dpa
Roberto Blanco
Roberto Blanco und Sodom rocken gemeinsam für einen Spot der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Mit viel Humor macht der Sänger auf die Krankheit aufmerksam. © obs
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer: Als der Psychiater am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "Über einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" referierte, werteten Kollegen seine Entdeckung als Kuriosität. 100 Jahre später ist Alzheimers Name einer der bekanntesten weltweit, von der nach ihm benannten Hirnkrankheit sollen allein in Deutschland 700.000 bis eine Million Menschen betroffen sein. © dpa

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