Ausgliederung beim S04

Wird Schalke 04 zur eingetragenen Genossenschaft? Das zeichnet die Rechtsform aus

Der FC Schalke 04 steht vor einer ungewissen Zukunft. Selbst der Status als eingetragener Verein scheint nicht mehr unantastbar.
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Der FC Schalke 04 steht vor einer ungewissen Zukunft. Selbst der Status als eingetragener Verein scheint nicht mehr unantastbar.

Wird die Profiabteilung vom FC Schalke 04 in eine eingetragene Genossenschaft ausgegliedert? Erste Pläne für den drastischen Schritt stehen offenbar.

  • Eine Ausgliederung der Profiabteilung ist beim FC Schalke 04* längst kein Tabu-Thema mehr.
  • Bei der neuen Rechtsform scheinen die S04-Verantwortlichen mit der "Genossenschaft" erste Pläne entwickelt zu haben.
  • Für den wohl radikalsten Einschnitt der Klubgeschichte müssten 75 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder votieren.

Gelsenkirchen - Strebt man eine "positive Zukunft" an, kommt der FC Schalke 04 nicht an einer Ausgliederung vorbei. Das ließ Clemens Tönnies (64) am Tag nach seinem Rücktritt gegenüber Funke Sport verlauten. Mit den Rücktritten des Finanzvorstands Peter Peters (58) und des Aufsichtsratsvorsitzenden ist der Weg hin zu einer neuen Rechtsform am Berger Feld ein ganzes Stück freier geworden, berichtet RUHR24.de*.

FC Schalke 04: Ausgliederung und neue Rechtsform beim S04 bahnen sich an

Zwar wirkte Clemens Tönnies zuletzt nicht mehr wie ein vehementer Gegner der sich anbahnenden Ausgliederung*. Nach seinen Aussagen auf der S04-Mitgliederversammlung vor fünf Jahren ("Solange ich auf Schalke bin, bleibt Schalke ein eingetragener Verein. Das ist eine feste Zusage.") wäre es allerdings schwer geworden, diesen drastischen Einschnitt mit ihm an der Spitze zu moderieren.

Vorerst lenken Marketingvorstand Alexander Jobst (46) und Sportvorstand Jochen Schneider (49) die Geschicke beim stolzen Revierklub. Während Alexander Jobst schon in der Vergangenheit mehrfach auf die Grenzen des eingetragenen Vereins (e.V.) hinwies, scheint Jochen Schneider in schwäbischer Manier und mit ökonomischem Kalkül ohnehin alle Ausgaben und Einnahmequellen auf den Prüfstand zu stellen.

S04 setzt bei Brisanz-Thema "Ausgliederung" offenbar auf die eingetragene Genossenschaft (eG)

Dennoch wissen beide bestens um die Brisanz einer Ausgliederung. Der FC Schalke 04 steht für Tradition und die Mitglieder legen darauf großen Wert. In und um Gelsenkirchen ist man stolz darauf, der letzte große eingetragene Verein zu sein. Diesen Status infrage zu stellen, galt noch vor wenigen Jahren als sicheres K.-o.-Kriterium, wollte man im Klub etwas zu sagen haben (S04-Artikel auf RUHR24*).

Die Corona-Krise und die mahnenden Worte auf der groß angekündigten S04-Pressekonferenz* haben jedoch einmal mehr das Bewusstsein dafür geweckt, wie schwierig sich der Weg aus der Krise ohne Ausgliederung gestaltet. Königsblau wird die Profiabteilung ausgliedern müssen, so gut es geht im Einklang mit den Interessen der rund 160.000 Mitglieder. Ein erster Ansatz dafür scheint gefunden.

Eine Ausgliederung der Profiabteilung allein ist kein Allheilmittel - das haben nicht nur Stuttgart und der HSV eindrucksvoll gezeigt. Schalke muss endlich die Fehlinvestitionen reduzieren, sonst nützt auch das zusätzliche Geld wenig. Jochen Schneider scheint dafür der richtige Mann, kommentiert RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Wie das Handelsblatt (Bezahlartikel) berichtet, tendiere man bei den "Knappen" zur Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (eG), eine Mischform aus Aktiengesellschaft und Verein. Dabei würden die "sportkulturellen Interessen der Mitglieder" gefördert. Tatsächlich ist anzunehmen, dass die eG auf breitere Akzeptanz unter den stimmberechtigten Mitgliedern führen würde, als beispielsweise die in Dortmund praktizierte KGaA oder eine Aktiengesellschaft wie beim Deutschen Rekordmeister.

Sportvorstand Jochen Schneider ergreift beim S04 radikale Sparmaßnahmen.

FC Schalke 04: eG statt e.V.? In der Theorie "an Gewinnen orientiert und transparent"

"Genossenschaften sind zwar an Gewinnen orientiert ausgerichtet, aber personenbezogen und transparent. Der Grundgedanke ist: 'Was einer alleine nicht schafft, das vermögen viele'", sagt Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands.

Für den FC Schalke 04 dürfte besonders die demokratische Rechts- und Unternehmensform eine wichtige Eigenschaft der eingetragenen Genossenschaft sein. Jedes Mitglied hat, unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung, eine Stimme. Der Kontostand hat also, so die Theorie, keine Auswirkungen auf das Mitspracherecht im Klub.

Video: Nach Tönnies-Rücktritt: "Schalke in ruhigere Fahrwasser führen"

Für strukturelle Änderungen bedarf es einer Dreiviertel-Mehrheit. Das soll einerseits für Stabilität sorgen und andererseits feindliche Übernahmen ausschließen. Dazu gilt die Genossenschaft laut Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) als "insolvenzsicherste Rechtsform in Deutschland".

Ausgliederung beim FC Schalke 04 "kein Thema von heute oder morgen"

Denn als Mitglied in einem genossenschaftlichen Prüfungsverband würden im Interesse der Mitglieder regelmäßig die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung geprüft. Eine solche Prüfung ist qua Genossenschaftsgesetz verpflichtend und soll den Mitgliedern Sicherheit geben.

Allzu zeitnah wird es aber wohl nicht zu einer - nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies - zweiten "Zäsur" in der Geschichte des FC Schalke 04 kommen. Auf der Pressekonferenz wurde betont, dass es sich hierbei nicht um ein "Thema von heute oder morgen" handle.

Ohnehin ist ob der andauernden Corona-Pandemie noch nicht einmal klar, wann überhaupt die nächste Mitgliederversammlung stattfinden kann. Auf der müssten 75 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder der Ausgliederung grünes Licht erteilen. Diesem Wert dürfte man mit dem Vorhaben einer eingetragenen Genossenschaft zumindest näher kommen, als mit einer reinen Aktiengesellschaft. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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