Der spießige Rebell: Netzer wird 65

Günter Netzer, hier für Borussia Mönchengladbach, wird 65 Jahre alt.
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Günter Netzer, hier für Borussia Mönchengladbach, wird 65 Jahre alt.

Zürich - Günter Netzer wird 65. Fußball war und ist sein Leben – als genialer Spieler, Chefkritiker und TV-Rechtehändler. Einmal hat sich der Rebell sogar selbst eingewechselt.

Günter Netzer ist die schillernde „Nummer 10“ des deutschen Fußballs geblieben. Als Spieler war er ein genialer Regisseur, als Fernsehkommentator gilt er als kreativer Kritiker und Analytiker und als TV-Rechtehändler zieht er die Fäden. „Ich bin auf der Sonnenseite des Lebens, bin privilegiert und habe viel Glück gehabt“, sagt der Ex-Nationalspieler, der am Montag seinen 65. Geburtstag feiert. Von Ruhestand kann keine Rede sein. Mit Gerhard Delling wird der Adolf-Grimme-Preisträger über 2010 hinaus die Spiele der Nationalmannschaft kommentieren. Und in Zug nahe seines Wohnsitzes Zürich wirkt er bei der Sportrechte-Firma Infront auch in Zukunft im Aufsichtsrat. „Ich habe mein ganzes Leben lang keine Pläne und Strategien gehabt“, sagt Netzer.

„Rebell am Ball“

Der als „Rebell am Ball“ bei Borussia Mönchengladbach in den 70er Jahren zu Weltruhm gelangte Fußballer mit den langen blonden Haaren empfindet nicht alle ihm angehängte Etiketten als zutreffend. „Ein richtiger Rebell, das war ich nie“, bekennt Netzer. „In mir steckt eine gewisse Spießigkeit.“ Dennoch ist er als Profi wegen seines Nonkonformismus zur Kultfigur geworden: Er fuhr Ferrari, betrieb die Diskothek „Lovers Lane“ und produzierte als Spieler die Stadionzeitung „Fohlen-Echo“. Ein Querkopf ist Netzer, der über 70 Meter millimetergenaue Pässe schlagen und Freistöße mit höllischem Effet schießen konnte, jedoch allemal. „Ich setze mich Tag für Tag kritisch auseinander und opponiere auch“, sagt er. „Ich habe immer gemacht, was ich wollte und damit meinen Frieden gefunden.“

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Dies galt auch für seine Spielweise, mit der er als Kapitän der legendären „Fohlen-Elf“ von Trainer Hennes Weisweiler 1970 und 1971 deutscher Meister wurde. „Meine Art Fußball zu spielen, war mit großem Risiko behaftet. Es war eine Kunst, die man nicht macht, wenn man klug ist. Weisweiler hat mich aber aufgefordert, dieses Spiel zu spielen und zu mir gesagt: ,Wenn deine ersten 30 Pässe nicht ankommen, versuche es mit dem 31.‘“

Selbst eingewechselt

Unvergessen ist das Pokalfinale 1973 gegen den 1. FC Köln, als er sich vor der Verlängerung selbst einwechselte und beim ersten Ballkontakt den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Mythos bildend war für ihn der EM -Sieg 1972, als einer der berühmtesten Sätze der Fußball-Geschichte geprägt wurde: „Netzer kam aus der Tiefe des Raumes.“

Für die Nationalelf kam er nur in 37 Länderspielen zum Einsatz, sein Rivale Wolfgang Overath stellte ihn oft in den Schatten. Bei der WM 1974 durfte er nur 22 Minuten spielen. Netzer: „In der Nationalmannschaft gelang mir weniger. Der Gerd Müller wäre nie für mich steil gelaufen.“ Groß auftrumpfen konnte er fast nur in Mönchengladbach. „Ich brauchte meine Umgebung, meine Mitspieler. Der Overath hat sich wesentlich besser anpassen können.“

Schwer hatte es Netzer zuerst auch bei Real Madrid, wo er zwischen 1973 bis 1976 zweimal spanischer Meister wurde. „Der Wechsel hat mir sehr viel gebracht. Ich musste erstmals kämpfen und mich durchsetzen.“ Dies galt auch, als er den Managerposten beim Hamburger SV (1978-1986) annahm und die Hanseaten dreimal Meister und Europacupsieger der Landesmeister wurden. Nach einer gewissen Zeit habe er aber genug gehabt. „Der Job tötete alle mein Lebenslust. Dies war der Grund, warum ich nie wieder eine Aufgabe im Fußball -Management übernommen habe.“

dpa

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