Strigel: TV-Beweis regelwidrig

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Aufregung kurz vor Abpiff: Am Ende zeigte Schiri Webb die rote Karte und auf den Elfmeterpunkt.

Hamburg - Nach Auffassung von DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel könnte die umstrittene Aktion des vierten Offiziellen beim Confed-Cup-Spiel zwischen Brasilien und Ägypten den FIFA -Regeln widersprechen.

“Wenn der vierte Schiedsrichter die Szene mit eigenen Augen gesehen hat, ist das okay. Wenn er es nicht mit eigenen Augen, sondern nur auf dem Monitor gesehen hat und dann den Schiedsrichter informierte, ist das nicht regelkonform. Das darf er nicht“, sagte der ehemalige Bundesliga-Referee am Dienstag der Deutschen Presse- Agentur dpa auf Anfrage.

Der Ägyptische Fußball-Verband hatte nach der 3:4-Niederlage gegen Brasilien Einspruch gegen die Rote Karte für Mohamed Al Muhamadi und die Elfmeterentscheidung durch Schiedsrichter Howard Webb eingelegt. Der englische Referee hatte in der Nachspielzeit erst auf Hinweis des vierten Offiziellen, Matthew Breeze , auf Platzverweis und Strafstoß entschieden. Nach Ansicht der Ägypter kam der Hinweis des Australiers Breeze erst, nachdem dieser das Handspiel Al Muhamadis auf der Torlinie auf einem Bildschirm am Rande des Spielfeldes gesehen hatte. Webb hatte ursprünglich auf Eckball für Brasilien entschieden.

“So lange der Schiedsrichter das Spiel nicht mit Eckstoß fortgesetzt hat, wäre ein Hinweis des vierten Offiziellen regelkonform“, erklärte Strigel. “Aber nicht, wenn er die umstrittene Aktion anhand von TV-Bildern bewertet und den Schiedsrichter dann zur Korrektur seiner Entscheidung bewegt“, meinte der 59-Jährige aus Rheinzabern , der das Spiel zwischen Cup-Verteidiger Brasilien und Afrika-Meister Ägypten selbst nicht gesehen hat. Strigel: “Ich war in Schweden und habe das 0:0 unserer U21-Mannschaft live erlebt. Diese Sache in Südafrika kann ich also nur allgemein bewerten.“

Strigel nannte drei Möglichkeiten, wie die Assistenten oder der vierte Offizielle den Schiedsrichter während einer Partie informieren können. “Das geht per Fahnensignal, über das Kommunikationssystem oder natürlich durch direkten Kontakt“, erklärte der Referee, der zwischen 1987 und 1995 insgesamt 70 Bundesliga-Spiele geleitet hat.

Strigel verwies auf die Parallelen zum WM -Endspiel 2006 in Berlin zwischen dem späteren Weltmeister Italien und Frankreich: “Da hat es zwischen Zidanes Kopfstoß und der Roten Karte gegen ihn eine relativ lange Zeitspanne gegeben. Und der Schiedsrichter hatte damals erklärt, dass er die Szene genau gesehen hat. Ohne Videobilder - also regelkonform.“

dpa

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