Erste Klubs verkünden Rückzug nach vernichtender Kritik

„Dreckiges Dutzend“ und „lächerliches Milliardenprojekt“: Super League zerfällt nach nur zwei Tagen

UEFA Super League Salah Kroos Ceferin
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Kicken Mohammed Salah vom FC Liverpool und Toni Kroos von Real Madrid ab 2022 außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der UEFA und Präsident Alexander Ceferin (rechts)?

Nyon/Madrid - Die Pläne von zwölf europäischen Fußball-Topklubs für eine Super League sind zumindest fürs Erste krachend gescheitert. Nach heftigen Fan-Protesten und vernichtender Medienkritik haben die ersten Vereine ihren Ausstieg bereits angekündigt - und die Macher wollen ihre Pläne „überdenken“.

In der Nacht zum Mittwoch gaben die englischen Teams - teilweise vor und teilweise nach einer Krisensitzung der Gründer - ihren Rückzug von dem Vorhaben bekannt - und die Macher wollen das Projekt nun „überdenken“. Das geht aus einer Mitteilung hervor, über die unter anderem die US-Nachrichtenagentur AP berichtete: „Angesichts der aktuellen Umstände werden wir die am besten geeigneten Schritte zur Neugestaltung des Projekts überdenken und dabei stets unser Ziel im Sinn haben, den Fans die bestmögliche Erfahrung zu ermöglichen und dabei die Solidaritätszahlungen für die gesamte Fußballgemeinschaft zu erhöhen.“

Zuvor hatten sich die Reihen der Rebellen gelichtet. Als erster der Initiatoren hatte Manchester City am Dienstagabend seine Teilnahme wieder abgesagt. Dem folgten die anderen fünf englischen Mitgründer FC Liverpool, Manchester United, FC Arsenal, Tottenham Hotspur und FC Chelsea. In Spanien sollen auch der FC Barcelona und Atletico Madrid diesen Schritt gehen wollen.

Wir haben einen Fehler gemacht und wir entschuldigen uns dafür“, hieß es in einem Tweet des FC Arsenal. Der FC Chelsea schrieb: „Nachdem wir uns der Gruppe Ende letzter Woche angeschlossen haben, hatten wir jetzt Zeit, uns eingehend mit der Angelegenheit zu befassen und wir haben entschieden, dass unsere fortgesetzte Teilnahme an diesen Plänen nicht im besten Interesse des Klubs, unserer Fans und der breiteren Fußballgemeinschaft ist.“

In England, der Heimat der Hälfte der zwölf Gründerklubs, drohte Premierminister Boris Johnson mit scharfen Sanktionen. Er kündigte an, dem „lächerlichen Milliardenprojekt“ die Rote Karte zu zeigen. Sein Sportminister Oliver Dowden stellte im Parlament drastische Ideen vor, um die „Big Six“, die englischen Spitzenvereine, von einer Teilnahme abzuhalten. Sogar Prinz William - Präsident des nationalen Verbandes FA - mischte sich ein. Auch nationale Verbände und viele andere Vereine kritisierten die Pläne massivSogar Spieler - wie die des FC Liverpool - stellten sich öffentlich gegen das Projekt. Britische Medien sprachen von einem „dreckigen Dutzend“.

Die Erstmeldung:

Der europäische Vereinsfußball steht vor einer Zerreißprobe: Zwölf Topklubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische Superliga gründen. Es geht um viel Geld - und angeblich auch um die Fans. Die UEFA will mit aller Härte dagegen vorgehen.

Dies kündigte die Europäische Fußball-Union, die am Montag (19. April) über das weitere Vorgehen beraten wird, in einer ersten Stellungnahme auf ihrer Webseite (Englisch) an. Zusammen mit FIFA, Mitgliedsverbänden und diversen Ligen werde man gemeinsam „die Bemühungen fortsetzen, um dieses zynische Projekt zu stoppen.“

Weiter hieß es wörtlich: „Wir werden alle Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen, in Betracht ziehen - auf allen Ebenen, sowohl rechtlich als auch sportlich - um zu verhindern, dass dies geschieht. Der Fußball basiert auf offenen Wettbewerben und sportlichen Leistungen; es kann keinen anderen Weg geben. Wie zuvor von der FIFA und den sechs Konföderationen bekannt gegeben, werden die betreffenden Klubs aus jeglichen anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene ausgeschlossen und ihren Spielern könnte die Möglichkeit verwehrt werden, ihre jeweiligen Nationalmannschaften zu vertreten.“ Zugleich dankte die UEFA den deutschen und französischen Klubs, die sich (bislang) gegen eine mögliche Teilnahme verwehren. Vom FC Bayern München liegt bislang keine offizielle Stellungnahme vor.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kritisierte die Pläne der bislang 12 Spitzenklubs scharf. „Im Fußball muss es immer um die sportliche Leistung gehen. Sie bestimmt über Auf- und Abstieg sowie die Qualifikation für die jeweiligen Wettbewerbe. Die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Klubs dürfen nicht das praktizierte solidarische Miteinander des Fußballs aufkündigen. Jeder Verein wird sich entscheiden müssen, ob er Teil des solidarisch organisierten Gesamtfußballs bleiben oder ausschließlich egoistische Eigeninteressen außerhalb der UEFA und der nationalen Fußballverbände verfolgen möchte“, hieß es in einer Stellungnahme auf der DFB-Homepage.

Kurz vor dem Beschluss einer tiefgreifenden Reform der UEFA Champions League, die ab 2024 umgesetzt werden soll, haben jetzt die 12 internationalen Top-Klubs FC Arsenal, Manchester United, FC Liverpool, Tottenham Hotspur, FC Chelsea, Manchester City (alle aus England), AC Mailand, Inter Mailand und Juventus Turin (alle aus Italien) sowie Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid (alle aus Spanien) ihre eigenen Pläne präsentiert. In den in der Nacht zu Montag (19. April) veröffentlichten Mitteilungen ist sowohl von „European Super League“ wie auch mehrheitlich von „Super League“ die Rede. Los gehen soll es „so bald wie möglich“, möglicherweise sogar schon im Jahr 2022.

Die Pandemie habe gezeigt, dass „eine strategische Vision und ein kommerzieller Ansatz erforderlich sind, um den Wert und die Unterstützung zum Nutzen der gesamten Fußballpyramide zu steigern“, hieß es beispielsweise in einer offiziellen Stellungnahme von Real Madrid. Die Gründungsclubs sind der Ansicht, dass „die von den Aufsichtsbehörden vorgeschlagenen Lösungen nicht die grundlegenden Probleme lösen, die sowohl darin bestehen, qualitativ hochwertigere Spiele anzubieten als auch zusätzliche finanzielle Ressourcen für die gesamte Welt des Fußballs zu erhalten“, schrieb der Verein weiter.

So soll die neue „Super League“ ablaufen:

  • Gründungsklubs: siehe oben. Insgesamt sollen 20 Mannschaften an der neuen Super League teilnehmen. Parallel dazu soll schnellstmöglich auch ein gleichlautender Wettbewerb für Frauen entwickelt werden.
  • Vorstände: Florentino Pérez (Präsident Real Madrid) als Vorstandsvorsitzender, Andrea Agnelli (Vorstandsvorsitzender Juventus Turin) und Joel Glazer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Manchester United) als stellvertretende Vorstandsvorsitzende.
  • Teilnehmer: Die zwölf bekannten Gründungsklubs rechnen mit drei weiteren Klubs, die sich ihrem Kreis anschließen. Diese dann 15 Mannschaften sind gesetzt, dazu sollen fünf weitere Teams kommen, die sich auf Grundlage ihrer Erfolge in der vorausgehenden Saison qualifizieren. Nähere Angaben dazu, wie und auf welcher Grundlage das ablaufen soll, gibt es bislang nicht.
  • Modus: In zwei Zehnergruppen sollen die Teams Heim- und Auswärtsspiele austragen. Die Top Drei sind sicher im Viertelfinale. Die Teams auf Platz vier und fünf spielen in Hin- und Rückspiel den letzten Platz fürs Viertelfinale aus. Ab da geht es weiter wie in der K.o.-Phase der Champions League, also mit Hin- und Rückspiel im Viertel- und Halbfinale und einem einzigen Finalspiel an neutralem Ort.
  • Spielplan: Die Superliga soll immer im August beginnen, das Finale ist für Ende Mai angekündigt. Gespielt werden soll nur an den mittleren Wochentagen.
  • Und sonst? Die Pläne sehen vor, dass alle Mannschaften auch weiterhin in ihren nationalen Meisterschaften antreten.

mw

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