Behörden sperren sich

Unverständnis: BVB bekommt komplette Hooligan-Daten nicht

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Pyrotechnik, Kampfsporthandschuhe, Sturmhauben - nur eine auswahl der von der Polizei sichergestellten Gegenstände.

Dortmund - Unverständnis bei Borussia Dortmund, der eigentlich gegen 90 Hooligans, die am vergangenen Samstag von der Polizei auf dem Weg zum Bundesliga-Spiel nach Darmstadt aufgehalten wurden, Stadionverbote verhängen wollte.

Doch die Behörden werden die Daten der Rowdys, die sich mit etlichen Krawall-Utensilien in Richtung Darmstadt am vergangenen Samstag aufgemacht hatten, nicht in Gänze preisgeben.

"Die Idee der Dortmunder ist gut, droht aber an den Strukturen zu scheitern. Denn wir liefern Daten natürlich nur an Behörden, nicht an Vereine", sagte Jörg Radek (57), der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

BVB-Präsident Reinhard Rauball (70), gleichzeitig Präsident der Deutschen Fußball Liga und Jurist, sagte der Bild: "Mit Recht haben Justizbehörden, Politik, Polizei und DFB in den vergangenen Tagen eine hohe Erwartungshaltung an Borussia Dortmund adressiert. Wir wiederum haben im Gegenzug die glasklare Erwartungshaltung, dass Worten nun Taten folgen und allen 90 kriminellen Gewalttätern, die mit Pyrotechnik, Waffen, Sturmhauben sowie Drogen aufgegriffen wurden und deren Personendaten nun offenbar vorliegen, zum Schutz der Fußballfans in ganz Deutschland ein bundesweites Stadionverbot erteilt wird. Alles andere werden die Menschen nicht verstehen. Und hier schließe ich mich ausdrücklich mit ein."

Nicht alle Daten werden übermittelt

Auch der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sind die Hände gebunden; sie führt die "Datei Gewalttäter Sport". Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert (42): "Die Daten sind für diese Woche angekündigt." Alle Daten werden indes nicht übermittelt. Große Lefert: "Die Polizei prüft, ob das Aussprechen von bundesweiten Stadionverboten gemäß den Verbandsrichtlinien generell möglich ist und regt dann eine Prüfung durch Klub oder Verband an. Dieser entscheidet im Einzelfall."

Entscheidend ist, ob den mutmaßlichen Gewalttätern eine Straftat zugerechnet werden kann, in diesem Fall droht ein bundesweites Stadionverbot. Bei den 90 Rowdys, die von der Polizei vor Erreichen ihres Zieles Darmstadt gestoppt wurden, gab es offenbar aber nur vier Anzeigen. Zurzeit gibt es 2556 bundesdeutsche Stadionverbote, 13.655 Gewalttäter sind jedoch laut Bild in den Ligen eins bis drei registriert. Ein deutliches Missverhältnis.

sid

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