VfB setzt auf Risiko

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Klaas-Jan Huntelaar soll der teuerste VfB-Neuzugang der Geschichte werden.

Stuttgart - Ohne die Millionen aus der Champions League hat Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten.

Laut der Bilanz für 2008, die der Verein am Dienstagabend auf seiner Mitgliederversammlung präsentierte, sank der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um rund 6,7 Millionen Euro auf 1,1 Millionen Euro. Auch beim Umsatz verfehlten die Schwaben die Zahlen aus dem Rekordjahr 2007 deutlich. Dank Meisterschaft, dem Einzug ins DFB - Pokalfinale und der Champions-League-Teilnahme hatte der VfB Einnahmen von 132 Millionen Euro erzielt. Ein Jahr später waren es noch 98,7 Millionen Euro.

Dennoch stellten Vereinschef Erwin Staudt und Finanzvorstand Ulrich Ruf ihrem Club vor den 1923 Mitgliedern, die am Abend die Carl-Benz-Arena füllten, ein positives Zeugnis aus. Staudt hatte schon zuvor darauf hingewiesen, dass der VfB im sechsten Jahr in Serie einen Gewinn erwirtschaften konnte. “Das ist ein Ergebnis, auf das wir alle stolz sein können“, sagte der Präsident.

Ruf erklärte, trotz der Wirtschaftskrise sei der Erlös aus Spielbetrieb , Vermarktung und TV-Verträgen stabil geblieben. So konnten die Stuttgarter ihre Schulden leicht von 7,6 auf 7,1 Millionen Euro senken. “Das dürfte einer der niedrigsten Werte in der Bundesliga sein“, meinte Ruf. Spätestens nach dem 30-Millionen- Transfer von Mario Gomez zum FC Bayern München, der erst in die nächste Bilanz einfließt, ist die Vereinskasse wieder gefüllt. “Es ist nur schade, dass er bei einem Ligakonkurrenten hängengeblieben ist“, sagte Staudt.

Vor allem die fehlenden Einnahmen aus der Champions League machten sich zuletzt deutlich in der VfB-Bilanz bemerkbar. Der Start in der Königsklasse hatte dem VfB 2007 rund 30 Millionen Euro eingebracht. Im UEFA-Cup konnten die Schwaben 2008 nur rund ein Zehntel davon erwirtschaften. Daher will der Bundesliga-Dritte der Vorsaison bei den Play-Off-Spielen im August unbedingt den Sprung in die Champions League schaffen. “Damit werden die Weichen gestellt für das geschäftliche Ergebnis 2009“, erklärte Staudt.

Für das Ziel Königsklasse setzen die Stuttgarter auf Risiko. Ein Großteil der Gomez-Millionen soll in den Kauf des niederländischen Nationalspielers Klaas-Jan Huntelaar von Real Madrid fließen. “Außergewöhnliche Spieler kosten auch außergewöhnliches Geld“, sagte Staudt. Noch aber ziert sich Huntelaar. “Am Geld liegt es nicht“, verriet Manager Horst Heldt den Mitgliedern. Bis zu 20 Millionen Euro will der VfB für den Stürmer ausgeben, hinzu kommt ein Jahresgehalt von rund vier Millionen Euro. “Ich bitte um Geduld, wir werden das hinkriegen“, versprach Heldt.

Torwart Jens Lehmann drängte den Verein mit einem flammenden Appell bei der Mitgliederversammlung zu weiteren Investitionen. “Wir brauchen noch Verstärkungen. Nur mit einem Ersatz für Mario schafft man es nicht. Da braucht man schon etwas mehr“, sagte der 39-Jährige, der per Video live aus dem Trainingslager im österreichischen Leogang zugeschaltet wurde. Finanzchef Ruf hatte schon zuvor die offizielle Abkehr vom Sparkurs verkündet: “Wir wollen das Risiko eingehen, aber das muss auch sitzen.“

Schon im Vorjahr gab der Verein knapp die Hälfte seiner Erträge für seinen Profi-Kader aus. 47,7 Millionen Euro ließ sich der VfB seine Lizenzspieler kosten. Teuer wird auch der Umbau der Mercedes- Benz Arena in ein reines Fußballstadion. “Das wird eines der modernsten und schönsten Stadien in Europa “, versprach Staudt. 27 Millionen Euro steuert der Club zu den Baukosten von mehr als 60 Millionen bei, 20 Millionen davon stammen aus dem Verkauf des Namensrechts an die Daimler AG. Wegen der bis Ende 2011 laufenden Baumaßnahmen sinkt die Kapazität des Stadions von mehr als 55 000 auf 42 000 Zuschauer. Damit fehlen dem Club in den kommenden zwei Jahren jeweils bis zu vier Millionen Euro an Einnahmen.

dpa

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